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13. Dezember 2019

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Ein Leuchtturm muss nicht gross sein, sondern hell!

Ein Leuchtturm muss nicht gross sein, sondern hell!

Welches Land kann von sich behaupten, dass Nachhaltigkeit in der Verfassung verankert ist? Richtig, die Schweiz. Dies ist nicht nur vorbildlich, es wird erfreulicherweise auch gelebt: Im kürzlich erschienen globalen «ISS-ESG Country Report 2019» steht die Schweiz an dritter Stelle; hinter Schweden und Finnland – weit vor allen Ländern mit bedeutsamen Finanzplätzen.

Der Schweizer Finanzplatz kann auf globaler Ebene nur nachhaltige Wirkung erzeugen, wenn die Schweiz als nachahmenswertes Vorbild wahrgenommen wird obwohl der Finanzplatz gemessen an der Grösse des Landes überdurchschnittlich gross ist.

Wirkung als Vorbild, mit Expertise und durch Rahmenbedingungen

Die Finanzbranche selber wird zum Vorbild, wenn sie durch qualitativ hochwertige Dienstleistungen und Produkte besticht und sich damit von der Konkurrenz abhebt. Dazu braucht es Expertise durch Standortattraktivität, ein breites Bildungsangebot und die kritische Masse. Sowohl in Genf als auch in Zürich sind Nachhaltigkeits-Ökosysteme entstanden. Diese beinhalten nebst dem eigentlichen Asset Management auch andere spezifische Tätigkeiten im Zusammenhang mit Sustainable Finance und einen damit verbundenen Arbeitsmarkt.

Die Wahrnehmung als Vorbild bedingt aber auch, dass man wirklich wahrgenommen wird. Im Laufe der letzten Jahre haben sich aus einer Vielzahl von Initiativen im Bereich Sustainable Finance einige letztendlich wirklich bedeutsame Bewegungen entwickelt. Bei all diesen bringt sich die Schweiz aktiv ein und trägt damit zu einer Beschleunigung und Vertiefung von Sustainable Finance bei. Die wichtigsten sollen hier kurz erwähnt werden:

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Financial Centres for Sustainability (FC4S):

Das FC4S-Netzwerk wurde im September 2017 in Casablanca gegründet. Es ist als Partnerschaft zwischen den Finanzzentren und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen entstanden. Ziel des Netzwerks ist es, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Massnahmen zu gemeinsamen Prioritäten zu ergreifen, um den Ausbau von Sustainable Finance zu beschleunigen. Die langfristige Vision des FC4S-Netzwerks ist ein schnelles globales Wachstum von Sustainable Finance, unterstützt durch eine verstärkte internationale Vernetzung und einen Rahmen für gemeinsame Aktionen. Swiss Sustainable Finance und Sustainable Finance Geneva sind aktive Mitglieder und das Sekretariat von FC4S ist in Genf.

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Network for Greening the Financial System (NGFS):

Das Netzwerk der Zentralbanken und Aufsichtsbehörden beruht auf einer kollaborativen Struktur, die darauf abzielt, das Finanzsystem zu ökologisieren und die Bemühungen des Finanzsektors zur Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens zu verstärken. Dazu gehört beispielsweise die Mobilisierung von Kapital für grüne und CO2-arme Investitionen. Das NGFS als freiwilliges, konsensbasiertes Forum, hat sechs Empfehlungen für Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, politische Entscheidungsträger und

Finanzinstitute erlassen, um deren Rolle bei der Ökologisierung des Finanzsystems und dem Management von Umwelt- und Klimarisiken zu stärken.

SNB und FINMA sind dem NGFS im April 2019 beigetreten. Als Mitglieder sind sie gefordert, einen aktiven Beitrag zu leisten.

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Die UN Principles for Responsible Investment (UN PRI):

Die UN PRI sind eine 2006 gegründete Investoreninitiative in Partnerschaft mit der Finanzinitiative des UN-Umweltprogramms UNEP und dem UN Global Compact. Die von den Vereinten Nationen unterstützte Initiative ist ein internationales Investorennetzwerk, das sechs Prinzipien für verantwortungsvolle Investments erstellt hat und umsetzen will. Ziel ist es, die Auswirkungen von Nachhaltigkeit für Investoren zu verstehen und die Unterzeichner dabei zu unterstützen, diese Themen in ihre Investitionsentscheidungsprozesse einzubauen. Inzwischen haben sich den UN PRI mehr als 130 Schweizer Unterzeichner angeschlossen.

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Principles for Responsible Banking (UN PRB):

Die UN PRB bilden den Rahmen für ein nachhaltiges Bankensystem und helfen der Branche zu zeigen, wie sie einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leistet. Sie beschleunigen den Beitrag des Bankensektors zur Erreichung der gesellschaftlichen Ziele, wie sie in den Zielen der nachhaltigen Entwicklung und dem Pariser Klimaabkommen zum Ausdruck kommen.

Die UN PRB wurden von 130 Banken aus 49 Ländern im September 2019 während der jährlichen Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgestellt. Neben den beiden Grossbanken haben auch drei bedeutende Vermögensverwaltungsbanken aus der Schweiz mitunterzeichnet. Weitere Banken werden sicher folgen.

Damit die Schweiz die Nachhaltigkeit wirklich wirksam fördern kann, muss sie ein Vorbild sein, das imitiert werden kann. Besonders restriktive Massnahmen, die nicht im Einklang mit den internationalen Entwicklungen ausfallen, entfalten keine Vorbildwirkung. Vielmehr wirken sie abschreckend oder führen gar zu einer Verlagerung von Geschäften in Länder mit niedrigeren Nachhaltigkeitsstandards.

Behörden und Finanzbranche bringen sich in die internationalen Entwicklungen bereits ein und gehen auch Verpflichtungen ein, die weit über das heute in der Schweiz Geforderte hinausgehen.

Um den Finanzplatz Schweiz als international führenden Hub im Bereich «Sustainable Finance» zu stärken, müssen auch die Rahmenbedingungen verbessert werden. Die heute bestehenden Restriktionen für nachhaltiges Anlegen sollten beseitigt werden, so dass die Wahl dieser Produkte überhaupt möglich wird. Das Wachstum nachhaltiger Produkte wird zudem steigen, sobald diese von steuerlichen Hürden, wie der Verrechnungs- und der Stempelsteuer befreit sind. Und zu guter Letzt: nur wenn wir unsere «Swiss Sustainable Finance» exportieren können, wird man diese im Ausland fassbar wahrnehmen. Und dafür brauchen wir einen Zugang zu diesen Märkten. Zusammengefasst zeigt sich, dass wir beste Voraussetzungen haben, damit der Finanzplatz Schweiz auch 2050 auf den Top-Plätzen rangiert – wir müssen im Heute aber die richtigen Stellschrauben drehen!