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Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2019/06/26 04:35:00 GMT+0

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«Der Wandel geht rasant weiter»

«Der Wandel geht rasant weiter»

Der neue und der bisherige CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung im Interview: Jörg Gasser führt die SBVg seit Mai und folgt auf Claude-Alain Margelisch, der sich 25 Jahre in den Dienst der Bankiervereinigung gestellt hatte. Ein Gespräch über die Zukunft und Perspektive des Finanzplatzes Schweiz.

Wie haben sich die Banken und die SBVg verändert?

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Claude-Alain Margelisch, CEO Advisor, ehemaliger CEO
Claude-Alain Margelisch: Ich kam im Jahr 1993 zur Bankiervereinigung, das war fünf Jahre vor der Gründung von Google. Der Euro existierte noch nicht, es gab auch kein iPhone und wir waren, was die Regulierung der Banken betrifft, noch bei Basel I. Globalisierung war noch kein Thema. Seither hat sich der Finanzplatz regulatorisch und technologisch tiefgreifend verändert. Zudem sind wir durch nationale und internationale Finanzkrisen gegangen: die Schweizer Immobilien- und Bankenkrise der 90er Jahre, das Platzen der Dot-Com Blase bis zur Finanzkrise.

Während dieser Zeit hat sich der Finanzplatz stark internationalisiert, er ist gewachsen und er hat sich technisch unglaublich weiterentwickelt. Unsere wichtigste Aufgabe hat sich allerdings über all die Jahre nicht verändert: Wir setzen uns für optimale Rahmenbedingungen ein, damit unsere Banken auch in Zukunft erfolgreich sein können.

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Jörg Gasser, CEO
Jörg Gasser: Heute ist die letzte Finanzkrise erfolgreich bewältigt. Unsere Schweizer Banken sind solide und wettbewerbsfähig, aber der Wandel geht rasant weiter. Als Verband wollen wir unsere Mitglieder dabei begleiten und den Finanzplatz gemeinsam voranbringen. Dazu müssen wir vorausschauen, die Entwicklungen antizipieren und schliesslich – im engen Austausch mit der Branche, den Gesetzgebern und Regulatoren – Wege entwickeln, wie wir aktuelle und zukünftige Themen angehen.

Aktiv die Rahmenbedingungen zu gestalten heisst, dass wir heute die Weichen für oder gegen Regulierungen stellen, die erst in einigen Jahren in Kraft – oder auch ausser Kraft – treten. Das erreichen wir, indem wir klare Standpunkte erarbeiten und daraus konkrete Konzepte und Handlungsoptionen ableiten. Tragfähige Lösungen brauchen den Konsens und gemeinsame Positionen der gesamten Branche. Nur so sind wir glaubwürdig gegenüber den politischen Instanzen, den Behörden, den Regulatoren und der Öffentlichkeit. Dies hilft uns dabei, unsere Ziele zu erreichen.

Welche Veränderungen und Chancen sehen Sie für die Zukunft der Finanzbranche?

Jörg Gasser: Unser Fokus gilt weiterhin der Stärkung unseres Finanzplatzes, seiner Wettbewerbsfähigkeit und damit der Förderung des gesamten Wirtschaftsstandortes Schweiz. Ich bin überzeugt, wir erreichen am meisten, indem wir gestalten, nicht verwalten. Wir müssen mit unseren Anspruchsgruppen im Dialog bleiben und den Austausch suchen, und zwar inner- und ausserhalb der Branche. So wie ich unseren Verband und die Geschäftsstelle kenne, sind wir gut vernetzt und kennen die Bedürfnisse der Branche und der Behörden. Das ist zentral für die Verbandsarbeit.

"Ich bin überzeugt, wir erreichen am meisten, indem wir gestalten, nicht verwalten." Jörg Gasser 

In den kommenden Tagen und Wochen werde ich mir nun einen genauen Überblick über die Organisation verschaffen und freue mich darauf, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenzulernen. Ich bin Claude dankbar, dass er mich dabei unterstützen wird.

Claude-Alain Margelisch: Der Wandel in der Finanzwelt, aber auch am Finanzplatz Schweiz, wird in hohem Tempo weiter gehen. Soviel steht fest. Mit der Digitalisierung, Fintech, Blockchain oder Cloud befinden wir uns in einem technologischen Umbruch. Aber auch das wirtschaftspolitische Umfeld und Gleichgewicht wandelt sich mit den aufstrebenden Ländern in Asien, der veränderten Rolle der USA und den Entwicklungen in Europa.

Was macht es aus, bei der SBVg zu arbeiten?

Claude-Alain Margelisch: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass einem in der SBVg viele Türen offen stehen, um sich weiter zu entwickeln und etwas zu bewegen. Die Zusammenarbeit mit den Fachleuten in unserer Geschäftsstelle und mit den Gremien über die ganze Breite der Themen hinweg hat mich in all den Jahren immer wieder aufs Neue motiviert. In den 25 Jahren meiner Zeit bei der SBVg habe ich keinen einzigen Augenblick der Langweile erlebt.

"Der Wandel in der Finanzwelt, aber auch am Finanzplatz Schweiz, wird in hohem Tempo weiter gehen. Soviel steht fest."
Claude-Alain Margelisch

Es war für mich eine ehrenvolle Aufgabe, eine ständige Bereicherung und eine tiefe Überzeugung, mich für die Interessen des Finanzplatzes und der gesamten Schweizer Wirtschaft einzusetzen. Es gelang uns immer wieder, wichtige Themen auf die Agenda in Bern und international zu setzen und unsere Anliegen wirkungsvoll zu vertreten. Meine Motivation wurde zusätzlich befeuert durch die über 130'000 Bankmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die sich Tag für Tag für ihre Kunden und unsere Wirtschaft einsetzen.

Jörg Gasser: Aus meiner Sicht spielt die Bankiervereinigung als Dachverband aller Banken der Schweiz eine Schlüsselrolle dabei, die Weichen so zu stellen, dass wir auch in Zukunft einen vielfältigen und kompetitiven Bankensektor mit attraktiven Arbeitsplätzen haben. Das Wohl des Finanzplatzes und das der Wirtschaft haben für mich oberste Priorität, weil sie die Grundlage unseres Wohlstands bilden.

Ich bin mir bewusst, dass erfolgreiche Verbandsarbeit komplex und anspruchsvoll ist. Doch mit starker Stimme und gemeinsam mit den Bankengruppen können wir die nötigen unternehmerischen Freiräume schaffen und die Rahmenbedingungen von morgen gestalten. Jetzt freue ich mich auf die Zusammenarbeit und die neuen Begegnungen in der Schweizerischen Bankiervereinigung.