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2018/09/27 08:40:00 GMT+2

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Die Banklehre: Besser als man denkt

Die Banklehre: Besser als man denkt

Die kaufmännische Lehre Bank («Banklehre») ist sehr beliebt, sowohl bei angehenden Lernenden als auch bei denjenigen, die abschliessen. Letztere empfehlen die Lehre praktisch geschlossen weiter. Dies zeigen Befragungen im Auftrag der SBVg. Es gilt nun, diese Qualitäten in einer bewegten Branche in die Zukunft zu tragen.

Seit der Finanzkrise 2008 kämpft die Bankbranche mit einer angeschlagenen Reputation. Da mag es überraschen, dass die kaufmännische Lehre Bank («Banklehre») kaum darunter gelitten hat. Im Gegenteil. Seit 2015 befragt die SBVg über den Datenlogistiker Gateway.one jährlich mehr als 1‘000 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe zu ihren Präferenzen in der Berufswahl. Und siehe da: beim beliebtesten Beruf Kauffrau/Kaufmann schneidet die Branche Bank am besten ab, in der Deutschschweiz wie auch in der Romandie. Bei der Befragung ist der Auftraggeber nicht ersichtlich.

Beeindruckende Resultate bei den Befragten

Nun könnte man natürlich ins Feld führen, dass Jugendliche der Oberstufe gar nicht so genau wissen, was die Banklehre überhaupt bedeutet. Da trifft es sich gut, dass seit vergangenem Juli nun die zweite SBVg-Befragung der Lehrabsolventinnen und -absolventen Bank vorliegt (Abschlussjahrgang 2018). Mit 874 Teilnehmerinnen und Teilnehmern betrug die Rücklaufquote der Online-Befragung (Laufzeit Mitte Juni-Anfang Juli) rund 78 Prozent. «Die Resultate sind beeindruckend», erklärt Matthias Wirth, Leiter Ausbildung SBVg. «Über 98 Prozent betrachten die Lehre als weiterempfehlenswert.» Insgesamt haben 75,51 Prozent die Frage nach einer Weiterempfehlung mit «Ja» beantwortet, 22,54 Prozent mit «eher ja».

Bin ich im richtigen Beruf gelandet?

Wenn man bedenkt, wie jung die angehenden Lernenden jeweils sind, stellt sich irgendwann natürlich auch die Frage, ob man überhaupt im richtigen Beruf gelandet ist. «Von den Befragten sind über 95 Prozent der Meinung, grundsätzlich die richtige Berufswahl getroffen zu haben», so Wirth weiter. 67,16 Prozent sind diesbezüglich zufrieden, 28,15 Prozent eher zufrieden.

Nichtsdestotrotz ist die Zahl der Banklernenden in den vergangenen Jahren gesunken. An der Attraktivität der Lehre und des Berufs liegt es offensichtlich nicht. «Wir befinden uns aktuell in einer demographischen Talsohle», erläutert Wirth. «Das heisst, dass weniger Jugendliche Lehrstellen nachfragen. Diese Talsohle ist gemäss Bundesamt für Statistik ab 2019 wohl überwunden.» Gemäss BfS könnte der (branchenübergreifende) Lernendenbestand 2025 rund 6 Prozent höher liegen als 2015.

Nur gerade 3 Prozent verlassen die Branche nach Lehrabschluss

Die Qualität der Lehre ist das eine. Die Frage nach den Perspektiven die andere. Gemäss der aktuellen Lehrabsolventen-Befragung haben über 94 Prozent der Befragten rund einen Monat vor Lehrabschluss (Ende Juli) bereits eine Anschlusslösung gefunden. Über 74 Prozent arbeiten bei ihrem Betrieb weiter. Knapp 13 Prozent gehen direkt in eine Vollzeit-Weiterbildung (z.B. Fachhochschule). Während rund 5 Prozent der Befragten nach Lehrabschluss innerhalb der Branche wechseln, werden nur 3 Prozent die Branche verlassen, was vor allem mit veränderter Interessenslage zusammenhängt.

Die Rahmenbedingungen scheinen zu stimmen

Was lernen wir aus all diesen Zahlen? Die Banklehre ist offenbar nicht direkt an die Reputation des «Bankers» gekoppelt. Und offensichtlich machen die ausbildenden Banken und insbesondere deren Recruiter und Praxisausbilder einen sehr guten Job. Auch die Rahmenbedingungen (zuständig: SBVg im Zusammenspiel mit Bund, Kantonen, anderen kaufmännischen Branchen und ausbildenden Banken) stimmen offenbar. Die Berufsbildung Bank befindet sich aktuell also in einer hervorragenden Ausgangslage. Dies in einer Branche, die sich rasant verändert. Da trifft es sich zeitlich gut, dass die SBVg mit Vetreterinnen und Vertretern ausbildender Banken und des Branchen-Kompetenzzentrums CYP seit 2017 an einer Reform der Lehre arbeitet. Dies im Rahmen des Reformprojekts «Kaufleute 2022» der Dachorganisation SKKAB (Schweizerische Konferenz der Ausbildungs- und Prüfungsbranchen).

«Das Reformprojekt ist anspruchsvoll», erklärt Matthias Wirth. «Es gilt, die kaufmännische Lehre in die digitale Zukunft (weitgehend) selbstgesteuerten Lernens zu führen.» Entsprechend sei absehbar, dass der Fokus bei den Lernenden darauf zu liegen kommt, sich Kompetenzen anzueignen (bzw. diese zu Fördern) anstatt ihnen einfach zu lernendes Wissen vorzusetzen.

Eine Reform auf 2022 hin, klingt das nicht sehr weit weg? «Allerdings», bestätigt Wirth. «Vor allem wenn man bedenkt, wie rasch sich das Bankenumfeld erneuert.» Hier profitiere die Branche jedoch von einer besonderen Flexibilität. Während aktuell die sogenannten Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen für die Lernenden (z.B. vernetztes Denken und Handeln) über alle 21 kaufmännischen Branchen bis 2022 festgeschrieben sind, lassen sich die bankfachlichen Inhalte bereits vorher umgestalten.

Änderungen ab 2019

«Im Frühjahr/Sommer 2018 hat die SBVg in Zusammenarbeit mit ausbildenden Banken unter anderem markante Änderungen am bankfachlichen 'Katalog der Teilfähigkeiten Bank', also den bankfachlichen Lerninhalten, beschlossen», betont Wirth. «Unter anderem werden zunehmend praxisferne Aspekte entfernt, Digitalisierungsfragen hingegen wesentlich deutlicher adressiert.» Die Änderungen werden auf den Lehrstart 2019 hin in Kraft treten, die Vorankündigung an die ausbildenden Banken erfolgt auf Anfang 2019.

«Wie wir gesehen haben, ist die Ausgangslage für die Banklehre sehr gut», so Wirth. «Es gilt nun, die beliebte Berufsausbildung in eine dynamische Zukunft zu tragen.» Mit einer guten Abstimmung auf die verschiedenen Weiterbildungsangebote bleibt die Berufsbildung Bank auch in Zukunft ein attraktiver und nachhaltiger Einstieg in die Berufswelt.

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