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Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2016/12/14 01:00:00 GMT+1

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Lebenslanges Lernen 4.0

Lebenslanges Lernen 4.0

Der neue Lehrgang „Arbeitskompetenz 4.0“ soll erfahrene Mitarbeitende fit für die neue Arbeitswelt machen und dem Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit dienen. Für ein adäquates Aus- und Weiterbildungsangebot auf allen Stufen setzt sich auch die SBVg ein.

Dass sich Jobprofile und Tätigkeiten in der Finanzbranche durch die Digitalisierung markant ändern werden, ist längst bekannt. Das Ende der Banken und der Kundenberater wurde in den Medien und in einigen Studien bereits prognostiziert. Doch was tut eigentlich die Branche, um ihre Mitarbeitenden für eine digitalisierte Arbeitswelt fit zu machen?

Arbeitskompetenz 4.0

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Balz Stückelberger, Geschäftsführer Arbeitgeber Banken
Heute verlaufe der Wandel der Arbeitswelt schneller als früher, sagt Balz Stückelberger, Geschäftsführer von Arbeitgeber Banken. „Zwar ist der Arbeitsmarkt in der Bankbranche seit Jahren relativ stabil, gemessen an der Arbeitslosigkeit. Das heisst aber nicht, dass wir uns zurücklehnen dürfen, denn von den Mitarbeitenden wird ein hohes Mass an Veränderungsbereitschaft verlangt.“ Aus diesem Grund hat Arbeitgeber Banken zusammen mit dem Kaufmännischen Verband Schweiz (KV) und CYP den Lehrgang Arbeitskompetenz 4.0 entwickelt, welcher ab Frühjahr 2017 angeboten wird. „Unser Kurs will die Mitarbeitenden darin bestärken, ihre Chancen in der neuen Arbeitswelt zu nutzen, ihr Potential zu erkennen und die Arbeitsmarktfähigkeit zu steigern respektive zu erhalten“, sagt Stückelberger. „Mitarbeitende müssen sich mit aktuellen und zukünftigen Trends auseinandersetzen, damit sie die Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 meistern können. Der Lehrgang Arbeitskompetenz 4.0. unterstützt die Arbeitnehmenden beim Erwerb der dafür notwendigen Kompetenzen“, bekräftigt Marie-Theres Lorenzon, Leiterin Weiterbildung der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg).

Karriereschub durch Weiterbildung

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Marie-Theres Lorenzon, Leiterin Weiterbildung, SBVg
Neben fundiertem, breitem Fachwissen und digitalen Kompetenzen sind heute in der Finanzbranche vor allem Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, Eigenverantwortung und vernetztes Denken gefragt. Zudem braucht es Offenheit gegenüber neuen Technologien und Denkansätzen sowie die Bereitschaft, sich laufend weiterzuentwickeln und weiterzubilden. Gerade für die Generation 50plus ist es nicht einfach, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten, deshalb sind neue Arbeitsmodelle, die auf ältere Mitarbeitende zugeschnitten sind, durchaus sinnvoll. Der Lehrgang „Arbeitskompetenz 4.0“ richtet sich daher in erster Linie an erfahrene Kaufleute und Spezialisten mit langjähriger Erfahrung, die ihrer Laufbahn neuen Schub verleihen möchten. „Ältere Mitarbeitende sind wichtig für die Banken, und sie werden mit Blick auf den Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung in Zukunft noch wichtiger“, ist Balz Stückelberger überzeugt.

In der Finanzbranche sind vor allem Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, Eigenverantwortung und vernetztes Denken gefragt.

In dem acht Monate dauernden Lehrgang durchlaufen die Teilnehmenden fünf Module, deren Inhalt durch E-Learining zur Vor- und Nachbereitung individuell gefestigt werden soll. In den Modulen werden beispielsweise mittels eines Planspiels betriebswirtschaftliche Themen und aktuelle Trends aufgenommen oder Fallstudien im Fokus des veränderten Umfelds erarbeitet.

Lebenslanges Lernen

Doch was bringen ein solcher Kurs und die erlernten Kompetenzen, wenn eine Vielzahl an Jobs in der Finanzbranche automatisiert werden könnte, wie jüngst eine Deloitte-Studie ergeben hat? „Die Digitalisierung wird nicht in erster Linie Jobs vernichten, sondern vor allem Jobs verändern“, sagt Balz Stückelberger. Das Ziel müsse es sein, viele Mitarbeitende bereit zu machen für diese Entwicklung. Für Marie-Theres Lorenzon ist es zentral, dass über alle Stufen und Segmente hinweg ein adäquates Aus- und Weiterbildungsangebot vorhanden ist. Damit die bestehenden Bildungsgefässe dem Bedarf entsprechen, prüft die SBVg regelmässig, welche Kompetenzen Bankmitarbeitende inskünftig mitbringen sollten und welche Anpassungen im eidgenössisch anerkannten Bereich der Grundbildung (Banklehre, Bankeinstieg für Mittelschulabsolventen) und auf der ersten Weiterbildungsstufe (Höhere Fachschule Bank und Finanz) nötig sind.

Die Digitalisierung wird nicht in erster Linie Jobs vernichten, sondern vor allem Jobs verändern.

Der Lehrgang „Arbeitskompetenz 4.0“ ist ein wichtiges neues Element in der Bildungslandschaft, die das lebenslange Lernen fördern will. Mit seinen fünf Modulen könne er nicht den kompletten Kompetenzaufbau ermöglichen, dämpft Stückelberger die Erwartungen, fügt aber an: „Der Kurs kann sensibilisieren und den Mitarbeitenden aufzeigen, was heute und morgen gefragt ist und welche Instrumente und Strategien bestehen, um sich erfolgreich in der neuen Arbeitswelt zurechtzufinden.“

Ob durch den Lehrgang oder auf andern Bildungswegen: Letztendlich braucht es die Bereitschaft der Mitarbeitenden, sich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen und die persönliche Weiterentwicklung aktiv anzugehen.

Welche Kernkompetenzen Kundenberaterinnen und Kundenberater künftig mitbringen sollten:

  • Hohe Fachkompetenzen: Bankhandwerk, Produktewissen bleiben zentral
  • Vernetztes, strukturiertes und interdisziplinäres Denken mit Gesamtsicht, Analyse- und Problemlösungsfähigkeiten.
  • Medien- resp. Technologiekompetenzen: Enduser-, kundenorientiert, Kenntnis über Funktionalitäten der neuen Finanztechnologien, Präsentationstechniken
  • Sozialkompetenzen: Empathie, Kommunikations- und Kontaktfähigkeit, Beratungs-, Verkaufs- und Verhandlungsgeschick, Teamfähigkeit, Kritik- und Konfliktfähigkeit, Leadershipkompetenz im Umgang mit Spezialisten
  • Selbstkompetenzen: Flexibilität, Interesse und Offenheit gegenüber neuen Situationen, Kunden, Belastungsfähigkeit / Umgehen mit Druck, gutes Zeitmanagement, Frustrationstoleranz, Fähigkeit zur Selbstreflexion, Bereitschaft für lebenslanges Lernen