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28. Juni 2018

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Swiss Cloud – ein Must Have für den Finanzplatz

Swiss Cloud – ein Must Have für den Finanzplatz

Clouddienstleistungen erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors. Die Anbieter einer Swiss Cloud stehen in den Startlöchern. Für eine erfolgreiche Migration der Banken-IT auf die Cloud müssen nun einige juristische Knacknüsse gelöst werden.

Wahrscheinlich nutzen viele von uns bereits Clouddienstleistungen im alltäglichen Leben, ohne uns dessen bewusst zu sein, zum Beispiel beim Versenden von Mails, beim Streamen von Musik und Filmen oder auch zur Speicherung der letzten Urlaubsfotos. Was im Privaten funktioniert, sollte eigentlich auch für hoch spezialisierte Banken und ihr komplexes Geschäft recht sein. Dies ist heute aus verschiedenen Gründen jedoch noch nicht der Fall, obwohl die Vorteile einer Cloud auf der Hand liegen.

Agilität, Innovation und Kostentransparenz als Hauptvorteile

Voraussetzung für den Erfolg im Bankgeschäft ist die Fähigkeit, sich agil neuen Entwicklungen anzupassen. Aufgrund ihrer Spezialisierung können Cloudanbieter ihren Firmenkunden neue Businessfunktionen meist schneller und reibungsloser liefern als die internen IT-Abteilungen. Zudem können Unternehmen Services fast beliebig kombinieren.

In der Cloud sind neue Technologien ohne grosse Investitionen nutzbar.

In der Cloud sind neue Technologien wie künstliche Intelligenz ohne grosse Investitionen in Hardware und Software nutzbar. Innovative Ideen können ausprobiert, vertieft oder verworfen werden und sind leichter zu realisieren. Beispielsweise können aufgrund von Kundenkorrespondenzen Kundenprofile erstellt oder mithilfe lernfähiger Software Prozesse automatisiert werden. Schliesslich ermöglicht eine Cloud volle Kostentransparenz und somit eine wirksamere Unternehmungsführung. Da nur direkt bezogene Leistungen abgerechnet werden, kann ein Unternehmen auf Bedürfnisschwankungen mittels Zu- oder Abschaltung von IT-Ressourcen flexibel reagieren. Das Funktionsangebot ist im «Self Service» zu variablen Kosten nutzbar.

Gerade kleine Banken haben Vorteile

Dadurch dass der Aufbau oder Einkauf der entsprechenden Kompetenzen und Ressourcen in der eigenen IT-Infrastruktur nicht mehr nötig ist, wird die Migration auf eine Cloud gerade für kleine Institute attraktiv. Gewisse Technologien, die früher nur grossen Unternehmen vorbehalten waren, werden damit auch für kleine Banken zugänglich und ermöglichen signifikante Skaleneffekte. Nicht zuletzt bedeuten die heutigen Anforderungen an IT-Sicherheit, das Nachführen von notwendigen Patches sowie das Management des IT-Infrastruktur-Lifecycles einen Umfang des IT Betriebs, den sich gerade kleinere Institute kaum leisten können.

Interesse von Cloudanbietern

Verschiedene Cloudprovider sind bereits mit einem Angebot in der Schweiz oder haben ein solches angekündigt. Aufgrund ihrer besonderen Bedürfnisse können Banken diese Dienstleistungen namentlich für kundenbezogene Daten noch nicht voll nutzen. Die Gewährleistung der Aufsicht, die Einhaltung des Bankgeheimnisses und der Beizug von Subunternehmen durch die Cloudanbieter sind einige der juristischen Knacknüsse, die es noch zu lösen gilt. Doch gerade diese hohe Regulierungsintensität macht die Schweiz für Cloudprovider interessant, da die Schweiz mit ihrer strengen Regulierung als Modell für andere Länder dienen kann. 

Es gilt noch einige juristische Knacknüsse zu lösen.

Eine spezielle Herausforderung für die Cloudindustrie weltweit ist der US Cloud Act von März 2018. Dieser verpflichtet die Cloudprovider weltweit grundsätzlich zur Herausgabe von Daten an die US-Behörden. Die Abklärungen über die Konsequenzen und Massnahmen, damit dieses Dekret des US-Präsidenten nicht zu einem Showstopper wird, sind im Gange. Noch hat sich keine einheitliche Rechtspraxis herausgebildet und auch verlässliche Stellungnahmen der Behörden sind Mangelware. Für die volle Nutzung der Clouddienste muss diese Rechtsunsicherheit beseitigt werden.

Die Bankiervereinigung an vorderster Front

Aufgrund des grossen Potenzials im Bereich Cloud-Dienstleistungen engagiert sich die Schweizerische Bankiervereinigung stark in den Arbeiten zur Verbesserung der Rahmenbedingungen. Behörden, Provider und die Branche stehen dabei in einem engen Austausch.

Im Zentrum der Arbeiten geht es um die Rezeptur des Cocktails aus technischen, organisatorischen und rechtlichen Massnahmen bezüglich Gewährleistung der Datensicherheit und Einhaltung der regulatorischen Anforderungen. Eine Strategie, ob, wie und welche Dienstleistungen auf die Cloud migriert werden, muss jedoch jede Bank für sich definieren.