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13. Dezember 2019

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Die Bankiervereinigung öffnet die Türe zur Cloud

Die Bankiervereinigung öffnet die Türe zur Cloud

Die Banken in der Schweiz unternehmen grosse Anstrengungen, um sich für die Cloud vorzubereiten. Sie sind sich bewusst, dass es keine Frage mehr ist ob, sondern nur wann sie in die Cloud migrieren. Der Grund ist einfach: Die Cloud ist ein kritischer Erfolgsfaktor für die Gesamtwirtschaft und die Finanzbranche der Schweiz.

Clouddienstleistungen erleichtern die agile, innovative und kosteneffiziente Entwicklung von Geschäftsmodellen. Mit ihnen muss die Bank weniger eigene und teure Infrastrukturen aufrechterhalten. Gleichzeitig profitiert sie von der Geschwindigkeit der Hochleistungsrechner, die Cloud-Anbieter zur Verfügung stellen. Insbesondere kleinere Bankinstitute profitieren von diesen Lösungen. Damit leistet die Cloud einen wichtigen Beitrag, um die Diversität des Bankenplatzes Schweiz auch in Zukunft zu gewährleisten.

Sicher in die Cloud

Eine umfassende Migration auf die Cloud findet aber bei den Banken in der Schweiz noch nicht statt. Bisher zögern sie, ihre Daten auf die Cloud zu migrieren. Dies, weil noch offene Fragen zu gewissen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen bestehen. Diese aus dem Weg zu räumen hat sich die Bankiervereinigung bereits vor zwei Jahren auf die Fahne geschrieben.

Der im März von der Bankiervereinigung publizierte Cloud-Leitfaden hat Zug in den Kamin gebracht. Die nicht-bindenden Empfehlungen zur korrekten Auslegung zum rechtlichen und regulatorischen Rahmen haben ein grosses Echo ausgelöst. Sie fanden Eingang in der Geschäftsausgestaltung von Cloudprovidern und dienen als Orientierungshilfe bei Beratungsfirmen. Sogar im Ausland werden die Vorschläge diskutiert.

Grund für den Erfolg ist die breite Abstützung des Leitfadens bei der Erarbeitung, aber auch die flexiblen und pragmatischen Interpretationen.

Gut besuchtes Cloud-Seminar 

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Banking goes to the cloud

Als vorläufigen Höhepunkt dieser Arbeiten hat die Bankiervereinigung Mitte November rund 150 Cloudspezialisten zum Anlass «Banking goes Cloud» eingeladen. Ziel des Anlasses war, die Bedeutung einer Cloud für eine Bank aufzuzeigen und durch einen Informationsaustausch und die Diskussion von Lösungsansätzen die sichere Migration auf die Cloud zu beschleunigen. Es gelang, spezialisierte Expertenmeinungen und Alltagsherausforderungen bei der Umsetzung unter einen Hut zu bringen.

Während sich in vielen Bereichen von digitalen Finanzinnovationen eine regelrechte Flut von einander konkurrenzierenden Anlässen manifestiert, bestand im Cloudbereich eine Lücke. Das Zusammenkommen von Bankenvertretern mit Cloud-Anbietern, Juristen, IT-Experten, Behörden und Beratern war im Cloudbereich erstmalig und wurde geschätzt.

Aufklärung tat Not

Die beiden Elefanten im Raum waren erwartungsgemäss die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Zugriff von ausländischen Behörden auf Kundendaten in der Cloud (vgl. Kasten) und das Bankgeheimnis. Zentrale Einsicht der verschiedenen Interventionen war, dass es möglich ist, die diesbezüglichen Risiken durch spezifische Massnahmen derart zu reduzieren, dass demgegenüber die Kosten einer Nicht-Migration gross erscheinen. Aus diesem Grund wird erwartet, dass bereits in wenigen Jahren eine Mehrheit der Banken auf der Cloud ist, sogar mit Kundendaten.

Prüfbedarf der Schweizer Behörden bezüglich Executive Agreement mit den USA (US CLOUD Act)

Der grenzüberschreitende Datenfluss nimmt stetig zu. Immer mehr Strafermittlungen stützen sich dabei auf elektronische Beweise, die nicht öffentlich zugänglich sind und bei Unternehmen im Ausland liegen. Die Erleichterung des grenzüberschreitenden Zugangs zu elektronischen Beweismitteln ist ein neues Rechtsbedürfnis, das auch in der Schweiz diskutiert wird.

Die USA haben erstmals auf Basis des US CLOUD Act ein bilaterales Abkommen geschlossen, um die grenzüberschreitende Sicherung von elektronischen Beweismitteln zu erleichtern. Die Vereinbarung mit Grossbritannien wurde Anfang Oktober unterzeichnet. Auch in der Schweiz wird solch ein Abkommen mit den USA diskutiert.

Die Schweizerische Bankiervereinigung unterstützt Vorabklärungen zu Verhandlungen für ein Executive Agreement mit den USA unter der Voraussetzung, dass die Anforderungen der Schweiz an ein solches Abkommen einen angemessenen Schutz der Bürgerinnen und Bürger sowie Institutionen gewährleisten.

Dazu definiert sie in einem Positionspapier Mindestanforderungen, die bei internationalen Untersuchungen und der Herausgabe von Daten gelten sollen. Zum aktuellen Zeitpunkt sind dies:

  • eine enge Begrenzung des Kreises der möglichen Adressaten, der betroffenen natürlichen und juristischen Personen sowie der Daten und Straftaten,
  • die Gewährleistung der Betroffenenrechte sowie des Daten- und Rechtsschutzes und
  • der Schutz des Bankgeheimnisses