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2018/09/27 08:40:00 GMT+2

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«Zukunft gestalten, Freiräume schaffen»

«Zukunft gestalten, Freiräume schaffen»

Der Bankiertag 2018 zeigte deutlich: der Finanzplatz ist im Aufbruch. SBVg-Präsident Herbert J. Scheidt erklärt im Interview, warum Konsensbereitschaft und der Dialog auf Augenhöhe mit den Behörden notwendiger sind denn je.

Der diesjährige Bankiertag in Genf stand unter dem Motto «Zukunft gestalten, Freiräume schaffen» und startete mit einem Blick in das Swiss Banking von morgen: Ein neuer Promotionsfilm der SBVg zeigt, wie junge innovative Menschen mit Unternehmergeist und Tatendrang neue Finanztechnologien in ihren Banken nutzen, um die Finanzdienstleistungen von morgen zu gestalten. Damit sich Neues entwickeln kann und Innovation möglich ist, braucht es Rahmenbedingungen, die die notwendigen unternehmerischen Handlungsspielräume sicherstellen. Herbert J. Scheidt verwies in seiner Präsidialrede auf die wichtige Aufgabe der SBVg als Spitzenverband der Branche, die verschiedenen Anliegen der Banken in gemeinsamen Positionen zu bündeln und mit einer starken Stimme zu sprechen. Gerade in Zeiten zunehmender Fragmentierung und Desintegration sei die Funktion eines Spitzenverbandes notwendiger denn je.

insight: Herbert Scheidt, wo steht der Finanzplatz heute, zehn Jahre nach der Finanzkrise?

Der Finanzplatz Schweiz heute ist sicher, stabil und transparent. Unsere Banken haben ihre Risiken reduziert. Viele unserer Institute übererfüllen die Kapitalanforderungen der FINMA, die bereits deutlich über den internationalen Mindestanforderungen liegen. Die Banken befolgen alle nationalen und internationalen Regeln und mit der lückenlosen Umsetzung des AIA herrscht Transparenz in Steuerfragen. Insofern haben wir ein gutes, stabiles Fundament, um mit Energie und Zuversicht unsere Zukunft zu gestalten und unternehmerische Freiräume für mehr Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen.

Wie soll das gehen?

Wer Zukunft gestalten will, braucht eine klare Vision, kraftvollen Veränderungswillen, hohe Kompetenz und schliesslich auch kompromissfähige Partner, mit denen sich die notwendigen Freiräume schaffen lassen. Die Interessen- und Themenvielfalt wächst, weshalb auch die Anforderungen an die Branche und die Behörden hinsichtlich Konsensbereitschaft höher geworden sind. Was uns über alle zwangsläufigen und berechtigten inhaltlichen Diskussionen hinweg jedoch eint, ist der unbedingte Wille, etwas zu bewegen, sei es für unsere Banken, den Finanzplatz oder den Standort Schweiz. Entscheidend ist, dass die Branche geschlossen auftritt und im partnerschaftlichen Dialog Lösungen und Positionen erarbeitet. Das Verfolgen von Partikularinteressen hingegen schafft keine Handlungsspielräume, sondern macht mittel- bis langfristig handlungsunfähig.

Sie fordern von den Behörden einen Dialog auf Augenhöhe. Ist das heute nicht gegeben?

Die besten Lösungen erreichen wir, wenn alle Akteure bei Regulierungsprozessen frühzeitig und durchgängig einbezogen sind. Das ist heute nicht immer der Fall. Unsere Branche verfügt über grosse Expertise, insbesondere wenn es darum geht, die Wirkung neuer Regulierung und deren Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit zu beurteilen. Deswegen sage ich in Richtung der Behörden: «Nutzt die Kompetenz unserer Experten für einen konstruktiven Dialog auf Augenhöhe, denn das bringt gute Regulierung.» Gute Regulierung dient der Stabilität und Sicherheit, aber zu guter Regulierung gehört auch, dass sie die Märkte funktionsfähiger macht und unternehmerische Handlungsspielräume schafft.

Wie müsste dieser Dialog aussehen?

Es gibt auch positive Beispiele wie etwa das Kleinbanken-Regime, wo wir uns gemeinsam mit der FINMA engagieren. In einem Pilotprojekt, das zurzeit mit 67 Banken läuft, werden regulatorische Erleichterungen für kleine und mittlere Banken der Kategorien 4 und 5 getestet. Ich bin überzeugt, mit einem solchen gemeinsamen Ansatz erreichen wir bessere Resultate für alle Seiten. Als Branche wollen wir schliesslich Teil der Lösung sein, nicht Teil des Problems.


Bankiertag 2018: Zukunft gestalten, Freiräume schaffen

Der Bankiertag ist die jährliche Generalversammlung der SBVg und bildet einen der Höhepunkte im Schweizer Bankenjahr. Nebst der Präsidialrede durch Herbert J. Scheidt, Präsident der SBVg, referierte Bundesrat Ueli Maurer, Vorsteher des Eidgenössischen Finanzdepartements. Maurer betonte die Wichtigkeit, nach vorne zu schauen und gemeinsam mit der Branche die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes zu stärken. Nathalie Fontanet, Mitglied des Regierungsrates des Kantons Genf, überbrachte die Grussbotschaft des Kantons Genf. Im Weiteren referierte Professor Patrick Aebischer, ehemaliger Präsident der EPFL, als Out of the Box Referent zum Thema «Zukunft gestalten». Aebischer hielt ein überzeugendes Plädoyer für einen starken Wissenschaftsstandort Schweiz. Ein hochkarätiges Panel diskutierte zudem unter dem Titel «Unternehmerische Freiräume» die Fragen, wie die Veränderungen der Digitalisierung als Chancen genutzt werden und was erfolgreiches Unternehmertum in verschiedenen Industrien auszeichnet. 

Anlässlich des Bankiertags 2018 wurden zudem folgende Persönlichkeiten in den Verwaltungsrat gewählt:

  • Boris F. J. Collardi, Managing Partner, Banque Pictet & Cie SA, als Vertreter der Vereinigung Schweizerischer Privatbanken (VSPB)
  • Bernhard Hodler, CEO Bank Julius Baer & Co. Ltd. als Vertreter der Vereinigung Schweizerischer Assetmanagement- und Vermögensverwaltungsbanken (VAV)
  • Adrian Nösberger, CEO Schroder & Co Bank AG, als Vertreter des Verbandes der Auslandbanken in der Schweiz (VAS)
  • Marcel Rohner, Vizepräsident des Verwaltungsrates der Union Bancaire Privée, UBP SA, und Präsident der VAV als Vertreter der VAV
  • Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg AG, als Vertreterin des Verbandes der Schweizer Regionalbanken (VSRB)

 

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