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2014/09/24 10:15:00 GMT+2

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Hypothekarmarkt: Anpassung der Selbstregulierung und Beruhigung der Lage

Hypothekarmarkt: Anpassung der Selbstregulierung und Beruhigung der Lage

Im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen auf dem Immobilien- und Hypothekarmarkt hat die Schweizerische Bankiervereinigung ihre beiden Richtlinien im Hypothekarbereich revidiert. Die getroffenen Massnahmen werden voraussichtlich einen wirksamen Beitrag zur weiteren Beruhigung der Märkte leisten.

Bereits im Juni 2014 hat die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) über die beschlossenen Verschärfungen der bestehenden Selbstregulierung informiert. Betroffen sind die „Richtlinien für die Prüfung, Bewertung und Abwicklung grundpfandgesicherter Kredite“ sowie die „Richtlinien betreffend Mindestanforderungen bei Hypothekarfinanzierungen“. Nach Abschluss der Arbeiten hat die SBVg ihre Mitgliedinstitute Anfang Juli 2014 per Zirkular über die einzelnen Änderungen orientiert. Die neuen Anforderungen sind nun per 1.9.2014 in Kraft getreten.

Inhaltliche Stossrichtungen

Im Zentrum der Revision stehen drei Kernpunkte. Erstens sind die Anforderungen an die Amortisation von Hypothekarkrediten verschärft worden. So muss die Hypothekarschuld neu innerhalb von 15 (statt bisher 20) Jahren auf 2/3 des Belehnungswerts amortisiert werden. Diese Amortisation muss linear, also in regelmässigen Tranchen, erfolgen. Zweitens gilt neu das Niederstwertprinzip für die Bewertung des Grundpfandes, wonach als Belehnungswert der tiefere Wert von Marktwert und Kaufpreis massgeblich ist. Drittens sind Zweiteinkommen bei der Beurteilung der Tragbarkeit nur anrechenbar, wenn Solidarschuldnerschaft besteht. Beide revidierten Richtlinien sind in deutscher, französischer und italienischer Sprache auf unserer Website verfügbar.

Prozedere und Koordination

Der Revision ist ein intensiver Dialog mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD), der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vorangegangen. Bezüglich der ökonomischen Diagnose von Zustand und Aussichten der Märkte bestand keine vollständige Übereinstimmung. Die SBVg zeigte sich jedoch zu Anpassungen der Selbstregulierung bereit, welche mögliche Übertreibungen im Immobiliensektor begrenzen. Insgesamt konnte eine Lösung gefunden werden, die von den verschiedenen Beteiligten unterstützt wird. Die FINMA hat die revidierten Bestimmungen als aufsichtsrechtlich verbindlichen Mindeststandard anerkannt. Zusätzlich hat der Bundesrat die Revision der Selbstregulierung der SBVg ausdrücklich begrüsst und will bis auf Weiteres keine zusätzlichen Massnahmen zur Dämpfung des Hypothekarmarktes einführen.

Erwartungen und Prognosen

Die getroffenen Massnahmen erfolgen im Rahmen der Selbstregulierung, sie sind gezielt und verhältnismässig. Die SBVg geht davon aus, dass mit diesem Schritt ein wirksamer Beitrag an ein „Soft Landing“ bzw. an die sich abzeichnende „perfekte Abkühlung“ des Immobilien- und Hypothekarmarktes geleistet werden kann. Im gleichen Kontext ist zudem vor Kurzem auf Antrag der SNB auch der antizyklische Kapitalpuffer erhöht worden. Vor diesem Hintergrund erwartet die SBVg, dass der Bund nun keine weiteren regulatorischen Verschärfungen vornimmt.