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13. Dezember 2017

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„Rahmenbedingungen verbessern ist eine Daueraufgabe“

„Rahmenbedingungen verbessern ist eine Daueraufgabe“

Wie wird die EU-Äquivalenz, innenpolitische Risiken und gute Regulierung den Finanzplatz 2018 prägen? Claude-Alain Margelisch, CEO der SBVg, blickt in insight auf die Highlights des vergangenen Jahres zurück und spricht über die relevanten Dossiers 2018.

insight: Herr Margelisch, wie haben Sie das zu Ende gehende Jahr erlebt?

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Claude-Alain Margelisch, CEO, SBVg
Claude-Alain Margelisch: Die vielen Ereignisse im laufenden Jahr haben dazu geführt, dass die letzten Monate sehr intensiv gewesen sind. Damit ist die Arbeit aber nicht weniger geworden. Wir haben mit grosser Intensität daran gearbeitet, bestehende Dossiers wie die AIA-Umsetzung voranzutreiben. Auffallend sind die vielfältigen Themenbereiche von Steuerfragen über Digitalisierung bis hin zur Stärkung des Kapitalmarkts. Für mich ein Zeichen der enormen Diversität und Vernetzung unseres Finanzplatzes.

Vor zehn Jahren wurde die Welt von der Finanzkrise erschüttert. Mancherorts war kürzlich von einer „Schneise der Zerstörung“  die Rede. Wie beurteilen Sie die Lage?

Die Weltuntergangsstimmung mancher Medien ist fehl am Platz. Klar ist: Die Banken müssen heute sehr viel mehr Regulierung umsetzen als vor der Finanzkrise. Das kostet. Die Banken sind heute insgesamt stabiler und sicherer; und nicht nur deshalb sind sie eine wichtige Stütze der Schweizer Volkswirtschaft. Unsere politische Stabilität, exzellent ausgebildete Finanzexperten sowie ein vielfältiges Dienstleistungsangebot schätzen die Kunden weltweit. So ist die Schweiz nach wie vor Weltmarktführerin in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Wir haben die Innovationskraft und das Know-how, Herausforderungen wie die Digitalisierung selbstbewusst anzupacken und als Chance zu nutzen.

Wo muss sich der Finanzplatz noch verbessern?

Rahmenbedingungen verbessern ist eine Daueraufgabe. So zeigt beispielsweise der «Ease-of-Doing-Business-Index» der Weltbank, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz als Standort für Unternehmen seit 2005 abgenommen hat. Ein Grund ist die zunehmende Regulierungsdichte. Es sind deshalb administrative Entlastungen und eine Verbesserung der bestehenden und zukünftigen Regulierung notwendig. Die SBVg setzt sich für das Konzept einer guten Regulierungspolitik ein, in deren Zentrum eine unabhängige Prüfstelle steht.

Welches war Ihr persönliches Highlight im Jahr 2017?

Ein Meilenstein war für mich die gemeinsame Asienreise mit Bundesrat Maurer, an der wir die Vorteile des Finanzstandorts Schweiz vor Ort präsentieren konnten. Solche Massnahmen werden in der Schweizer Finanzmarktpolitik vermehrt eine wichtige Rolle spielen. Ein weiteres Highlight sind die für Anbieter digitaler Finanzdienstleistungen gelockerten Regeln, welche seit dem 1. August gelten. Der Bund reagierte damit auf die Digitalisierung im Finanzsektor. Die Umsetzung des automatischen Informationsaustauschs  mit mittlerweile über 90 Staaten hat uns während der ganzen parlamentarischen Beratung sehr intensiv beschäftigt. Das zeigt, dass wir als Finanzplatz die internationalen Standards umsetzen.

Die SBVg hat sich neu ausgerichtet und konzentriert sich auf drei Stossrichtungen. Was wollen Sie damit erreichen?

Als Branchenverband treten wir für optimale Rahmenbedingungen im In- und Ausland ein. Der Finanzplatz Schweiz soll auch in Zukunft weltweit führend sein – leistungsstark, wettbewerbsfähig, vielfältig und innovativ. Dafür ist es wichtig, dass wir erstens Swiss Banking fortlaufend positionieren und unsere Interessen gegenüber Politik, Regulierung und Öffentlichkeit klar und frühzeitig vertreten. Zweitens müssen wir aktiv die Zukunft gestalten, indem wir Trends erkennen und uns und unseren Finanzplatz rasch und klug anpassen. Dazu – und das ist der dritte Punkt – arbeiten wir in engem Austausch mit unseren Mitgliedern und anderen Finanzplatzakteuren.

Welche Prioritäten setzt die SBVg im kommenden Jahr?

Wir setzen uns für eine Verbesserung der Regulierungsprozesse ein, zum einen auf Dialogebene mit den Behörden und der FINMA, zum anderen unterstützen wir entsprechende Vorstösse im Parlament. Weiter werden wir 2018 die Promotion des Finanzplatzes im Ausland vorantreiben und neue Kooperationen prüfen sowie bestehende wie mit Hong Kong und China weiter festigen. Im Bereich der Digitalisierung will die Bankiervereinigung zukunftsrelevante Themen aktiver und visibler angehen. Als Opinion Leader bearbeiten wir mit den Experten unserer Mitglieder beispielsweise Fragen zur Cloud, E-ID , zu standardisierten Schnittstellen, Kryptowährungen, zu RegTech oder Cyber Security. Unser Ziel ist es, Digitalisierungstrends frühzeitig zu erkennen und pro- aktiv Vorschläge zur Verbesserung der Rahmenbedingungen zu erarbeiten. Dafür wird die im Sommer 2016 gegründete Expertengruppe EG Fintech zu einer Fachkommission aufgewertet und erhält damit das nötige Gewicht, um die Arbeiten in den Gremien der SBVg mit Nachdruck voranzutreiben. Im Sinne einer guten Regulierungspolitik und im Rahmen der genannten Digitalisierungsstrategie erhoffen wir uns positive Impulse und Effizienzsteigerungen für unsere Mitglieder.

Welche weiteren Dossiers werden den Finanzplatz im 2018 beschäftigen?

Nächstes Jahr kommt mit der Vollgeld-Initiative eine Abstimmung auf uns zu, welche die ganze Volkswirtschaft betrifft. Die Meinung der Bankiervereinigung ist klar: Ein solches unnötiges Hochrisiko-Experimente wie die Vollgeldinitiative gilt es zu verhindern. Marktzugang bleibt ein prioritäres Anliegen. In Zusammenhang mit Europa ist auch die Äquivalenzanerkennung der Schweizer Gesetzgebung zentral. Eine Reihe wichtiger Äquivalenzentscheide ist aber nach wie vor ausstehend. Wir fordern die Anerkennung der Äquivalenz im Finanzmarktregulierungsbereich und setzen uns auf bilateraler Ebene für bessere Marktzugangskonditionen ein. Und nicht zu vergessen Basel III/IV.

Welche Botschaft möchten Sie dem Finanzplatz respektive unseren Mitgliedern mitgeben?

Unsere Banken sind heute in hohem Masse wettbewerbsfähig. Sie zeichnen sich durch Innovationsfähigkeit, Professionalität und Qualität aus. Das Engagement für unsere Banken, für den Finanzplatz und für die Schweiz ist die Verpflichtung der Bankiervereinigung. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Finanzplatzakteuren leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erfolgsmodell Schweiz und für unseren Wohlstand in unserem Land. Aus Verbandssicht ist entscheidend, wie wir jetzt die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen, damit sich der Finanzplatz Schweiz an der Spitze behaupten kann. Ich kann nicht genug betonen, dass in optimalen Rahmenbedingungen der Schlüssel für den Erfolg von morgen liegt.

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