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2019/06/26 04:35:00 GMT+0

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Nachhaltiges Anlegen – die neue Norm

Nachhaltiges Anlegen – die neue Norm

Die Klimadiskussion bewegt die Schweiz und den Finanzplatz. Die neuesten Zahlen von Swiss Sustainable Finance zum Volumen der nachhaltigen Investitionen in der Schweiz zeigen mit über 700 Milliarden Franken einen neuen Höchststand. Dies ist erfreulich und spricht für den Finanzplatz und seine Akteure auch im internationalen Vergleich. Zum Erzeugen der erwünschten Wirkung ist es aber noch ein weiter Weg.

Das Übereinkommen von Paris verlangt, die Finanzflüsse klimaverträglich auszurichten. Hinter dieses Ziel stellt sich auch der Bankensektor. Die Branche alleine kann dies jedoch nicht erreichen. Nur mit einem Zusammenspiel aller Akteure auf dem Finanzmarkt können die Ziele erreicht werden. Der Übergang von der Nische zur Norm erfordert entsprechende Rahmenbedingungen.

Kürzlich lancierte Swiss Sustainable Finance die zweite Marktstudie zu nachhaltigen Anlagen in der Schweiz. Diese bringt positive Neuigkeiten für den Schweizer Finanzplatz und die Klimapolitik. Die nachhaltigen Investitionen sind im letzten Jahr um 83 Prozent auf den neuen Höchststand von 717 Milliarden Franken angewachsen. Das zeigt, dass soziale und umweltbezogene Aspekte heute eine zentrale Rolle im Anlageverhalten spielen. Die Investoren setzen auf Nachhaltigkeit und die Finanzbranche stellt für dieses Kundenbedürfnis erfolgreich das entsprechende Angebot zur Verfügung.

Grafik Sus Fin.jpg
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Die Zahlen belegen einen andauernden Wachstumstrend bei den nachhaltigen Anlagen in der Schweiz. Während im vergangenen Jahr vor allem die institutionellen Anleger für das Wachstum verantwortlich waren, nimmt auch der Anteil der Privaten langsam zu. Die ermutigenden Zahlen zeigen auch, dass die Finanzbranche bereits einen wichtigen Beitrag leistet und gewillt ist noch mehr zu tun.

Transformation nimmt Fahrt auf

Diese Transformation der Finanzbranche und das 5-jährige Jubiläum waren denn auch die Kernthemen der SSF Jahreskonferenz mit Ansprache des Bundespräsidenten Ueli Maurer.

Nachhaltiges Anlegen oder Sustainable Finance ist eine strategische Priorität der Schweizer Bankiervereinigung und des Finanzplatzes. Nachhaltige Anlagen können doppelt positive Ergebnisse erzielen. Sie haben einerseits grosses Potential auf geschäftlicher Seite und die Finanzbranche leistet damit andererseits einen konkreten Beitrag zur Erreichung der globalen Klimaziele und für eine nachhaltige Wirtschaft.

In der aktuell laufenden Diskussion wird die Rolle des Finanzplatzes Schweiz und insbesondere der Banken aber häufig falsch dargestellt und daher überschätzt. Zwar wurden per Ende 2017 in der Schweiz über 7’200 Milliarden Schweizer Franken Vermögen verwaltet. Diese stammen unter anderem aus privaten Spareinlagen bei Banken, aus Versicherungskapital oder Vorsorgeeinlagen in Pensionskassen und aus der AHV. Zusätzlich verwaltet die SNB selber ein Vermögen von über 800 Milliarden.1  Dabei gilt jedoch zu beachten: Banken verfügen nur über einen kleinen Teil des Geldes. Der viel grössere Teil der Finanzflüsse verwalten Banken im Auftrag ihrer Anleger. Banken erbringen ihre Dienstleistungen letztlich immer im Rahmen eines Auftragsverhältnisses. Mit anderen Worten sind die Banken an die Weisungen der Anleger (privat oder institutionell) gebunden. Die Banken können also nicht an den Wünschen der Anleger vorbei Investitionen tätigen.

Nicht immer gehen die beiden Ziele «Klimaverträglichkeit» und «Rentabilität» der Anlage Hand in Hand. Die Banken erhalten von den Anlegern primär den Auftrag, unter Berücksichtigung ihrer Risikofähigkeit die grösstmögliche Rentabilität zu erzielen und nicht, am klimafreundlichsten anzulegen. Um eine effektive Gesamtwirkung zu erzielen, braucht es deshalb einen Dreiklang bzw. ein Zusammenspiel von Anlageuniversum, Anleger und der Finanzintermediäre. Als Finanzintermediäre können die Banken alleine keine nachhaltigen Finanzflüsse bewirken. Sie können diese aber, Produkteangebot und Anlegernachfrage vorausgesetzt, sehr wohl begünstigen.

Alle Akteure sind gefordert

Damit ist klar: Massnahmen, welche nur auf die Finanzintermediäre abzielen, entfalten nicht die gewünschte Wirkung. Um die grösstmögliche Wirkung zu erzielen, muss zwischen Massnahmen

  • für Anleger (Pensionskassen, Versicherungen, Privatanleger, etc.),
  • Intermediäre (typischerweise Asset Manager, Vermögensverwalter, Banken, auch hier Versicherungen, Pensionskassen und Privatanleger) und
  • dem Anlageuniversum (Equities, Bonds, Infrastruktur, etc.)

unterschieden werden. Unkoordinierte Massnahmen, welche diese Unterscheidung nicht berücksichtigen, werden eine geringe Wirksamkeit aufweisen, da sie den tatsächlichen Gegebenheiten und Ansatzmöglichkeiten nicht gerecht werden.

Damit die Entwicklung weiter an Schwung gewinnt, setzt sich die Bankiervereinigung für zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen für nachhaltige Anlagen ein. Dabei steht sie im Kontakt mit allen relevanten Akteuren, denn es braucht den gemeinsamen Willen, um die gesteckten Ziele zu erreichen.

1 Im Vergleich dazu wird das globale Wealth Management mit etwa 200'000 Milliarden beziffert.

Nachhaltigkeit ist kein Neuland für den Schweizer Finanzplatz
Die Schweiz kann dabei auf ein weltweit einzigartiges Knowhow und auf lange Erfahrung bauen. So ist es auch kein Zufall, dass die Schweiz sowohl mit Genf als auch mit Zürich zwei von weltweit 25 Financial Centres for Sustainability (FC4S) hat und das Zentrum dieser Organisation in Genf ist, wo auch im Oktober 2019 die globale Jahreskonferenz stattfinden wird.
- Swiss Sustainable Finance - Swiss Sustainable Investment Market Study 2019
- FC4S Network