Sektionen

Message

Schweizer Wirtschaft auf gesunden Bankensektor angewiesen

Basel, 2012/08/20 12:25:00 GMT+2 Eine neue Studie der Schweizerischen Bankiervereinigung zeigt die ungebrochen grosse Bedeutung der Banken in der Schweiz für die Gesamtwirtschaft auf. Die Erfüllung höherer regulatorischer Auflagen und sinkende Margen setzen den Bankensektor jedoch unter Druck. Weil der Bankensektor stark mit anderen Branchen verflochten ist, haben Massnahmen zur Kostensenkung auch Auswirkungen auf andere Wirtschaftsbereiche.
Auf Basis von Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts BAKBASEL untersucht die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) in der heute publizierten Studie die Bedeutung der Banken für die Schweizer Volkswirtschaft. Aus der Studie geht hervor, dass die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des Bankensektors in den letzten zwanzig Jahren um 50 Prozent höher lag als die der Gesamtwirtschaft. Der Bankensektor hat damit den grössten Beitrag aller Branchen zum Schweizer Wirtschaftswachstum geleistet. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise war der Anteil des Bankenplatzes am schweizerischen Bruttoinlandprodukt (BIP) jedoch rückläufig. In den folgenden Jahren liegt er im Bereich des gesamten Wirtschaftswachstums. Ein höheres Wachstum hängt von einer Verbesserung der Rahmenbedingungen ab. Der Anteil des gesamten Finanzsektors (Banken, Versicherungen und sonstige Finanzdienstleister) wird 2020 voraussichtlich 11,5 Prozent der Gesamtwirtschaft entsprechen. Claude-Alain Margelisch, CEO der SBVg, erklärt: „Wir müssen uns bewusst sein, dass der Finanzplatz für die Schweizer Wirtschaft von zentraler Bedeutung ist. Verändern sich die Rahmenbedingungen nachteilig, spüren alle die Folgen in Form von weniger Arbeitsplätzen, sinkenden Steuereinnahmen und teureren Bankdienstleistungen. Das hat die Studie eindrucksvoll nachgewiesen.“

Gesamtwirtschaftliche Einflüsse des Bankensektors

Ein funktionierendes Finanzsystem ist die Grundlage einer jeden florierenden Volkswirtschaft, indem es die Bevölkerung und Unternehmen mit Finanzdienstleistungen versorgt. Die Banken in der Schweiz arbeiten dabei effizient: Die Cost-Income-Ratio sank bis Ende 2011 innert drei Jahren von 82,4 Prozent auf 68,3 Prozent. Diese Effizienz in Verbindung mit einem traditionell tiefen Zinsniveau führt dazu, dass sich Unternehmen in der Schweiz günstig finanzieren können. Die modifizierte Nettozinsmarge der Banken, die den Nettozinsertrag ins Verhältnis zum Kreditvolumen setzt, war 2010 mit 1,5 Prozent zum Teil deutlich tiefer als in vergleichbaren anderen Staaten. Weiterhin ist der Bankensektor ein wichtiger Steuerzahler: 2011 führten Banken CHF 11,2 Mrd. an direkten und indirekten Steuern an den Staat ab. Zudem erzielte der Bankensektor im Jahr 2011 eine Wertschöpfung von CHF 32,4 Mrd. Er stützt die Schweizer Wirtschaft auch indirekt, indem er Güter und Dienstleistungen als Vorleistungen nachfragt. Zudem bilden Bankangestellte eine wichtige Konsumentengruppe. Insgesamt resultieren daraus indirekte Effekte, die sich auf CHF 17 Mrd. belaufen und zusammen mit den direkten Wertschöpfungseffekten einem Anteil an der Wirtschaftsleistung von 9,3 Prozent entsprechen.

Beschäftigungseffekte

Trotz aller Verwerfungen des letzten Jahrzehnts blieb der Anteil der Erwerbstätigkeit im Bankbereich an der Gesamtwirtschaft stabil. Ende 2011 waren rund 146‘000 Personen im Bankensektor beschäftigt. Daneben führen indirekte Effekte zu zusätzlich 168‘000 Arbeitsplätzen in anderen Sektoren. Der gesamte Beschäftigungseffekt des Schweizer Bankensektors beläuft sich somit auf 313‘000 Personen, was rund 6,6 Prozent aller Arbeitnehmenden in der Schweiz entspricht. Wie die Studie zeigt, werden durch die starke Vernetzung von Banken mit den übrigen Wirtschaftssektoren pro 100 Bankangestellte 115 Stellen in anderen Branchen geschaffen. Daraus folgt, dass bei einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen mit jeder abgebauten Stelle im Bankensektor mehr als eine Stelle in anderen Sektoren verloren geht.

Rahmenbedingungen entscheidend

Sinkende Margen und schrumpfende Erträge, verbunden mit kostspieliger Eigenkapitalregulierung und immer komplexeren rechtliche Anforderungen im In- und Ausland müssen durch die Erschliessung neuer Geschäftsfelder kompensiert werden. Claude-Alain Margelisch erklärt dazu: „Der Ruf nach immer strengerer Bankenregulierung verkennt die schwierige Situation der Banken heute. Für einen international wettbewerbsfähigen Finanzplatz brauchen Banken sinnvolle, angemessene Regeln. Die Schweiz hat es in der Hand, ihren leistungsfähigen Finanzplatz zu erhalten. Doch dies gelingt nur mit der Unterstützung von Politik und Behörden. Nur unter wirtschaftsfreundlichen Bedingungen können die Banken ihre Dienstleistungen auch weiterhin günstig und in gewohnt hoher Qualität anbieten und so den erforderlichen Beitrag zur Schweizer Wirtschaftsleistung erbringen.“