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26. September 2019

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"Es ist sehr erfreulich, dass sich die Selbstregulierung durchgesetzt hat"

"Es ist sehr erfreulich, dass sich die Selbstregulierung durchgesetzt hat"

Markus Staub, Leiter Prudenzielle Regulierung, spricht über die angepassten Mindestanforderungen bei den Hypothekarfinanzierungen und welche konkreten Vorgaben für die Banken von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) anerkannt worden sind.

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Markus Staub, SBVg Leiter Prudenzielle Regulierung
Herr Staub, Ende August hat die SBVg informiert, dass die bestehende Selbstregulierung im Immobilien- bzw. Hypothekarbereich revidiert wird. Können Sie kurz erklären, worum es dabei geht? 

Ja, gerne: Diese Revision unserer «Mindestanforderungen bei Hypothekarfinanzierungen» sowie unserer «Grundpfand-Richtlinien» betrifft den Bereich der sogenannten Wohnrenditeliegenschaften. Das sind typischerweise Mehrfamilienhäuser, welche von institutionellen oder privaten Anlegern eben nicht selbst bewohnt, sondern vermietet werden. Für Hypotheken in diesem Fall haben wir in unserer Selbstregulierung die Anforderungen verschärft. Einerseits bezüglich des Mindestanteils an eigenen Mitteln, die der Kreditnehmer einbringt, und anderseits bezüglich der Frist für die Amortisation. 


Was heisst das konkret? 

Beim Mindestanteil an Eigenmitteln des Kunden erhöhen wir von bisher 10% auf 25%. Und bei der Amortisationsfrist muss die Hypothekarschuld statt wie bisher über 15 Jahre neu bereits innerhalb von 10 Jahren auf zwei Drittel des Belehnungswerts zurückgeführt werden. Damit setzen wir zwei bewährte Instrumente ein und verschärfen, mit spezifischem Bezug auf Wohnrenditeliegenschaften, die entsprechenden Parameter. 


Welcher Zielsetzung soll das letztlich dienen? 

Dieser Schritt ist vor dem Hintergrund der bei Wohnrenditeliegenschaften zu beobachtenden erhöhten Dynamik zu sehen. Wir sind überzeugt, dass wir einen gezielten und wirksamen Beitrag zur Verbesserung der Systemstabilität und zur weiteren Stabilisierung des Immobilien- und Hypothekarmarktes leisten können. Beide Massnahmen sind relativ einfach in der Umsetzung und setzen gezielt am richtigen Ort an. Zudem sind sie in unseren Augen zur Marktberuhigung deutlich besser geeignet als die vom Bund vorgesehene Verschärfung der Risikogewichtung über die Eigenmittelverordnung. Wir gehen deshalb davon aus, dass der Bundesrat nun auf diesen ursprünglichen Vorschlag verzichten wird.


Damit hat sich also die Selbstregulierung durchgesetzt? 

Ja, genau, und das ist sehr erfreulich! Die FINMA hat die Anpassung unserer Selbstregulierung Ende August als neuen aufsichtsrechtlichen Mindeststandard anerkannt und wird die Standards in analoger Weise auch auf den Versicherungssektor übertragen. Zudem gelten die Verschärfungen nur bis die entsprechenden Anforderungen im Rahmen von «Basel III Final» in Kraft treten. Der lange und intensive Dialog mit dem SIF, der FINMA und der Nationalbank hat die Vorteile unserer Selbstregulierung deutlich aufgezeigt. 


Wie geht es nun weiter? 

Die neuen Bestimmungen unserer Selbstregulierung treten per Anfang 2020 in Kraft, mit einer Übergangsfrist für die allfällige Anpassung technischer Systeme bis Mitte 2020. Mit Zirkular 7998 vom 29. August haben wir die Mitgliedbanken ausführlich informiert. Selbstverständlich beobachten wir die weiteren Entwicklungen aufmerksam. Gerade bei den Arbeiten zur schweizerischen Umsetzung von «Basel III Final» im Rahmen der zuständigen Nationalen Arbeitsgruppe wird die Thematik von hoher Bedeutung sein. Wir werden uns weiterhin für sinnvolle, überzeugende Lösungen einsetzen.