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30. Juni 2020

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Innovation dank Hygiene

Innovation dank Hygiene

Die Meinungen sind klar: Wegen COVID-19 geht es dem Bargeld nun endgültig an den Kragen! Bloss: Will man allein aus der Bargeldnutzung während der Corona-Krise auf veränderte Zahlungsgewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten schliessen, so bleibt die tatsächliche Dynamik im Zahlungsverkehr verborgen.

Über die Bedeutung von Bargeld in unserer Gesellschaft hat die SBVg an anderer Stelle  schon informiert. Vor Corona war Bargeld das beliebteste Zahlungsmittel in der Schweiz, wie der aktuellste Swiss Payments Monitor der Universität St. Gallen bestätigt. So hat auch eine Umfrage von Moneyland.ch zu Beginn dieses Jahres gezeigt, dass 78% der Befragten nur ungern oder gar nicht auf Bargeld verzichten wollen.

Hat sich diese Präferenz seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie grundlegend geändert? ­Die Antwort ist: Nein. Bargeld geht bekanntlich durch viele Hände und wird als ideales Medium für die Weitergabe von Sars-Cov-2 wahrgenommen. Zu Recht wird der Verzicht auf Bargeld aus hygienischen Gründen beliebt gemacht. Die damit oft einhergehende Empfehlung «Bezahlen nur mit Karte» macht die Sache hygienetechnisch allerdings nicht automatisch besser. Im Gegenteil: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ ) hat den Einsatz von Kredit- oder Debitkarten ­ verbunden mit einer Passworteingabe ­ als die Zahlungsform identifiziert, welche der Verbreitung des Coronavirus am meisten Vorschub leistet. Nicht nur überlebt das Virus auf Plastik mutmasslich bis zu 72 Stunden, ein Terminal zur PIN-Eingabe wird im Laufe des Tages in einem gut frequentierten Geschäft auch von einer Vielzahl vom Menschen berührt. Bargeld wechselt den Besitzer hingegen nur wenige Male pro Tag.

Die Diskussion über ein verändertes Zahlungsverhalten während der Corona Krise sollte folglich nicht entlang der Linie «Bargeld vs. Bargeldlos» (1) erfolgen. Viel geeigneter und zukunftsweisender ist die Orientierung an der «Kontaktform» (2).

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Veränderte Zahlungsgewohnheiten in Zeiten von Corona

Daten aus der jüngsten Vergangenheit scheinen erstmals das Bauchgefühl zu bestätigen ­ «Bargeld ist der grosse Verlierer der Corona-Krise». So wurde während des Lockdowns an den Bankomaten bis Ende April rund 33% weniger Bargeld bezogen Vergleicht man diese Erkenntnis allerdings mit den Zahlen von Dr. Tobias Trütsch (Universität St. Gallen) und dem Volumenrückgang von Kreditkarten im stationären Verkauf über den gleichen Zeitraum (ebenfalls -30%), wird klar, dass der reduzierte Gebrauch von Bargeld primär auf einen gesamthaft tieferen Konsum und ein massiv eingeschränktes Unterhaltungsangebot vor Ort zurückzuführen ist.

Kreditkartentransaktionen können sowohl unter Eingabe einer PIN (mit Kontakt) als auch über das Mobilgerät oder den integrierten NFC-Chip (kontaktlos) ausgelöst werden. Erst bei der Analyse des Kreditkartenumsatzes manifestieren sich denn auch die tatsächlich veränderten Zahlungsgewohnheiten: Der Anteil des kontaktlosen Kreditkartenumsatzes am gesamten Kreditkartenumsatz im stationären Verkauf ist zwischen Ende Februar und Ende April um über 10% angestiegen. Diese Verhaltensänderung dürfte im Gegensatz zum verminderten Bargeldkonsum voraussichtlich nachhaltig sein.

Die jüngsten Zahlen anderer Anbieter von kontaktlosen Zahlungsmöglichkeiten (z.B. TWINT) bestätigen diese Entwicklung. Die grossen Gewinner der Corona-Krise sind in diesem Bereich zu finden. Hier ist zukünftig auch am meisten Innovation zu erwarten. Der Zahlungsverkehr ist dabei nicht mehr länger nur den etablierten Anbietern vorbehalten. Ehemals branchenfremde Unternehmen wie Apple, Google oder Samsung spielen – in Kooperation mit Finanzdienstleistern – mittlerweile eine zentrale Rolle im Zahlungsverkehr.