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2016/09/21 01:00:00 GMT+2

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„Verbandsarbeit ist Mannschaftssport“

„Verbandsarbeit ist Mannschaftssport“

Weder an Arbeit noch Themen noch Gesprächspartnern wird es dem neuen Präsidenten der Bankiervereinigung, Herbert J. Scheidt, mangeln. Das sind seine Prioritäten.

Am Bankiertag am 15. September 2016 übergab Patrick Odier das Amt als Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) an seinen Nachfolger Herbert J. Scheidt. Herbert J. Scheidt war von 2002 bis 2011 CEO und ist seit 2011 Verwaltungsratspräsident bei Vontobel. Seit 2011 ist er auch im Verwaltungsrat der SBVg engagiert. Im Interview erläutert er die Schwerpunkte, die er mit dem Branchenverband setzen möchte.

Herbert J. Scheidt
Herbert J. Scheidt, Präsident der SBVg

insight: Mit welchem Eindruck von der Bankenbranche treten Sie Ihr Amt an?

Herbert J. Scheidt: Als Folge der Finanzkrise scheint es schon zum guten Ton zu gehören, sich von den Banken und vom Finanzplatz zu distanzieren. Das ist ungerechtfertigt, denn die Banken haben in den letzten Jahren einen Wandlungsprozess durchlaufen, den kaum jemand für möglich gehalten hätte. Und es gibt gute Gründe, dass wir stolz auf den Finanzplatz sein dürfen und sollen. Wir haben ein effizientes und höchst erfolgreiches Bankensystem in der Schweiz. Das betrifft auch und vor allem die Grundfunktion der Banken als Motor der Wirtschaft. Ein reibungsloser Zahlungsverkehr, das Kreditgeschäft mit niedrigen Kreditmargen, all dies sind wichtige Elemente einer funktionierenden Industrie und Säulen des bestehenden Wohlstands in der Schweiz. Das müssen wir wieder und wieder deutlich machen. Damit steigt auch die Akzeptanz in der Öffentlichkeit und die Politiker in der ganzen Schweiz nehmen unsere Anliegen ernst.

Es gibt gute Gründe, dass wir stolz auf den Finanzplatz sein dürfen und sollen. Wir haben ein effizientes und höchst erfolgreiches Bankensystem in der Schweiz.

Worin sehen Sie den Auftrag und die Rolle der Bankiervereinigung?

In meinem Verständnis ist die Bankiervereinigung der direkte Ansprechpartner und Interessenvertreter für alle Banken in der Schweiz. Mit grosser Überzeugung vertreten wir die Interessen der Banken gegenüber der Politik und dem Regulator. Das machen wir mit hoher Fachkompetenz und mit hoher Überzeugungskraft. Auf diese Weise stellen wir uns der Verantwortung, die wir für den Finanzplatz haben. Wir bündeln Kräfte und bringen uns als Branchenverband auch in internationalen Gremien und Organisationen ein.

Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Die Stimme der Bankiervereinigung ist so stark wie die Summe ihrer Mitglieder. Es muss uns gelingen, den Willen zur umfassenden Zusammenarbeit zu stärken. Das Bankgeschäft hat viele unterschiedliche Facetten wie das Privat- und Firmenkundengeschäft, das Asset Management, das Vermögensverwaltungs- und das Kapitalmarktgeschäft. Aber: Fast alle unsere Mitglieder sind in mehreren Geschäftsfeldern aktiv. Das verbindet sie. Hinzu kommen die Herausforderungen durch die Digitalisierung. Sie betrifft uns alle, ob grosses oder kleines Institut. Die Bankiervereinigung als oberster Interessenverband der Banken in der Schweiz bietet hierfür eine Plattform.

Die Stimme der Bankiervereinigung ist so stark wie die Summe ihrer Mitglieder. Es muss uns gelingen, den Willen zur umfassenden Zusammenarbeit zu stärken.

Für die Zukunft wird Wandlungsbereitschaft von grösster Bedeutung sein, weil Wandlungsbereitschaft die Voraussetzung für Handlungsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit ist. Verbandsarbeit ist Mannschaftssport und keine Einzelkämpferaufgabe. Zum Team gehören die Mitglieder, das heisst die Banken, genauso wie eine kompetente und aktive Geschäftsstelle.

Was müssen die Teammitglieder besonders gut können?

Wir müssen der Bevölkerung vermitteln, worin der Nutzen der Banken in der Schweiz für die Schweizer Bevölkerung besteht. Auf diese Weise steigt das Ansehen unserer Branche in der Schweiz und über die Zeit hinweg auch im Ausland. Ebenso wichtig ist es, langfristig zu denken, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und sich mit Geschlossenheit darauf einzustellen. Das ist die beste Voraussetzung, die erfolgreiche Wirtschaftsgeschichte der Schweiz, die stets von Innovation geprägt war, fortzuschreiben. Mit dieser Offenheit bleiben Banken in der Schweiz auch in der Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber für die Bevölkerung.