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Die Arbeit geht nicht aus: Robuste Beschäftigungsentwicklung bei Schweizer Banken
02. September 2015

Die Arbeit geht nicht aus: Robuste Beschäftigungsentwicklung bei Schweizer Banken

Im Zuge der Bankenkonsolidierung wird fast ausschliesslich von Arbeitsplatzverlusten gesprochen. Dass aber auch neue Stellen geschaffen werden, wird häufig ausgeblendet. Eine kurze Analyse, warum der hiesige Bankenplatz dank agiler Anpassungsfähigkeit ein wichtiger Arbeitgeber bleibt.

Strukturwandel, Margenschwund, Kostenexplosion, Konsolidierung, Fintech, Überregulierung - so dramatisch die medial geprägten Begriffe klingen, so zerstörerisch könnte man  deren Effekte auf die Beschäftigtenzahlen bei den Banken in der Schweiz annehmen. Und umso stärker könnte man ein massives Schrumpfen der Anzahl Bankmitarbeiter seit der Finanzkrise vermuten.

Weit gefehlt

Die Konsolidierung im Bankensektor mag in den vergangenen Jahren die Beschäftigtenzahl wohl leicht reduziert haben. So haben strengere regulatorische Rahmenbedingungen Arbeitsplätze verschwinden lassen, beispielsweise im Investment Banking der Grossbanken. Ein über Quartalszahlen hinweg reichender Blick in die Statistik der SNB zeigt aber weder ein dramatisches noch ein euphorisierendes Bild.

Während in den 1990er Jahren der durchschnittliche jährliche inländische Personalbestand (Vollzeitäquivalente) der Banken bei 112‘000 lag, betrug dieser in den 2000er Jahren 105‘000, was einer Reduktion von 6% entspricht. Seit 2010 stieg die Zahl sogar wieder leicht auf 106‘000. Interessant: Der Personalbestand per Ende 2014 von 104‘053 beträgt nur 192 Stellen weniger als im Jahr 2006, also kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Und für das erste Halbjahr 2015 zeigt der JobDirectory-Index von Finews sogar rekordverdächtige 1‘784 online ausgeschriebene Bankstellen.

Folgender Vergleich setzt den Beschäftigungsrückgang bei den Banken in Relation: Der für die Schweiz ebenfalls wichtige Maschinenbau hat im gleichen Zeitraum von 1991 – 2014 seinen Personalbestand gemäss Daten des Bundesamtes für Statistik um 36% von 124‘000 auf 79‘000 gesenkt.

Neue Stellenprofile gesucht

Insgesamt scheint die Beschäftigungsentwicklung auf dem Schweizer Bankenplatz also robust. Ein Blick in den Finews JobDirectory-Index zeigt jedoch eine Verschiebung der gesuchten Stellenprofile. Einerseits sind vermehrt Fachkräfte im Bereich Compliance gesucht, um dem regulatorischen Umfeld gerecht zu werden. Andererseits sind junge Hochschulabsolventen gefragt, um im Zuge der Digitalisierung innovative Ideen zu generieren.

Gerade die rasch voranschreitende Digitalisierung lässt eine Industrialisierung bei den Banken erkennen. Damit verbunden sind Automatisieren und Outsourcing von Bankaktivitäten und damit Stellenreduktionen im klassischen Bankgeschäft. Zahlreiche andere Industriezweige haben in der Vergangenheit aber ebenfalls solche in der Ökonomie als „schöpferische Zerstörung“ bekannte technologische Disruptionen durchlebt und somit zu neuer Stärke gefunden. Während alte Arbeitsplätze wegfielen, wurden häufig ebenso viele Arbeitskräfte mit neuen Skills und Knowhow nachgefragt.

Die Fähigkeit des hiesigen Bankenplatzes, bei anhaltend starkem politischen und regulatorischen Seitenwind eine stabile Fluglage zu halten und sich an ein sich ständig veränderndes Umfeld anzupassen, macht ihn international wettbewerbsfähig. Zusammen mit den richtig ausgearbeiteten nationalen Rahmenbedingungen (wie sie die Bankiervereinigung zur Zeit unter dem Hashtag #vote4finance fordert) kann er Arbeitskräfte mit den verlangten Skills anziehen und weiterhin ein wichtiger Arbeitgeber bleiben.

Photo Credit: Pinnwand / photocase.com, http://www.photocase.com/photo/97766

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