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26. September 2019

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Schweizer Wealth Management: Auch unter neuen Vorzeichen an der Weltspitze

Schweizer Wealth Management: Auch unter neuen Vorzeichen an der Weltspitze

Das Bankenbarometer 2019 der SBVg fokussiert auf die Entwicklungen im Schweizer Wealth Management. Der Übergang zum automatischen Informationsaustausch hat die Branche herausgefordert. Per Ende 2018 lässt sich bilanzieren, dass die verwalteten Vermögen im internationalen Geschäft gewachsen, die Margen jedoch geschrumpft sind. Für die Zukunft gilt es, auf die bewährten Stärken zu setzen.

Banken in der Schweiz verwalteten 2018 insgesamt CHF 3,7 Bio. an Privatvermögen. Rund 62 Prozent davon oder CHF 2,3 Bio. stammen von wirtschaftlich Berechtigten mit Domizil im Ausland. Die Schweiz bleibt mit einem Marktanteil von rund 27 Prozent im globalen grenzüberschreitenden Wealth Management Weltmarktführerin. Die Standorte Hong Kong und Singapur wachsen aufgrund von Nachbarschaftsvorteilen zu den dynamischen asiatischen Märkten jedoch deutlich stärker. Ihr kumuliertes Volumen an verwalteten Vermögen hat mittlerweile das Niveau der Schweiz erreicht. 

Verwaltete Vermögen nehmen zu – auch durch Zuflüsse

Verschiedentlich wurde mit der Abschaffung des Bankgeheimnisses gegenüber dem Ausland der Niedergang des Schweizer Finanzplatzes und der Abstieg aus der Weltspitze vorausgesagt. Ein Blick auf die grenzüberschreitenden Vermögen in der Schweiz Ende 2018 zeigt: Seit 2013 sind sie um CHF 300 Mrd. gewachsen. Dazu haben sämtliche Weltregionen beigetragen – auch Westeuropa, die volumenmässig bedeutendste Region. Netto ist in dieser Phase rund ein Zehntel der Vermögen von westeuropäischen Kunden abgeflossen, d.h. rund CHF 95 Mrd. Diese wurden von der Anlage- und Marktperformance jedoch mehr als ausgeglichen, so dass die verwalteten Vermögen westeuropäischer Kunden insgesamt zugenommen haben. Aus dem Rest der Welt war über die letzten fünf Jahre zudem ein bedeutender Nettozufluss von kumuliert mehr als CHF 100 Mrd. zu verzeichnen. Dies ist ein eindeutiges Indiz, dass das Angebot des Schweizer Wealth Management intakt ist und bei ausländischen Kunden auch weiterhin auf grossen Zuspruch stösst. 

Hausgemachte Bremsen lösen

Dennoch dürfen sich die Schweizer Wealth Manager nicht in falscher Sicherheit wiegen. Neben den Veränderungen im Markt sind sie auch mit politischem Gegenwind konfrontiert. Einerseits ist der Marktzugang in die EU als wichtigster Markt nach wie vor stark eingeschränkt. Dies, obschon die entscheidenden Regeln hierzulande längst äquivalent ausgestaltet sind wie in der EU. Andererseits ist der hiesige Kapitalmarkt durch hausgemachte Regeln benachteiligt: Die Verrechnungssteuer wirkt als Emissionsbremse, die Stempelsteuer als Handelsbremse. Andere Standorte kennen diese Nachteile nicht. 

Der Wettbewerb hat an Intensität gewonnen und den Druck auf die Margen des Schweizer Wealth Management erhöht. Die Returns on Assets, d.h. die Erträge pro verwaltetem Franken, sind von 2013 bis 2018 um 12 Basispunkte zurückgegangen. Die gesamten Erträge sind dank des Volumenwachstums jedoch leicht gewachsen.  

Aufbauen auf Verlässlichkeit, Digitale Lösungen und Nachhaltigkeit

Waren früher vor allem nationale Regulierungsunterschiede im internationalen Standortwettbewerb ausschlaggebend, geht die Entwicklung heute hin zu einem verstärkten Qualitäts- und Leistungswettbewerb. Dabei haben die Schweizer Institute einen beträchtlichen Vorsprung: Kaum ein Standort kann eine ähnlich umfassende, qualitativ hochstehende, kompetente und bezüglich Kulturen und Sprachen diversifizierte Vermögensverwaltung anbieten wie die Schweiz. Bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Sustainable Finance ist der Finanzplatz ebenfalls sehr gut positioniert, um die zunehmenden Bedürfnisse von Privatkunden bestens zu bedienen. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten kann die Schweiz ausserdem mit einer hohen Verlässlichkeit punkten.

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SBVg Abb. 30 Bankenbarometer