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30. Juni 2020

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CORONA und die Banken - Ein Werkstattbericht

CORONA und die Banken - Ein Werkstattbericht

Im Zusammenhang mit dem Programm von Bund und Banken für COVID-19-Überbrückungskredite hat die Schweizerische Bankiervereinigung in verschiedenen Bereichen unterstützt und koordiniert. Insbesondere hat sie mit ihren «Leitlinien zum Umgang mit COVID-19-Krediten» zu einer geeigneten bankinternen Umsetzung beigetragen. Die entsprechende Koordination hat im Rahmen einer Serie von grossen Conference Calls stattgefunden. Im vorliegenden Gespräch blicken Remo Kübler und Markus Staub bei einem Feierabend-Bier auf diese Arbeiten zurück.

Remo Kübler: Der vorläufig letzte Call fand am 22. April statt und liegt nun bereits länger zurück. Markus, wie blickst du auf diese Zeit zurück?

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Markus Staub, Leiter Regulierung
Markus Staub: Du erinnerst dich ja auch: Wir haben im März und April rund ein Dutzend solcher Telefonkonferenzen mit jeweils rund 45 Teilnehmenden durchgeführt. Dabei hat mich vor allem beeindruckt, wie die verschiedenen Teilnehmer – Banken, Direktoren der Gruppenverbände, Vertreter der Behörden und die KollegInnen der Geschäftsstelle – gut, konstruktiv und zielgerichtet zusammengearbeitet haben. Auch intern war das alles eine Teamleistung; ich möchte auch Oliver Buschan und Nina Fraefel ganz herzlich danken. Diese Wochen mit täglichen Calls waren phasenweise sehr intensiv und turbulent, ich behalte sie aber in sehr guter Erinnerung. Ihr alle habt ja zwischen den Calls eine grosse Zahl von Anfragen beantwortet und bearbeitet – was ist dir geblieben?

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Remo Kübler, Leiter Immobilienregulierung und Projekte
Remo Kübler: Auch aus meiner Sicht war das eine spannende und lehrreiche Zeit. Dabei gilt es auch zu berücksichtigen, dass diese «Sitzungen» nicht physisch, sondern telefonisch stattgefunden haben und praktisch alle Teilnehmenden im Home-Office waren. Unter diesen speziellen Umständen war trotzdem eine überaus pragmatische, unbürokratische Zusammenarbeit möglich, welche den «Speed» der Entscheidungen in den Vordergrund rückte. Da alle Beteiligten am gleichen Strick zogen, waren rasche und gute Lösungen möglich. Welches waren aus deiner Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren?

Markus Staub: Gute Frage. Sicher haben die beiden Steuerungsausschüsse «Retail Banking» und «Capital Markets» ein grosses Lob für ihre hohe Verfügbarkeit und ihr grosses Engagement verdient. Auch den Direktoren der Gruppenverbände möchte ich an dieser Stelle für ihre wertvolle Rolle als «Multiplikatoren» in ihren jeweiligen Verbänden nochmals danken. Daneben war aus meiner Sicht hilfreich, dass wir diese Calls sehr strukturiert und lösungsorientiert, immer nach der gleichen Grundstruktur, abgehalten haben. So bildete das jeweils zu Beginn aktualisierte gemeinsame Lagebild eine wesentliche Grundlage für die zu treffenden Entscheide und gewählten Auslegungen. Vor allem aber war wesentlich, dass sich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Prä-CORONA-Zeiten persönlich kannten und vertrauten!

Remo Kübler: Ja, genau, auch die Zusammensetzung der Teilnehmenden – aus den Bereichen von Business, Recht und Public / Regulatory Affairs – hat sich in meinen Augen sehr bewährt. Dieser Mix hat es erlaubt, sowohl operative Fragestellungen als auch auslegungsbedürftige Passagen der Notverordnung konstruktiv anzugehen und dann, auch im Kontakt mit den Behörden – vor allem SIF, SECO, SNB und FINMA – zu lösen. Auch diese Kontakte waren und sind wertvoll – es hat sich einmal mehr gezeigt, dass mit gutem Willen vieles möglich ist und man in Krisenzeiten zusammenhält. Was wird deiner Meinung nach davon bleiben?

Markus Staub: Tatsächlich haben diese Calls insgesamt sehr gut funktioniert. Die grosse, freiwillige Teilnahme und Mitwirkung ist Ausdruck davon, dass wir offenbar einen substanziellen Mehrwert für unsere Mitglieder haben erzielen können. Meine persönliche Hoffnung ist, dass diese offene, freundschaftliche und speditive Zusammenarbeit auch bei zukünftigen, ganz anderen Projekten ihre Fortsetzung findet.

Remo Kübler: Und darüber hinaus?

Markus Staub: Etwas unbescheiden formuliert könnte man sagen, dass diese Art der Zusammenarbeit durchaus «Modellcharakter» haben könnte und sich die Verbände als wesentlicher und verlässlicher Player im Rahmen des Krisenmanagements des Landes erwiesen haben. Um auf deine Frage zurück zu kommen: Bleiben werden unter anderem natürlich unsere «Leitlinien», die in den kommenden Monaten hoffentlich weiterhin eine nutzenstiftende Auslegung bieten und die wir bei Bedarf laufend weiter entwickeln können. A propos Leitlinien: Welches waren in deiner Erinnerung eigentlich die häufigsten Fragen bzw. angesprochenen Bereiche?

Remo Kübler: Das lässt sich nicht eindeutig beantworten, sondern war in den verschiedenen Phasen unterschiedlich: In einem ersten Schritt ging es zunächst darum, die «Maschinerie» in Gang zu bringen; insofern standen vor allem organisatorische und prozedurale Fragen im Vordergrund. Nach Anlaufen des Programms zeigte sich dann aber rasch, dass eine Notverordnung nicht perfekt sein kann, weshalb es vermehrt zu Auslegungsfragen, zum Beispiel bezüglich Anspruchsberechtigung von KMU, kam.

Markus Staub: Wie interpretierst du dieses grosse Interesse?

Remo Kübler: Die Vielzahl an Fragen kann auch verstanden werden als intensives Bemühen um einen sorgfältigen Umgang mit Steuergeldern, sind die COVID-Kredite doch bekanntlich zu einem grossen Teil durch den Bund garantiert.

Markus Staub: Und ganz ausgegangen sind uns die Fragen auch noch nicht: Einzelne Bereiche bedürfen noch einer weiteren Klärung; zu diesem Zweck werden wir weiterhin eine entsprechende Koordination unserer Mitglieder sicherstellen. Zum Schluss möchte ich unsere Kontakte und den vertrauensvollen Dialog mit befreundeten Verbänden der Realwirtschaft nicht unerwähnt lassen: Mehrere Spitzengespräche «ad hoc» haben uns ein klares und differenziertes Bild der Bedürfnisse der KMU in den unterschiedlichen Branchen erlaubt. Aber mal ehrlich, Remo: War es manchmal auch mühsam?

Remo Kübler: Natürlich, das lacht man aber in einem guten Team weg. Die Zusammenarbeit war wie erwähnt wirklich erstklassig. Ich hoffe, das sehen auch die anderen so!

Markus Staub: Ich jedenfalls schon, an dieser Stelle gebühren dir und dem ganzen Team mein grosser Dank! Auch mir haben diese Calls keine schlaflosen Nächte, sondern Freude bereitet! Das Debriefing mit den kritischen Punkten behandeln wir separat. Nein, Spass beiseite: Ich habe mich auch in hektischen Zeiten immer zu 100% auf Euch verlassen können, herzlichen Dank und «Viva»!