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30. Juni 2016

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Nachhaltiges Banking lohnt sich

Nachhaltiges Banking lohnt sich

Für ein Land, das von Wohlstand geprägt ist, ist nachhaltiges wirtschaftliches Handeln nicht nur Möglichkeit, sondern auch Verpflichtung. Eine Roadmap schlägt Wege für ein nachhaltiges Finanzsystem vor, das auch Ertragsmöglichkeiten für Banken bietet.

Es ist erst zwei Jahre her, dass das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, das United Nations Environment Programme UNEP, eine weltweite Untersuchung lancierte, wie das globale Finanzsystem nachhaltig ausgestaltet werden könnte. In der Schweiz rannte UNEP offene Türen ein. Unter der Koordination des Bundesamtes für Umwelt BAFU fanden sich Vertreter der Finanzwelt, der Wissenschaft, von NGOs und von Behörden zum sogenannten „Swiss Team“ zusammen, das seitdem zwei wegweisende Berichte publiziert hat. Diese haben das Ziel, das Bewusstsein für eine nachhaltige Finanzwelt zu schärfen, die Diskussion zwischen Praxis, Wissenschaft und Behörden zu fördern und schlussendlich den Finanzplatz Schweiz nachhaltiger zu gestalten.

Das Ziel, den Finanzplatz Schweiz nachhaltiger zu gestalten.

Nachhaltigkeit ist auch ein Businessmodell

Ein Finanzsystem ist nachhaltig, wenn es zu nachhaltiger Entwicklung beiträgt und in ökonomischer, umweltbezogener und sozialer Hinsicht Wert schafft“, erklärt Sabine Döbeli, CEO vom Verband Swiss Sustainable Finance. Was so abstrakt klingt, findet seine sehr konkrete Entsprechung in der Mitte Juni 2016 vorgestellten Publikation „Proposals for a Roadmap towards a Sustainable Financial System in Switzerland“. Sabine Döbeli, Mitinitiatorin des Berichts, sagt: „In der Roadmap werden konkrete Massnahmen vorgeschlagen, wie sich das Finanzsystem in der Schweiz nachhaltig ausgestalten lässt. Wir geben uns dabei keinen weltfremden Utopien hin, sondern sind uns bewusst und begrüssen, dass nachhaltige Finanzierungs- und Investitionsaktivitäten durchaus wirtschaftlichen Interessen folgen.“ Rund 35 Personen, deren Interessen selten deckungsgleich waren, wirkten an der Roadmap mit. Dennoch ist es gelungen, gemeinsam Vorstellungen über diejenigen Veränderungsmöglichkeiten zu erarbeiten, die in der Schweiz als nächstes angepackt werden müssen – sicher ein Beleg für die Wichtigkeit, die dem Thema von allen involvierten Kreisen beigemessen wird.

Die Vermögensverwaltung ist einer der fünf Bereiche.

Fünf Geschäftsbereiche, 20 Massnahmen

In der Schweiz sind nachhaltige Investments während der letzten zehn Jahre zwar dynamisch gewachsen, machen aber bislang nur rund ein Prozent der in der Schweiz verwalteten Vermögen aus. Die Vermögensverwaltung ist einer der fünf Bereiche, für die das "Swiss Team" konkrete Massnahmen vorschlägt. Die weiteren Felder sind institutionelle Investoren, das Kreditgeschäft, Kapitalmärkte sowie Forschung und Ausbildung. „Die Vorschläge beruhen auf der Expertise der Mitglieder des Swiss Teams und geben zum Teil best-practice-Beispiele weiter“, erklärt Sabine Döbeli. Immer wieder genannt werden Massnahmen im Bereich Ausbildung aller beteiligten Gruppen, Forschung zur Nachhaltigkeit, Einführung von Standards und Messgrössen, Anpassung von bankinternen Prozessen sowie transparente Berichterstattung.

Führungsrolle für die Schweiz möglich

Die Initiative in der Schweiz fügt sich in international breit abgestützte Anstrengungen für nachhaltige Finanzsysteme ein: Der internationale Konsens über nachhaltige Entwicklung wurde in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen festgeschrieben, die Addis Abeba Action Agenda hält Wege zur Finanzierung einer nachhaltigen Gesellschaft fest und , im Jahr 2015 wurde das historische Pariser Abkommen geschlossen, das unter anderem verbindliche Vorgaben hinsichtlich der Finanzierung von klimaschonenden Investitionen macht.

Wie erfolgreich alle diese Initiativen letztlich sind, wird sich in der Praxis zeigen. Ermutigend ist, dass zahlreiche Schweizer Banken bereits heute in vielerlei Hinsicht den Prinzipien der Nachhaltigkeit folgen. Entsprechend seiner Marktstellung hat der Schweizer Finanzplatz das Potenzial, im Hinblick auf Nachhaltigkeit profitabel und weltweit führend zu sein.