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2018/09/27 08:40:00 GMT+2

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Renditeliegenschaften im Fokus

Renditeliegenschaften im Fokus

SNB und FINMA legen ihr Augenmerk vermehrt auf die Renditeliegenschaften. Aus Sicht der SBVg gibt es jedoch keinen Grund für flächendeckende Massnahmen, welche sämtliche Banken belasten. Angezeigt ist ein differenzierter und fokussierter Ansatz.

Im Januar 2015 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit dem Negativzinsregime ein neues und kontroverses Instrument der Geldpolitik in der Schweiz eingeführt. Der Entscheid der Währungshüter von ihren Kunden, in erster Linie Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter, einen Strafzins auf einem Teil ihrer Einlagen zu verlangen, hatte sowohl für die Schweizer Wirtschaft als auch für die Schweizer Sparer einschneidende Auswirkungen.

Bedenken wegen der Entwicklung des Immobilienmarktes

Um Negativzinsen zu vermeiden investieren insbesondere institutionelle Investoren, also Versicherungen, Pensionskassen und auch Stiftungen, vermehrt in Immobilien und fokussieren sich dabei auf die vergleichsweise immer noch attraktiven Renditeliegenschaften. Die von der SNB nun geäusserten Bedenken in Bezug auf die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt sind zwar nachvollziehbar, allerdings sind sie hausgemacht und das Resultat der eigenen Tiefzins- bzw. Negativzinspolitik. Die Investoren werden zu einem Teil von Banken mit ihren Finanzierungsdienstleistungen unterstützt. Dabei befinden sich die Banken in einem intensiven Wettbewerb. Im Gegensatz zu Drittanbietern ausserhalb des Bankensektors, sind Banken jedoch durch die eigene Kreditpolitik und die bereits bestehende Selbstregulierung im Risikoappetit zurückgebunden.

Zusätzliche Sicherheiten und Einkommen des Kunden werden ausgeblendet

Die Bedenken der SNB beruhen zudem auf einer Sichtweise, welche die umfassende Risikofähigkeit des Bankkunden gänzlich vernachlässigt. Das bedeutet, die SNB betrachtet nur die einzelne Hypothekenvergabe (Einzelobjektbetrachtung) und blendet dabei die zusätzlichen Sicherheiten und Einkommen eines Kunden aus. Gerade diese Sicht auf das gesamte Portfolio des Kunden (Gegenparteisicht) ist jedoch zentral für den Entscheid einer Bank, ob ein Kredit gesprochen wird oder nicht. Die bemängelte Einzelobjektbetrachtung der SNB führt dazu, dass bei der Simulation eines plötzlichen Zinsanstiegs die Tragbarkeit einer Hypothek öfters, und nicht nur bei einzelnen Banken, nicht mehr gegeben ist. Auf Basis dieses verzerrten Bildes leitet die SNB ein flächendeckendes Problem der Banken ab und sieht darin eine Rechtfertigung für flächendeckende Massnahmen über den gesamten Bankensektor.

Die Gegenargumente der Schweizerischen Bankiervereinigung

Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) widerspricht dieser Einschätzung und ist der klaren Ansicht, dass aus einer Portfolio- bzw. Gegenpartei-Sicht keine flächendeckende Gefährdung von Banken besteht. Zudem erzielen die im Rahmen der Selbstregulierung getroffenen Massnahmen die gewünschte beruhigende Wirkung. Flächendeckende Massnahmen, wie beispielsweise die Erhöhung des antizyklischen Kapitalpuffers oder eine generelle Erhöhung der Eigenmittelanforderungen, welche sämtliche Banken unabhängig von den eingegangenen Risiken belasten, sind nicht zielführend und werden deshalb von der SBVg abgelehnt.

Stresstests durch die FINMA

Ob einzelne Institute einen übertriebenen Risikoappetit haben, ist durch die FINMA im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit durch Stresstests zu evaluieren und Korrekturmassnahmen müssen differenziert und fokussiert erfolgen. Eine flächendeckende Abstrafung aller Bankinstitute würde das gewünschte Ergebnis verfehlen und zudem einen möglicherweise bevorstehenden Abschwung unnötig verstärken.

Positionspapier Renditeliegenschaften