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2018/06/28 09:15:00 GMT+0

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Das Sprachrohr der Regionalbanken

Das Sprachrohr der Regionalbanken

In einem neuen Verband vereint wollen sich die Schweizer Regionalbanken für einen Marschhalt bei der Bankenregulierung einsetzen.

Seit Mai 2018 treten 58 Regionalbanken unter dem Dach des Verbands Schweizer Regionalbanken (VSRB) auf. Jürg Gutzwiller, Präsident des neu gegründeten Verbands, betont im Interview die Bedeutung des Proportionalitätsprinzips und der Zusammenarbeit mit der SBVg. Jürg Gutzwiller ist Präsident des Verbandes Schweizer Regionalbanken (VSRB) und CEO der Entris Holding AG und Entris Banking AG. Ausserdem amtet er als Präsident des Kompetenzzentrums Challenge Your Potential (CYP).

insight: Herr Gutzwiller, am 14. Mai 2018 wurde der Verband Schweizer Regionalbanken (VSRB) in Bern gegründet. Was waren die Beweggründe?

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Jürg Gutzwiller, Präsident VSRB
Zum einen gab es bis zu diesem Zeitpunkt keine einheitliche Plattform für die Regionalbanken, um Erfahrungsaustausch sowie regulatorische Einschätzungen systematisch und breit abgestützt wahrzunehmen. Zum anderen hat in der Interessenvertretung eine vereinte Stimme der Regionalbanken gefehlt, die uns für den Finanzplatz und die Politik fassbar macht.

 

Wo sehen Sie die Kernaufgaben und Ziele des VSRB?

Der VSRB ist ein Interessensverband. Im Fokus stehen deshalb primär die Organisation und die Sicherstellung der Interessenvertretung und -wahrung. Dazu gehört in erster Linie die Ausarbeitung von Stellungnahmen zu Anhörungen und Vernehmlassungen. Wir werden unseren 58 Mitgliedsbanken aber auch die Möglichkeit bieten, an Anlässen den fachlichen und persönlichen Austausch untereinander zu pflegen.

Der VSRB respektive die Regionalbanken sind Mitglied der SBVg und bringen sich aktiv ein. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit der beiden Verbände?

Der primäre Kanal der Interessenvertretung der Banken im politischen Kontext der Schweiz bleibt die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg), was eine enge Partnerschaft voraussetzt. Wir sind in den Gremien gut vertreten und bereits sehr gut vernetzt. Damit beide Verbände ihre Ziele und Aufgaben erfüllen können, braucht es eine offene und aktive Kommunikation. Unsere Aufgabe wird es sein, in den Gremien der Bankiervereinigung auf allen Stufen die spezifischen Anliegen, Bedürfnisse und Erwartungen der Regionalbanken einzubringen und verständlich zu machen.

Die SBVg setzt sich für attraktive Rahmenbedingungen am Standort Schweiz ein. Welche der prioritären Themen der SBVg sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig?

An oberster Stelle der Prioritäten 2018 der SBVg steht für uns klar das Thema Regulierung. Es braucht einen Marschhalt und ein Überdenken der heutigen Situation. Dazu gehört auch, dass Rollen und Funktionen in der Regulierung überprüft und geschärft werden. Die Regulierung muss generell abgebaut und risikoadäquater gestaltet werden. Es geht hier insbesondere um das Proportionalitätsprinzip, das viel stärker angewandt werden muss. Da das Hypothekargeschäft unser Kerngeschäft ist, ist der Einsatz für faire Wettbewerbsbedingungen für uns von grosser Bedeutung. Und als Präsident des Kompetenzzentrums Challenge Your Potential (CYP) muss ich natürlich auch die Förderung der Aus- und Weiterbildung als Schlüsselfaktor für Know-how und Wettbewerbsfähigkeit des Bankenplatzes erwähnen. Auch für unsere Banken ist es von grösster Bedeutung, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben, die in einer sich rasant verändernden Bankenwelt für die Zukunft gerüstet sind.

Die Digitalisierung verändert das Banking und stellt auch Regionalbanken vor Herausforderungen. Wo steht der Finanzplatz Schweiz diesbezüglich in zehn Jahren?

Wir erleben zurzeit einen Boom von neuen Akteuren, die bestehende Geschäftsprozesse oder -modelle der Finanzbranche herausfordern. Aber auch die traditionellen Banken passen sich laufend neuen Entwicklungen an. Die Regionalbanken stehen hier mitten drin. Sie müssen nicht «first mover» sein, aber zeitnah die für sie und ihre Kunden geeigneten Lösungen realisieren. Die Entwicklungen sind ja nicht nur Bedrohung, sondern auch eine Chance, Kundenkreis und Dienstleistungsangebot auszuweiten. Ich bin sehr überzeugt, dass der Finanzplatz Schweiz die richtigen Antworten auf die Digitalisierung finden wird und seine Attraktivität global und regional beibehalten kann. Aber man darf vor lauter Digitalisierung nicht die bestehenden Tugenden aufgeben, die unter anderem sind: Stabilität, Zuverlässigkeit, Kundenfokus und Beratung. Digitalisierung kann theoretisch jeder, aber solche Werte aufzubauen und umzusetzen, ist deutlich schwieriger und deshalb differenzierend.