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17. Dezember 2014

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Rückblick 2014, Ausblick 2015: Was sich die GL der SBVg wünscht

Rückblick 2014, Ausblick 2015: Was sich die GL der SBVg wünscht

Transparenz bei Steuerfragen, auch in Zukunft die erste Geige spielen, einen Shitstorm erleben, schneller, besser und günstiger sein, Big Pictures vermitteln und geeint auftreten: Das sind die Wünsche der Geschäftsleitung der SBVg für 2015. Sicher ist: Die SBVg wird sich auch im kommenden Jahr mit aller Kraft für den Finanzplatz einsetzen.

Bereich CEO:

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Claude-Alain Margelisch, CEO
Die Bereinigung der Vergangenheit war im vergangenen Jahr ein prioritäres Thema für die Banken in der Schweiz. In Arbeitsgruppen, in einem speziellen Verein und in der Geschäftsstelle arbeiteten wir daran, Lösungen zu finden, die grösstmögliche Rechtssicherheit für Banken, Mitarbeitende und natürlich Kunden erlauben. Gleichzeitig haben wir uns in der Expertengruppe Brunetti und ihren Untergruppen intensiv mit der Zukunft des Finanzplatzes auseinandergesetzt. Alle Kolleginnen und Kollegen haben in ihren Arbeitsgruppen, bei Medien, in Schulen und allen ihren Kontakten darauf hingewirkt, die Zukunftsfähigkeit des Finanzplatzes zu erhalten und zu stärken.

Eines ist allen klar: In Steuerfragen gehört der Transparenz die Zukunft. Die SBVg wird sich jedoch dafür einsetzen, dass Transparenz nicht zum Schaden der Kunden ausgelegt wird. Wir werden im kommenden Jahr darauf hinarbeiten, dass der Zugang zu wichtigen europäischen Märkten gewahrt bleibt und werden uns weiterhin intensiv mit den Zukunftsinitiativen Renminbi und Asset Management befassen. Mit unseren Partnern bei Banken, Behörden und Regulatoren werden wir auch im kommenden Jahr im laufenden Dialog sein. Wir zählen dabei auf die Offenheit gerade von Behörden und Regulatoren, uns vor allem auf dem internationalen Parkett zu unterstützen, wie es für andere Finanzplätze selbstverständlich ist.

Bereich Finanzmärkte International FINT

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Jakob Schaad, Leiter Finanzmärkte International
Vergangenheitsbewältigung war auch 2014 ein grosses Thema. Besonders das Programm des US Department of Justice, einschliesslich der jüngsten Abweichungen davon von US-Seite, aber auch Frankreich und Italien beschäftigten uns sehr. Auf der Steueragenda haben wir wegweisende Schritte in die Zukunft getan und diese mitgestaltet. Wir arbeiteten aktiv bei der Entwicklung des OECD-Standards zum automatischen Informationsaustausch mit und unterstützten unsere Mitglieder bei der Umsetzung von FATCA. Im Sinn des globalen Modelles des Schweizer Finanzzentrums kämpften wir mit Energie für offene Märke.

Offene Grenzen gegen ein Klima des Finanzprotektionismus werden 2015 weiterhin unser Ziel sein. Zudem wird es für unsere Mitglieder matchentscheidend sein, wie wir in die neue Welt des automatischen Informationsaustausches übergehen. Nur mit einer branchentauglichen Umsetzung werden Schweizer Banken auch in Zukunft erste Geige spielen können. Da werden wir uns einbringen. Auch bin ich zuversichtlich, dass wir auf dem beschwerlichen Weg der Vergangenheitsbewältigung weiterkommen werden. Und schliesslich wünsche ich mir eine Schweizer Clearingstelle für die chinesische Währung, den Renminbi.

Bereich Kommunikation

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Thomas Sutter, Leiter Kommunikation
"Sharing" und "Follower" sind wichtige Begriffe unserer mit viel Enthusiasmus propagierten Online-Strategie. Die Statistiken geben uns recht: Auf Twitter haben wir die Anzahl Follower um 40 Prozent gesteigert. Mit unseren jährlich 30 Blogs erreichen wir im Schnitt fast 900 Leser. Neu kuratieren wir im Web zentrale Themen und beweisen damit jeden Tag Kompetenz und Offenheit. Dabei haben wir die nach wie vor wichtige traditionelle Kommunikation nicht vernachlässigt und sie wo möglich mit den neuen Kanälen verzahnt. Einziger "Minuspunkt" war das Fehlen eines kleinen Shitstorms, der unsere Online-Aktivitäten noch bekannter gemacht hätte.

Ich wünsche mir für 2015, dass die langen Schatten der Vergangenheit auf dem Finanzplatz kürzer werden. Eine Bereinigung der Vergangenheit ist nötig und die entstehenden negativen Schlagzeilen unumgänglich, aber es gibt gleichzeitig die zukunftsgerichteten Initiativen: Asset Management, RMB-Hub, Digitalisierung oder ein moderner auf Eigenverantwortung beruhender Anlegerschutz. Für diese wichtigen Themen müssen wir endlich eine grössere Öffentlichkeit herstellen. Nur so holen wir die dringend benötigte Reputation zurück. Und ja, natürlich wünsche ich mir den in 2014 verpassten Shitstorm.

Bereich Operations

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Lucas Metzger, Leiter Operations
In den letzten 18 Monaten haben wir die gesamte IT erfolgreich rundumerneuert. Für alle 80 Benutzer von SBVg, SFAMA, AGV Banken und esisuisse – an allen drei Standorten in Basel, Zürich und Bern. Workstations, Software, Netzwerke, Server, Storage und Sicherheitskomponenten wurden ersetzt und auf den neusten Stand gebracht. Auch neue Funktionalitäten wie WLAN, Bring-Your-Own-Device und Mobile Computing haben wir eingeführt – alles ohne einen einzigen Tag Unterbruch. Die heutigen Systeme sind sehr komplex geworden, damit der Anspruch der Benutzer "anytime, anywhere, with anything" mit Sicherheit erfüllt werden kann.

Der Anspruch unserer Mitglieder ist klar – schneller und besser, aber trotzdem günstiger. Der Strukturwandel der Branche geht auch an der Geschäftsstelle der SBVg nicht spurlos vorbei. Wir werden die Prioritäten neu setzen und uns um die Mitgliederbeiträge zu senken von nicht zentralen Aufgaben verabschieden. Als Führungsorgan der Bankenbranche müssen wir bei allen wichtigen Weggabelungen aufzeigen, welcher Weg für die Branche als Ganzes der Beste ist. Bei der heterogenen Bankenwelt der Schweiz ist das eine anspruchsvolle Aufgabe, die wir mutig angehen.

Bereich Public Affairs Schweiz PACH

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Kuno Hämisegger, Leiter Public Affairs Schweiz
Die Politik hat sich von der Sach- zur Machtlogik hin verändert: mit Sachargumenten allein können Vorlagen nicht mehr gewonnen werden. Das Stakeholder-Management wird wichtiger. Wir haben mehrere Workshops organisiert, an denen sich führende Politikwissenschaftler und -berater mit hohen Parteikadern über Analyse- und Strategieinstrumente austauschen konnten. Zudem wurde mit einer Veranstaltung zur Stärkung der internationalen Handlungsfähigkeit der Schweiz ein grosser Meilenstein gesetzt.

Machtlogik bedeutet, dass politische Geschäfte auf Grund anderer Motive als die Problemlösung an sich gestaltet werden. Die grossen, für den Finanzplatz bedeutungsvollen Gesetzesprojekte die noch vor den Wahlen auf der Agenda stehen, werden von dieser Logik stark mitgeprägt werden. Die Aufgabe von Public Affairs Schweiz wird weiterhin darin bestehen, einen Orientierungsrahmen zu bieten und die Vorlagen im "Big Picture" zu vermitteln, um Mehrheiten zu gewinnen.

Bereich Finanzmarkt Schweiz FMCH

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Renate Schwob, Ehemalige Leiterin Finanzmarkt Schweiz
Die Folgen von Finanz- und Schuldenkrise beschäftigten uns nach wie vor. Durch tatkräftiges Mitgestalten in verschiedenen Phasen des Regulierungsprozesses und durch die Unterstützung der Banken bei der Umsetzung konnten wir die Regulierungsflut eindämmen. FinfraG, FIDLEG und FINIG sind eine Trias, bei der Verstärkung des Kundenschutzes und regulatorische Strukturierung der Finanzmarktinfrastruktur im Vordergrund stehen. Basel III stand und steht im Bereich Liquiditätsvorgaben und Leverage Ratio weiterhin auf der Agenda, und die Umsetzung der revidierten Empfehlungen der FATF zwang zu intensivem Einsatz im parlamentarischen Prozess.

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Mark-Oliver Baumgarten, Leiter Finanzmarkt Schweiz
Dem Finanzmarkt Schweiz steht erneut ein herausforderndes Jahr bevor. Wir wünschen uns, dass in den zahllosen Regulierungsprozessen unsere Stimme als einheitliche und klare Meinung wahrgenommen wird, und dass es uns gelingt, mit den Finanzmarktteilnehmern in der Öffentlichkeit geeint aufzutreten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer Regulierung, die zwischen den verschiedenen Geschäftsmodellen unterscheidet, aber auch ausreichend Spielraum für eine geschäftsmodellspezifische Umsetzung belässt. Dafür setzen wir uns ein.