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2014/09/24 10:15:00 GMT+2

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Balz Stückelberger im Interview: Banken brauchen ausländische Mitarbeitende

Balz Stückelberger im Interview: Banken brauchen ausländische Mitarbeitende

Wie gehen die Banken mit der neuen Situation um, die sich nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative ergeben hat? Welche Strategien sind nun gefragt, um die Verfügbarkeit von Fachkräften sicherzustellen, und was ist von den Umsetzungsvorschlägen des Bundesrates zu halten? Balz Stückelberger, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Banken in der Schweiz, gibt Auskunft.

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Herr Stückelberger, nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative wird die Zuwanderung begrenzt werden. Welche Auswirkungen hat das auf die Banken?

Das lässt sich derzeit noch nicht abschliessend sagen, weil der Bundesrat erst das Umsetzungskonzept, aber noch keine Zahlen präsentiert hat. Tatsache ist, dass bei den Banken in der Schweiz rund 28‘000 ausländische Mitarbeitende arbeiten. Das ist mehr als ein Viertel aller Beschäftigten. Im vergangenen Jahr rekrutierten die Banken 3‘750 Personen aus dem EU/EFTA-Raum sowie 610 Personen aus Nicht-EU-Staaten. Die Banken sind auf diese ausländischen Mitarbeitenden angewiesen.

Könnten denn diese Personen nicht auch wieder vermehrt in der Schweiz rekrutiert werden?

Nein, sicher nicht in diesem Umfang. Die Rekrutierung von ausländischen Mitarbeitenden durch Banken erfolgt nicht zulasten des einheimischen Arbeitskräfte-Potentials. Das zeigt schon allein die konstant tiefe Arbeitslosenquote im Bankensektor. Es liegt aber auch auf der Hand, dass ein so kleines Land wie die Schweiz nicht genügend eigene Fachkräfte hervorbringen kann für einen Bankensektor, der weltweit in der obersten Liga zuvorderst mitspielt.

Welche Berufsbilder werden denn hauptsächlich im Ausland gesucht?

Eine Studie des AGV Banken und der SBVg zeigt, dass rund ein Drittel des 2013 im Ausland rekrutierten Personals Kundenberater im Private Banking war. Weitere 22% entfielen auf Kundenberater im Firmenkundengeschäft. Gut 20% waren andere Fachspezialisten. Die Informatiker machten 8% aus. 

Wie bereiten sich denn nun die Banken auf den erschwerten Zugang zu Fachkräften aus dem Ausland vor?  

Die Masseneinwanderungsinitiative hat kein neues Problem gebracht, sondern ein bestehendes Problem verstärkt. Die Banken und der AGV Banken befassen sich seit Jahren mit dem Phänomen des Fachkräftemangels aufgrund der demografischen Entwicklung. Die entsprechenden Strategien sind längst bekannt. Um den Rekrutierungsschwierigkeiten zu begegnen, muss das vorhandene Arbeitskräftepotential besser genutzt werden. Hier sprechen wir zum Beispiel über die Erhöhung der Frauenerwerbsquote oder das verstärkte Nutzen des Potentials von älteren Mitarbeitenden. Zudem könnte die Ausbildung von jungen Fachkräften nochmals intensiviert werden. Ein weiteres Arbeitskräftepotential liegt im Ausland. Da dieses nun aber eingeschränkt werden soll, steigt der Druck auf die anderen Ebenen.

Der Bundesrat hat die Leitlinien der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative präsentiert. Was sagen sie dazu?

Wir sind enttäuscht, dass der Bundesrat die Initiative sehr streng umsetzen will. Leider wird der vorhandene Spielraum für eine Umsetzung möglichst nahe am Personenfreizügigkeitsabkommen nicht genutzt. So will der Bundesrat zum Beispiel alle Bewilligungsarten begrenzen, auch die Kurzaufenthalter ab vier Monaten und die Grenzgänger. Bei diesen Kategorien handelt aber gar nicht um Zuwanderung im eigentlichen Sinne. Zudem will sich der Bundesrat bei der Festlegung der Kontingente von einem Expertengremium beraten lassen, das vor allem aus Vertretern von Behörden und Kantonen bestehen soll. Wir fordern, dass auch die Sozialpartner in diesem Gremium Einsitz nehmen können.