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01. Oktober 2020

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Empfehlungen zum Umgang mit Insolvenzrisiken

Empfehlungen zum Umgang mit Insolvenzrisiken

Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) hat für ihre Mitglieder Empfehlungen ausgearbeitet, um im Zuge der Corona-Krise drohende Insolvenzen von Unternehmen nach Möglichkeit zu vermeiden.

Wohlfahrtsverluste durch Konkurse

Viele Unternehmen halten Kredite bei mehreren Banken. Kommt die Kreditnehmerin in finanzielle Schwierigkeiten und droht eine Insolvenz, können Koordinationsschwierigkeiten unter den Banken entstehen. So kann es im Interesse einer Bank liegen, bei einer drohenden Insolvenz der Kreditnehmerin die offenen Beträge einzufordern, bevor eine der anderen Banken dies machen kann. Dieses Verhalten eines Gläubigerwettlaufs (sogenanntes «Rat-Race») führt zu einem erhöhten Risiko des Konkurses der Kreditnehmerin und in der Folge zu Wohlfahrtsverlusten. Beobachtbar wurde ein solches Verhalten im Nachgang der Immobilienkrise der 90er Jahre. Corona-bedingt wurde das Thema wieder aktuell, da eine erhöhte Anzahl von Kreditnehmerinnen mit finanziellen Schwierigkeiten bzw. drohender Insolvenz befürchtet werden muss.

Empfehlungen lösen «Koordinations-Problem»

Die Geschäftsstelle der SBVg hat in intensiver Zusammenarbeit mit den entsprechenden Gremien neue Empfehlungen ausgearbeitet. Diese haben keinen verbindlichen Charakter, sie sollen jedoch im einzelnen Anwendungsfall herangezogen werden können. Wichtigstes Ziel ist es, frühzeitig eine geeignete Koordination unter den involvierten Banken sicherzustellen und entsprechende Massnahmen zu treffen. Insbesondere geht es darum, mittels einer Stillhaltevereinbarung günstige Voraussetzungen für Restrukturierungs- und Sanierungsmassnahmen zu schaffen, sodass der Insolvenzfall nach Möglichkeit verhindert und für alle Beteiligten eine Verbesserung erzielt werden kann. Aus theoretischer Sicht soll damit ein spieltheoretisches Problem gelöst werden, mit einer entsprechenden Erhöhung der Effizienz bzw. einem willkommenen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt.

Empfehlungen sind anwenderbezogen und benutzerfreundlich

Im aktuellen Kontext der Corona-Krise sollen die Empfehlungen einem breiteren Adressatenkreis von Banken zur Verfügung gestellt werden, da vermehrt auch kleinere Institute an der Kreditvergabe mit mehreren Banken beteiligt sind. Die «Benutzerfreundlichkeit» der Dokumente war aus diesem Grund eine Priorität bei der Ausarbeitung. Für ein besseres Verständnis wurden den eigentlichen Empfehlungen eine schematische Darstellung sowie illustrative Mustertexte für die relevanten Vereinbarungen (Stillhaltevereinbarung, Sicherungsvereinbarung, Vereinbarung betreffend die treuhänderische Verwaltung von Sicherheiten) beigefügt. Die Musterverträge sind so abgefasst, dass sie Spielraum bieten für eine massgeschneiderte Anwendung im Einzelfall. Die Empfehlungen werden demnächst in Deutsch, Französisch und Italienisch auf der Homepage der SBVg zur Verfügung stehen.

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