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Bankenbarometer 2016: Soll und Haben
2016/09/01 09:00:00 GMT+2

Bankenbarometer 2016: Soll und Haben

Das aktuelle Bankenbarometer zeichnet ein solides Bild der Banken in der Schweiz, manche Zahlen sind aber auch Warnsignale. Zeit für eine Bilanz über Chancen und Risiken im Bankensektor.

Der Schweizer Bankensektor trägt traditionell stark zur Schweizer Wirtschaftsleistung bei. 2015 betrug sein Anteil knapp sechs Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz. Der Schweizer Finanzplatz ist weiterhin Weltmarktführer in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Auch in widrigem wirtschaftlichen und politischen Umfeld weisen die Banken einen Erfolg aus, der in etwa auf Höhe der Vorjahre liegt – ein klares Plus auf der Haben-Seite. Es gibt jedoch auch Anhaltspunkte, die zeigen, dass der vielfach angekündigte Strukturwandel tatsächlich stattfindet. Was steht auf der Soll- beziehungsweise Risiken-Seite?

Weniger Banken in der Schweiz

Insgesamt ging die Anzahl der Banken von 275 auf 266 zurück. Vor allem die ausländisch beherrschten Banken haben ihre Präsenz in der Schweiz reduziert, nämlich um 8 Banken. Dies deutet darauf hin, dass der hiesige Standort offenbar an Attraktivität eingebüsst hat. Ein kleiner Trost ist, dass der Rückgang der Bankenzahl seit 2005 in anderen Ländern ähnlich hoch ist: in Deutschland -15,1 Prozent, in Grossbritannien -9,5 Prozent und in Frankreich gar -45,3 Prozent. Ein besseres Standortmarketing zugunsten der Schweiz könnte hier Abhilfe schaffen, denn die Schweiz hat im internationalen Vergleich einiges zu bieten (die Stärken der Schweiz haben wir hier zusammengetragen). Sie sollte es aber besser zeigen.

Arbeitsplätze werden im Ausland aufgebaut

Das ist für mich die beunruhigendste Entwicklung: Wenn Schweizer Banken Stellen schaffen, dann tun sie das durchaus in der Schweiz. Der grösste Teil der Stellen wird jedoch vermehrt im Ausland aufgebaut. Sicher sind Standortkosten ein Faktor, aber auch ein besserer Zugang zu Zielkunden wird hier eine Rolle spielen. Wenn schon die hiesigen Banken mit Investitionen in Arbeitsplätze in der Schweiz zurückhaltend sind, kann der Anreiz für ausländische Institute, in der Schweiz eine Dependance zu eröffnen, nur noch kleiner sein. Wiederum ein kleiner Trost: Die Umfrage der SBVg zur Beschäftigung weist darauf hin, dass immer weniger Banken für dieses Jahr mit einem weiteren Rückgang der Stellen rechnen.

Weniger verwaltete Vermögen

Die in der Schweiz verwalteten Vermögen von ausländischen Kunden sind erstmals wieder rückläufig. Das ist per se kein Zeichen für die Schwäche der Banken, sondern eher ein Effekt, der auf den erstarkten Schweizer Franken zurückzuführen ist. Gleichwohl zeigt sich, dass die aktuelle Währungspolitik der SNB eine nachteilige Wirkung auf den Bankensektor hat, denn die Erträge in der Vermögensverwaltung gehen damit ebenfalls zurück.

Digitalisierung

Noch wenig fassbar ist der Strukturwandel, der auf die Digitalisierung zurückzuführen ist. Die Schweiz ist eher von einer Kooperation zwischen Fintech-Anbietern und Banken als von gegenseitiger Konkurrenz gekennzeichnet – mit positivem Resultat für alle Beteiligten. Der grösste Gewinner in diesem Bereich werden zweifelsohne die Kunden sein. Auf welcher Seite die Banken stehen werden, haben sie selbst in der Hand – zahlreiche Projekte in diesem Bereich (nachzulesen in lockerer Folge im Magazin insight) stimmen jedenfalls optimistisch.

Die ausführliche Aufzählung der Chancen lasse ich hier weg – unsere Leser kennen sie bestens. Dafür folgt hier…

Die Bilanz

Resilienz, Solidität und viel Innovationskraft: Das lässt für die Zukunft hoffen. Strukturwandel heisst auch, Warnsignale zu erkennen, Gegensteuer zu geben und auch kurzfristig schmerzhafte Veränderungen zuzulassen. Ich wünsche es meiner Branche, dass sie und alle beteiligten Akteure rechtzeitig den Mut dazu haben.

Die wichtigsten Zahlen zu den Banken und zum gesamten Finanzplatz Schweiz finden Sie auf unserer Internetseite und im aktuellen Bankenbarometer.