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30. Juni 2016

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Fintech kann auch sozial sein

Fintech kann auch sozial sein

Fintech ist mehr als nur das Banking der Zukunft. Wie digitales Fundraising mittels moderner Finanztechnologie neue Wege beschreitet und Unternehmen dabei etwas Gutes tun können.

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Marco Zaugg, CEO Mitgründer, RaiseNow
Was hat Fundraising mit Fintech zu tun und wieso ist das Thema insight einen Beitrag wert? Um es vorweg zu nehmen: die Verbindungen zwischen digitalem Fundraising und Finanzbranche sind eng. Darüber hinaus bietet digitales Fundraising Unternehmen, die sich aktiv um ihre Corporate Social Responsibility (CSR) kümmern, neue Möglichkeiten.

Der wichtigste und in dieser Form auch einzige Anbieter von digitalen Fundraising-Lösungen in der Schweiz ist RaiseNow. Das Startup ist seit 2015 im Handelsregister eingetragen, war aber ursprünglich ein Teil der Digitalagentur Getunik und bringt somit langjährige Erfahrung im Online-Fundraising mit. Die Firma stellt die Software für digitales Fundraising zur Verfügung und bedient damit primär grosse und mittelgrosse Non-Profit-Organisationen (NPO) wie Helvetas, Redcross.ch, Ärzte ohne Grenzen oder Amnesty International. Zu den rund 150 Kunden zählen auch Hilfswerke in Deutschland, Grossbritannien und den USA.

Rund um den Globus, mit allen erdenklichen Zahlungsmöglichkeiten

Spenden ist bislang ein eher analoges Geschäft und die Gelder werden meist per Einzahlungsschein überwiesen. Das entspricht nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Marco Zaugg, Geschäftsführer und Mitbegründer von RaiseNow erklärt: „Nur 2.2 Prozent der Spendengelder fliessen über digitale Kanäle, was viel zu tief ist, wenn man dem den hohen Digitalisierungsgrad der Gesellschaft gegenüberstellt. Die digitalen Zahlungsmittel befinden sich im Wandel. Auch die NPO haben das erkannt, was dem Online-Fundraising in die Hände spielt.“ RaiseNow stellt für das digitale Spendensammeln die Technologie sowie die gesamte Zahlungsabwicklung sicher und stellt die entsprechenden Spendenformulare zur Verfügung. So können einmalige oder wiederkehrende Spenden mit wenigen Klicks per Kreditkarte, Paypal, PostFinance oder e-banking direkt dem Hilfswerk übermittelt oder die Zahlung via Twint oder Paymit ausgelöst werden. Möglich ist auch eine Schnellspende via SMS, die mit der Mobilfunkabrechnung belastet wird.

„Nur 2.2 Prozent der Spendengelder fliessen über digitale Kanäle, was viel zu tief ist, wenn man dem den hohen Digitalisierungsgrad der Gesellschaft gegenüberstellt."

Bei schweizweiten Spendenplattformen wie der Glückskette oder anderen ZEWO-zertifizierten Hilfswerken läuft der gesamte Geldfluss der Online-Spenden via RaiseNow. „Als PCI DSS-zertifizierter Anbieter kann RaiseNow Kreditkartendaten verarbeiten und vollautomatisch den Einzug von regelmässigen Spenden für die Hilfswerke managen“, fügt Zaugg an.RaiseNow bietet ihre Lösung weltweit an. Durch sogenanntes Meta Payment Service Providing können Zahlungen von überall übermittelt und empfangen werden. Zudem verarbeitet die RaiseNow-Technologie die Spendenflüsse in Echtzeit. Weiter erhalten die Spender unmittelbar nach der Transaktion eine Spendenbescheinigung per Mail zugestellt.

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Spendenformular WWF
Gutes tun ganz digital

Die Technologie von RaiseNow können aber nicht nur NPO nutzen. Für jedes Unternehmen, das seine CSR verbessern möchte, ist die Lösung interessant:
Eine grose Schweizer Firma beispielsweise hat Niederlassungen in über 20 Ländern und möchte das eigene CSR-Engagement mittels Spendensammlungen erweitern. Dafür wählt diese Firma einige Hilfswerke aus, die die RaiseNow-Technologie verwenden und baut deren Spendenformulare im eigenen Corporate Design auf der Intranetseite ein. Die Mitarbeitenden können nun, egal in welchem Land sie tätig sind, über ein einziges Formular im Intranet ihre Spende an ein ausgewähltes Hilfswerk übermitteln, ohne die verschiedenen Webseiten aufrufen zu müssen.

Beeindruckendes Potenzial

In der Schweiz gibt es bislang keinen vergleichbaren Anbieter für digitales Fundraising, weltweit nur ein paar wenige. Das Potenzial ist enorm: das weltweite Spendenvolumen liegt bei geschätzten 300 Milliarden USD und verteilt sich auf 10 Millionen Hilfswerke. Alleine in der Schweiz gibt es weit mehr als 10‘000 NPO, davon rund 3‘000 mit Charity-Charakter (500 davon ZEWO-zertifiziert). Das Spendenvolumen nehme von Jahr zu Jahr zu, so Spendenexperte Marco Zaugg.

Das Potenzial ist enorm: das weltweite Spendenvolumen liegt bei geschätzten 300 Milliarden USD und verteilt sich auf 10 Millionen Hilfswerke.

Im Jahr 2015 wickelte RaiseNow 140‘000 Transaktionen mit einem kumulierten Volumen von 15 Millionen CHF ab, im laufenden Jahr sind es bereits über 200‘000 Transaktionen und 25 Millionen CHF. „Das entspricht aber nur 2,5 Prozent vom Marktvolumen. Würden wir den digitalen Spendenanteil in fünf Jahren auf 25 Prozent steigern, wären wir bereits bei 2 Millionen Transaktion nur in der Schweiz“, rechnet Zaugg. Das wären etwa vier bis fünf Millionen Transaktionen weltweit. Klar, dass RaiseNow angesichts dieser Zahlen auch im Ausland wachsen will. „Wir haben einen weltweiten Fokus. Als Social Enterprise geht es uns aber auch darum, dass der Spender Spass hat am Spenden. Digitales, einfaches und schnelles Spenden soll Usus werden.“

Die Aussichten sind gut, doch sieht Zaugg auch eine Gefahr, dass die Schweiz von Anbietern aus Europa und den USA überrannt wird. Wichtig sei, wie sich die Schweiz als Land wandle, meint Zaugg. „Sind die Rahmenbedingungen aus Regulierungssicht unvorteilhaft, siedeln sich die Startups anderswo an.“ Die Gesetzgeber und die FINMA hätten das aber inzwischen erkannt.

Wieviel Geld kommt an?

„Bei ZEWO-zertifizierten Hilfswerken darf der Verwaltungsaufwand höchstens 20 Prozent betragen, das heisst mindestens 80 Prozent der Gelder kommen an“, erklärt Zaugg. „Diese Zahl sagt aber nichts über den eigentlichen Impact eines Hilfsprojektes aus. Es kann also sein, dass ein Hilfswerk zum Beispiel marktübliche Löhne für hochqualifizierte Angestellte bezahlt, dadurch der Verwaltungsaufwand höher ist, aber das Resultat dafür mehr Wirkung erzielt. Das sollte man sich als Spender bewusst sein.“

Was kostet eine Spende mit RaiseNow?

Beispiel 1 Spende Privatperson

Spende                       CHF 100.-

Kreditkartengebühr    CHF 1.50 (1.5%)

Transaktionsgebühr   CHF 0.25

Total                           CHF 98.25

Die Gebühren sind je nach Zahlungsmittel unterschiedlich: Twint kostet je nach Spendenhöhe zwischen 2 und 20 Rappen,eine Postfinance Zahlung 2%, Paypal 3.4% und eine SMS Spende ca. 6%.