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13. Dezember 2017

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Banking the unbanked

Banking the unbanked

Millionen von Menschen weltweit haben keinen oder nur ungenügenden Zugang zu Finanzdienstleistungen. Wie Fintech die finanzielle Inklusion vorantreibt und dabei die Vermögensverwaltung revolutionieren könnte.

Banken verwalten weltweit Milliardenvermögen und bieten eine Vielfalt an Dienstleistungen und Produkten an. Wer die Wahl hat, hat die Qual, denkt man, doch der Zugang zu ebendiesen Bankdienstleistungen ist nicht selbstverständlich. Bis zu 90 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern ist durch einen Mangel an Verkaufs- beziehungsweise Servicestellen, hohe Kosten, ungenügende Infrastruktur sowie inadäquate Rahmenbedingungen ohne Zugang zu Finanzdienstleistungen. Millionen von Menschen weltweit bleibt dadurch unter anderem die Investition in eigene Geschäftsmodelle, und damit ein gesichertes Einkommen, verwehrt. In diese Lücke springt die sogenannte Mikrofinanzierung als gezieltes Instrument der Entwicklungsarbeit. Eine Vorreiterrolle übernimmt dabei die Credit Suisse.

Innovation durch Mikrofinanz

Ein wesentliches Merkmal der Mikrofinanzierung ist unter anderem der niedrige Kreditbetrag. Bereits Mikrokredite von wenigen Dollar ermöglichen es Menschen, die vom Finanzsystem ausgeschlossen sind und die ohne finanzielle Sicherheiten von lokalen Banken kein Geld erhalten, sich eine Existenz aufzubauen.

Mikrofinanzierungen haben viel Potential.

Der Mikrofinanzsektor verzeichnet seit Jahren solide Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Wie bereits letztes Jahr wird dem globalen Mikrofinanzsektor auch für 2017 ein Wachstum zwischen 10 und 15 Prozent vorausgesagt. Mikrofinanzierungen haben damit viel Potential und sind so zusammen mit der sozialen Verantwortung auch für grosse Investoren interessant. Beispielsweise Credit Suisse engagiert sich seit 2002 als eines der ersten Unternehmen der Schweiz im Bereich Mikrofinanz und hat im Jahr 2008 die Microfinance Capacity Building Initiative (MCBI) ins Leben gerufen.

Die Initiative entwickelt innovative Finanzdienstleistungen.

„Durch die MCBI unterstützt die Credit Suisse die Entwicklung innovativer Lösungen von Mikrofinanzinstitutionen, um den Bedürfnissen der Kunden am unteren Ende der Einkommenspyramide gerecht zu werden“, sagt Manuel Hörl, Head Microfinance Capacity Building Initiative (MCBI) bei der Credit Suisse. Die Initiative stärke die Mikrofinanzbranche, indem sie deren Know-how und Kompetenzen fördere und die Marktentwicklungen vorantreibe. Innerhalb der Initiative arbeitet die Credit Suisse mit fünf Partnerorganisationen zusammen und entwickelt mit diesen innovative Finanzprodukte und -dienstleistungen. „Gemeinsam mit unseren Partnern versuchen wir neue Wege zu finden, allen Bevölkerungsschichten den Zugang zu Finanzdienstleistungen und Finanzberatung zu ermöglichen.“

Erweiterte Möglichkeiten durch Fintech

Mit der globalen Digitalisierung verändern sich nicht nur die Ansprüche der Kunden. Die rasche Ausbreitung von Technologie insbesondere von Mobiltelefonen und Internet in allen Einkommensschichten und Regionen eröffnet ganz neue Möglichkeiten zur Bereitstellung von Finanzdienstleistungen. Durch das neue digitale Umfeld spriessen weltweit Fintech-Start-ups aus dem Boden. Die Start-ups sind jung, dynamisch und sprühen vor neuartigen, technologiegestützten Ideen, um die Innovation und Verbesserung von Finanzdienstleistungen zu ermöglichen.

Venture Lab konzentriert sich auf Start-ups, die Lösungen für die finanzielle Inklusion entwickeln.

Genau dort setzt eine der fünf Partnerorganisationen der MCB-Initiative von Credit Suisse an: Accion ist eine globale gemeinnützige Organisation, welche die finanzielle Inklusion weltweit bereits seit über 55 Jahren fördert und 2012 das Investitionsvehikel Venture Lab gründete. Venture Lab konzentriert sich auf Anlagen in Start-ups in der Gründungsphase, die Lösungen für die finanzielle Inklusion mit Schwerpunkt auf einkommensschwachen Personen und Unternehmen am unteren Ende der Einkommenspyramide entwickeln. Venture Lab stellt den Jungfirmen das nötige Startkapital zur Verfügung und bringt Mitarbeitende und Ressourcen des weltweiten Netzwerkes von Accion ein, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Bisher hat Venture Lab in Ländern wie Mexiko, Indonesien, Tansania oder Indien in über 30 Firmen investiert, die den Zugang zu Spardienstleistungen, Zahlungsverkehr, Krediten und Versicherungen ermöglichten oder verbesserten:

  • Salud FÁCIL in Mexiko beispielsweise ermöglicht Kunden mit sehr geringem Einkommen bezahlbare Kredite, damit sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen und die Gesundheitskosten bezahlen können.
  • Coda Pay ist ein Mobile-First Bezahlsystem in Südostasien, welches in Zusammenarbeit mit Telekomanbietern Kunden ohne Kredit- oder Debitkarte bargeldloses Zahlen über das Mobilabonnement ermöglicht.
  • GoFinance stellt kleinen Unternehmen mit lokaler Ausrichtung und entsprechender Wertschöpfungskette Betriebskredite zur Verfügung. Das Unternehmen nutzt dabei digitale Daten und mobile Geldkanäle, um Kredite für den stark unterversorgten KMU-Markt in Ostafrika effektiver zu sprechen zu können.

Think big, start small

Für den Endkonsumenten bringt die Digitalisierung im Idealfall die Gewährleistung des Zugangs zu Finanzdienstleistungen und damit in gewissen Fällen die Existenzsicherung. Das Internet, neue Technologien, mobile Zahlungsplattformen oder neuartige Konzepte im Bereich Finanzdienstleistungen können den nächsten Schritt in Richtung finanzielle Inklusion ermöglichen. Den Finanzinstituten können solche Innovationen mehr Effizienz, ein erweitertes Dienstleistungsangebot und eine Reichweite über den bestehenden Kundenstamm heraus ermöglichen.

Die Projekte können wegen der Skalierbarkeit auf andere Zielgruppen übertragen werden.

Darüber hinaus bringt das Engagement der Investoren neben der Rendite und der Reputation in Bezug auf die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung noch einen weiteren Effekt: „Aufgrund der digitalen Natur und der guten Skalierbarkeit von Fintech-Lösungen sind derartige Geschäftsmodelle interessant“, erklärt Manuel Hörl. Zwar sind die durch Venture Lab unterstützten Innovationen in erster Linie auf die Basis der Wohlstandspyramide ausgerichtet, doch können die Projekte – wegen der Skalierbarkeit – gerade so gut auf andere Zielgruppen übertragen werden. „Die nächste Fintech-Lösung, die das Geschäft mit sehr vermögenden Kunden revolutioniert, könnte ursprünglich für das untere Ende der Einkommenspyramide entwickelt worden sein“, fügt Hörl hinzu.

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