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Bankenbarometer 2015: Mehr verwaltete Vermögen und gesteigerter Geschäftserfolg trotz herausforderndem Umfeld. Stabile Beschäftigungsentwicklung für 2015 erwartet.

Basel, 03. September 2015 Anhaltendem Strukturwandel, sinkenden Zinsmargen und einem herausfordernden Marktumfeld zum Trotz: Die Schweizer Banken konnten 2014 sowohl die verwalteten Vermögen als auch ihren Geschäftserfolg steigern. Unternehmen und Private profitierten von einer intakten Kreditvergabe durch die Banken. Inländische Hypothekarforderungen stiegen moderat um 3,6 Prozent. Ein leichter Stellenrückgang in 2014 reflektiert die erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Für das zweite Halbjahr 2015 erwarten die Banken eine gleichbleibende oder leicht positive Beschäftigungsentwicklung.

Der Bankensektor trug auch 2014 wesentlich zum Wohlstand der Schweiz bei. Er erbringt rund 6 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung, verbucht einen Jahresgewinn von CHF 7,4 Mrd., beschäftigt über 104‘000 Personen (in Vollzeitäquivalenten) und bezahlt insgesamt Ertrags- und Gewinnsteuern von CHF 2,6 Mrd. Die wichtigen Kennzahlen im Geschäftsjahr 2014 im Überblick:

  • Die Banken in der Schweiz verwalteten per Ende 2014 CHF 6‘656 Mrd. Gegenüber 2013 entspricht dies einer Zunahme von CHF 518 Mrd. Der Anstieg resultiert aus einer Zunahme der Wertschriftenbestände, der Verpflichtungen gegenüber Kunden in Spar- und Anlageform und der Termineinlagen. Die Banken profitierten ausserdem von markanten Zuflüssen aus Schwellenländern und den Transitionsländern Europas. Diese Zuflüsse konnten den Vermögensrückgang aus Westeuropa auf Grund von Steuerbegleichungen mehr als kompensieren.
  • Der Anteil an ausländischen verwalteten Vermögen liegt ungebrochen bei leicht über 50 Prozent. Der Schweizer Bankensektor bleibt mit einem Anteil von 26 Prozent Weltmarktführer in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung.
  • Der aggregierte Jahresgewinn der profitablen Institute stieg um 19,3 Prozent auf CHF 14,2 Mrd. Die Verluste der unprofitablen Institute wuchsen gleichzeitig um 25,9 Prozent auf CHF 6,8 Mrd. Die Höhe der Jahresgewinne und -verluste wurde massgeblich durch die Grossbanken sowie die Bankengruppe der ausländisch beherrschten Banken geprägt. Die Banken entrichteten Steuern in der Höhe von CHF 2,6 Mrd. (36,8% mehr als 2013).
  • Die Kreditvergabe von Banken in der Schweiz an Unternehmen und Private blieb intakt. Das inländische Kreditvolumen betrug CHF 1‘072,5 Mrd. Dies entspricht einer moderaten Zunahme gegenüber dem Vorjahr. Inländische Hypothekarforderungen stiegen um 3,6 Prozent, was einer tieferen Zunahme als in den letzten drei Jahren entspricht. Dies dürfte auch auf die getroffenen Massnahmen im Hypothekarbereich, darunter die Anpassungen der Selbstregulierungen der Banken, zurückzuführen sein.
  • Die Bilanzsumme der Banken stieg um 6,8 Prozent auf CHF 3‘041,7 Mrd., mehrheitlich bedingt durch den Ausbau der Auslandpositionen der Grossbanken und die wachsenden Hypothekarforderungen.
  • Ende 2014 betrug der inländische Personalbestand der Banken in der Schweiz 104‘053 Mitarbeitende. Der Personalbestand hat sich 2014 um 1‘682 Stellen oder 1,6 Prozent reduziert. Dies reflektiert die erschwerten wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen für Banken. Die Arbeitslosenquote im Schweizer Bankensektor lag mit durchschnittlich 2,5 Prozent deutlich unter der Quote der Gesamtwirtschaft (3,2%). Für das zweite Halbjahr 2015 gehen die Banken laut einer Umfrage der SBVg von einer konstanten oder leicht positiven Beschäftigungsentwicklung aus.

Herausforderungen fördern Strukturwandel

Das Jahr 2014 stellte die Banken in der Schweiz vor zahlreiche Herausforderungen, was sich auf der Kostenseite und den Margen niederschlug. Diese Ausgangslage, in Kombination mit rasanten Entwicklungen im Bereich Digitalisierung, dürfte zu einem weiteren Strukturwandel und Konsolidierung im Bankensektor führen. Während Ende 2013 in der Schweiz 283 Bankinstitute tätig waren, waren es Ende 2014 noch 275, also acht Institute weniger.

Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Januar 2015, den Euro-Mindestkurs aufzuheben und Negativzinsen auf Giroguthaben einzuführen, belastet die Banken in der Schweiz besonders stark. Einerseits sind sie als Exportindustrie vom hohen Frankenkurs betroffen und andererseits wirken sich die Negativzinsen nachteilig auf die Geschäftstätigkeit insbesondere der inlandorientierten Banken aus.

Stärkung des Schweizer Kapitalmarkts über verbesserte Rahmenbedingungen

Ein ausgewogenes Verhältnis von Kapitalmarkt- und Kreditfinanzierungen ist vorteilhaft, wenn es darum geht, in jeder Phase des Konjunkturzyklus ausreichend Finanzmittel für Unternehmen sicherstellen zu können. In der Schweiz ist traditionell die Kreditfinanzierung – insbesondere bei der Finanzierung kleinerer und mittlerer Firmen – vorherrschend; Fremdkapitalfinanzierungen am Kapitalmarkt (z. B. mittels Emissionen) bilden die Ausnahme. Der hiesige Kapitalmarkt hat sich im internationalen Vergleich auf Grund unattraktiver Rahmenbedingungen, insbesondere für ausländische Schuldner, wenig dynamisch entwickelt. Eine Stimulierung der Geschäfte muss deshalb bei den folgenden Punkten ansetzen: die Abschaffung der Verrechnungssteuer und der Emissionsabgabe, die Einführung des Zahlstellenprinzips und nachhaltige Lösungen für Coco-Bonds (Contingent Convertible Bonds). Eine weitere Massnahme zur Attraktivitätssteigerung des Kapitalmarkts Schweiz ist die Schaffung eines Hubs zum Handel mit der chinesischen Währung Renminbi, der dank den Bemühungen der SBVg auf gutem Wege ist.

Mitteilung an die Medien

Das jährlich erscheinende Bankenbarometer der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) fasst die wichtigsten Kennzahlen und Entwicklungen des Bankenplatzes Schweiz zusammen. Es stützt sich auf Zahlen der SNB sowie auf Erkenntnisse aus Umfragen unter den Mitgliedsinstituten. Die Studie wird heute um 09.30 Uhr in Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt.