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Finanzplatz Schweiz will weiter wachsen

Die Banken in der Schweiz zeichnen ein differenziertes Bild ihres Umfelds und ihrer Branche. Während sich die Finanzindustrie selbst in einer gesunden Verfassung präsentiert, lassen wirtschaftliche und regulatorische Entwicklungen auf eine anspruchsvolle Zukunft schliessen.
 
Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), unterstreicht anlässlich einer Medienkonferenz die Bedeutung, die der Abschluss der Steuerabkommen mit Deutschland und Grossbritannien für den Finanzplatz Schweiz hat. Die Abkommen ziehen einen Schlussstrich unter die Vergangenheit, erlauben die Wahrung der finanziellen Privatsphäre der Kunden und erleichtern den bilateralen Marktzutritt in Deutschland und Grossbritannien. Sie markieren damit Meilensteine in der Umsetzung der Finanzplatzstrategie 2015, welche die Akquisition und Verwaltung von versteuerten Geldern zum Ziel hat.
 
Ähnlich hoch gewichtet die SBVg die nachhaltige Bewältigung der offenen Fragen im Crossbordergeschäft mit den USA. Eine Lösung muss globale Gültigkeit haben, abschliessend sein und bestehendem Schweizer Recht entsprechen. Patrick Odier betont, dass ein neuer Staatsvertrag politisch schwer durchsetzbar sei.
 
Die dringendste Aufgabe, die die Banken zu bewältigen haben, ist die Schaffung von Wachstumsmöglichkeiten. Sie können dabei auf eine weltweit einzigartige Kombination von Stärken – Stabilität, Universalität, Verantwortlichkeit, Exzellenz – aufbauen, die entscheidend dafür sein werden, den Spitzenplatz in der lokalen und globalen Vermögensverwaltung zu verteidigen und Geschäftsfelder wie Asset Management zu entwickeln.
 
Claude-Alain Margelisch, CEO der SBVg, stellt den aktuellen Bankenbarometer vor, eine wirtschaftliche Bestandesaufnahme des Schweizer Bankenplatzes. Bei anziehender Konjunktur und tiefem Zinsniveau erreichten die Banken in der Schweiz 2010 einen Geschäftserfolg von CHF 61.5 Mrd., ein Anstieg von 13.4 Prozent. Die Bilanzsumme der Banken stieg um 1.7 Prozent auf insgesamt CHF 2‘714.5 Mrd. Im vergangenen Bankenjahr wurden Hypotheken und Bankkredite mit einem Gesamtvolumen von CHF 898 Mrd. vergeben. Wichtigste Kreditnachfrager waren nach wie vor die privaten Haushalte. Die gegenwärtige Preisentwicklung im Immobilienmarkt mit vereinzelten Hot Spots ist auf die tiefen Zinsen und eine steigende Nachfrage zurückzuführen. Die SBVg, die derzeit zusammen mit der FINMA eine Überarbeitung der Vergaberichtlinien zu grundpfandgesicherten Krediten vornimmt, bleibt skeptisch gegenüber der vom Bundesrat angekündigten Verschärfung bei der Kreditvergabe. Die Eigenmittelunterlegung soll wie bis anhin risikobasiert vorgenommen werden. Von einer Festlegung von quantitativen Elementen in den Vergabekriterien von Hypotheken ist ebenfalls abzusehen. Damit kann keine Rücksicht auf konkrete Einzelfallumstände genommen werden und der Wettbewerb wird zum Nachteil des Kunden unterbunden.
 
Der Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung zeigt sich unsicher, denn insbesondere die konjunkturellen Risiken steigen. Auf Seiten der Beschäftigung lässt sich bei den Banken im ersten Halbjahr 2011 ein leichter Anstieg feststellen, im zweiten Halbjahr jedoch wird angesichts der heftigen Verwerfungen an den Finanzmärkten eine vorsichtigere Personalplanung erwartet, die zu einer stagnierenden Mitarbeitendenzahl führt.
 
Auch das regulatorische Umfeld zeigt sich herausfordernd. Die Bankiervereinigung anerkennt den Bedarf, die Systemstabilität mit geeigneten Massnahmen zu bewahren und zu verbessern. Entsprechend sieht die SBVg die Aufgabe der makroprudentiellen Politik in der Schweiz darin, die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems zu stärken, volkswirtschaftliche Auswirkungen einer Finanzkrise zu begrenzen sowie eine stabile Versorgung der Wirtschaft mit Bankdienstleistungen zu gewährleisten. Die SBVg erwartet, dass die entsprechenden Zielsetzungen auf nationaler Ebene klar definiert und begrenzt werden. Davon ausgehend sind die notwendigen Massnahmen bzw. Instrumente zu bestimmen. Zudem erwartet die SBVg eine transparente Konsultation und die Gelegenheit zur Mitwirkung in geeigneter Form bei der Ausarbeitung der makroprudentiellen Regelung.
 
Diese anspruchsvollen Rahmenbedingungen zeigen die Notwendigkeit für die Banken, noch kundenorientierter, qualitätsbewusster und innovativer zu werden, um auch künftig weltweit erste Wahl bei der Vermögensanlage zu sein.
 
Der Bankiertag von Morgen ist einer der Höhepunkte im Schweizer Bankenjahr. Im Mittelpunkt der jährlichen Generalversammlung der Schweizer Bankiers in Bern steht der Austausch zwischen Bankiers, Politik und Industrie. Anwesend sind ebenfalls zahlreiche Botschafter, die dem Anlass internationale Ausstrahlung geben. Die Grussbotschaft des Bundesrates wird von Bundesrat Ueli Maurer überbracht.