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12. Dezember 2018

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"Steuervorlage ist für die gesamte Wirtschaft essenziell"

"Steuervorlage ist für die gesamte Wirtschaft essenziell"

Damit die Banken ihre Wachstumspotentiale nutzen können, braucht es Rahmenbedingungen, die Raum für Entwicklung bieten. Herbert J. Scheidt, Präsident der SBVg, erklärt im Interview, wo es Handlungsbedarf gibt und welches die Prioritäten im kommenden Wahljahr 2019 sind.

insight: Herr Scheidt, der Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) hat kürzlich die strategischen Prioritäten für 2019 definiert. Auf welche Themen fokussiert sich der Verband?

Foto von Herbert J. Scheidt
Herbert J. Scheidt, Präsident, SBVg
Herbert J. Scheidt: Unser Kernauftrag ist das Schaffen wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für den Bankenplatz Schweiz. Wir engagieren uns für unternehmerische Freiräume, damit die Banken Raum für Innovation und Entwicklung haben. Die vom Verwaltungsrat für 2019 definierten Prioritäten knüpfen an diesen Kernauftrag an. Nach wie vor bleiben die Themen Regulierungsprozess und Marktzugang prioritär. Daneben spielen verschiedene finanzplatzspezifische Themen wie die Proportionalität in der Regulierung sowie eine angemessene Umsetzung von „Basel III Final“ eine zentrale Rolle. Neu legen wir auch einen starken Fokus auf die Nachhaltigkeit.

Sie erwähnen den Regulierungsprozess. Welche Anliegen vertritt die SBVg?

Der Finanzsektor gehört zu den am stärksten regulierten Bereichen der Wirtschaft. Umso wichtiger sind verlässliche und effiziente Regulierungsprozesse. Wir begrüssen in diesem Zusammenhang explizit die Motion von Nationalrat Martin Landolt, die eine Überprüfung der Verantwortlichkeiten und Rollen in der Finanzmarktregulierung zwischen Bundesrat und FINMA fordert. Auch der Bundesrat hat den Handlungsbedarf anerkannt und arbeitet an einer Verordnung zur Verbesserung des Regulierungsprozesses. Konkret fordern wir den stärkeren Einbezug der Expertise aus der Branche und Wirkungsanalysen zu den Regulierungen.

Im Frühling 2019 werden wir wahrscheinlich über die Steuervorlage abstimmen. Inwiefern ist die sogenannte STAF (Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung) für die Banken relevant?

Die Reform ist für die gesamte Wirtschaft essenziell. Sie sichert die Attraktivität des Standorts Schweiz und schafft Rechtssicherheit. Die Reform ist deshalb auch für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzstandorts Schweiz wichtig. Die STAF im Nachgang zur gescheiterten Unternehmenssteuerreform III ist eine zentrale Abstimmung für unser Land, weshalb wir die Reform als eine Priorität im Jahr 2019 definiert haben.

Ein Dauerbrenner ist das Thema Marktzugang. Ein anspruchsvolles Dossier…

… und zugleich ein absolut prioritäres. Unser Finanzplatz ist international und exportorientiert. Die grössten Wachstumspotenziale sind ebenfalls auf globaler Ebene, vor allem im asiatischen Raum. Daher müssen wir den Zugang zu den bestehenden Märkten wie der EU verbessern und denjenigen zu den neuen Märkten wie Asien weiter ausbauen. Und hier müssen wir als Verband mit einer Stimme sprechen.

Digitalisierung und Innovation prägen das Banking. Welche Rolle spielt die SBVg?

Die SBVg fördert und fordert innovationsfreundliche Rahmenbedingungen im Bereich der Digitalisierung. Beispielsweise ist bei der Blockchain-Technologie eine sehr hohe Marktdynamik zu beobachten und die Anzahl Blockchain-Unternehmen in der Schweiz nimmt rasant zu. Dadurch ist die Nachfrage an Firmenkonti für Blockchain-Firmen gestiegen, die die Banken aber vor Herausforderungen und Risiken stellt. Die SBVg hat dies frühzeitig erkannt und in Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedern und der Crypto Valley Association (CVA) im September 2018 einen entsprechenden Leitfaden publiziert. Am 7. Dezember fand dazu in Zürich ein Forum für Banken und Blockchain-Unternehmen statt.

Weitere aktuelle Schwerpunkte in diesem Bereich bilden die Cyber Security und das Thema Cloud. Mit der Digitalisierung ist ein globaler Wirtschaftsraum entstanden, der hochprofessionelle Cyberkriminelle und Spionageorganisationen anzieht. Deren Angriffe abzuwehren, übersteigt zunehmend die Kapazität einer einzelnen Bank. Das Expertengremium der SBVg „Information Security und Cyber Defence“ hat deshalb bereits ein Strategie-Paper für den Finanzplatz ausgearbeitet, welches Massnahmen zur Eindämmung der Risiken präsentiert. Die SBVg treibt diese Massnahmen in Zusammenarbeit mit dem Bund voran. Prioritäre Massnahmen sind der Aufbau eines Kompetenzzentrums Sicherheit, die Einrichtung einer branchenweiten Krisenorganisation, eine Kampagne zur Sensibilisierung der Bevölkerung und Kunden. Der Lead für die Umsetzung dieser Massnahmen obliegt dem Bund.

Sie haben Cloud-Dienstleistungen angesprochen. Welche Ziele verfolgt die SBVg diesbezüglich im neuen Jahr?

Die Banken müssen diese Technologien auch für uns als Finanzplatz nutzen können, insbesondere auch für die Handhabung von Kundendaten. Ich denke dabei besonders an Cloud Services, an welche Banken ganze Prozesse auslagern können. Damit verschaffen sie sich Raum, um sich auf ihre Kunden konzentrieren zu können, denn darin liegt ihre Stärke. Vor allem aber bietet eine Cloud unvergleichbar mehr Möglichkeiten, innovativ und zukunftsorientiert unterwegs zu sein.

Im Zentrum der Arbeiten der SBVg geht es um die technischen, organisatorischen und rechtlichen Massnahmen bezüglich Gewährleistung der Datensicherheit und Einhaltung der regulatorischen Anforderungen. Eine Strategie, ob, wie und welche Dienstleistungen auf die Cloud migriert werden, muss zwar jede Bank für sich definieren, doch streben wir an, im Frühjahr zum Thema Cloud eine Cloud-Checkliste für die Banken publizieren.

Nachhaltigkeit ist bei vielen Banken schon länger ein Thema. Wieso taucht Sustainable Finance erst jetzt auf der Prioritätenliste der SBVg auf?

In der Tat ist „Sustainability“ richtigerweise schon seit langem ein Thema bei den Banken. Wir als SBVg kümmern uns um attraktive Rahmenbedingungen. Hier stellen wir fest, dass im Bereich der Nachhaltigkeit immer mehr reguliert wird, weshalb der Verwaltungsrat das Thema Nachhaltigkeit als Priorität definiert hat.
Mit zunehmenden politischen Aktivitäten rund um das Thema Sustainable Finance ist es wichtig, dass die Behörden einen verlässlichen Ansprechpartner und die Banken einen starken Vertreter ihrer Branche haben. Hier stimmen wir uns eng mit anderen Verbänden und insbesondere Swiss Sustainable Finance ab.

Um welche Themen geht es bei Sustainable Finance konkret?

Die EU nimmt bei Sustainability-Themen international eine Vorreiterrolle ein, so sind für die Schweiz als internationaler Finanzplatz Level-Playing-Field-Bedingungen wichtig. Schweiz-spezifische kostentreibende Labels, deren Äquivalenz nicht gesichert scheint, sind generell zu vermeiden. Konkret setzt die Schweiz auf einen marktbasierten, freiwilligen Ansatz zur Förderung von Sustainable Finance. Know-how und Erfahrung stärken die Schweiz im Wettbewerb. Dies bedingt unter anderem Rechtssicherheit, wie Nachhaltigkeit zu messen ist. Entwickelt werden sollte die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Schweizer Unternehmen vor dem Hintergrund eines bereits verbindlichen Reportings in der EU. Transparenz sollte ebenfalls auf der Portfolioebene geschaffen werden. Die Indikatoren zur Messung müssen breit anerkannt sein.

Wie will die SBVg ihrer Rolle als Ansprechpartnerin zu Sustainable Finance gerecht werden?

Im Sinne der Interessenvertretung hat die SBVg das Thema Sustainable Finance nicht vernachlässigt und war entsprechend auch in den Gremien aktiv vertreten. Um der höheren Bedeutung des Themas aber inskünftig gerecht zu werden, hat die Bankiervereinigung im November 2018 eine entsprechende Arbeitsgruppe gegründet. Fokus der Arbeitsgruppe ist die Interessenvertretung bei Sustainability im Bankgeschäft. Dabei handelt es in erster Linie um nachhaltige Vermögensanlagen (Asset Management) aber auch um Nachhaltigkeit bei der Finanzierung.