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30. Juni 2016

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"Kollaboration statt Konkurrenz"

"Kollaboration statt Konkurrenz"

Von der Zusammenarbeit zwischen Fintechs und Banken profitieren beide Seiten in hohem Masse. Wieso die SBVg deren Austausch unterstützt und wie der F10, der Inkubator von SIX, diesen fördert.

Neu erfunden hat Fintech das Banking nicht. Kunden sind noch immer an den traditionellen Bankdienstleistungen wie Zahlungen, Anlagen und Hypotheken interessiert. Fintech ist also Innovation ganz im traditionellen Sinne: das Was hat sich nicht geändert, das Wie wird effizienter, günstiger, schneller und kundenfreundlicher. Liegt darin das Erfolgsrezept von Fintech? Matthias Müller, Group Innovation Manager bei SIX, bestätigt: „Fintech ist eine kundenorientierte Bewegung, kein Hype. Der Schlüssel zum raschen Erfolg von Fintech liegt in der Kooperation mit etablierten Instituten, weil die Fintech Unternehmen die Bedürfnisse des Kunden so einfach und schnell mit punktuellen Lösungen abdecken können.“ Die Frage, ob Banken oder Fintechs den Kampf ums Banking der Zukunft gewinnen, ist hinfällig, denn entscheidend ist, wie die Finanzprozesse von morgen aussehen werden.

Das Wie wird effizienter, günstiger, schneller und kundenfreundlicher.

Trends: was ändert sich?

Gemäss Rudolf Riegel, Senior Product Manager vom Bezahlservice Paymit, sieht sich die Finanzbranche aktuell mit drei Megatrends konfrontiert:

  • Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden.
  • Durch die Globalisierung werden die Kunden von anderen Märkten inspiriert und bekommen neue Bedürfnisse.
  • Ausserdem werden Smartphone und Wearables immer mehr Alltagsbedürfnisse abdecken und uns immer und überall mit der Welt verbinden.

„Viele Trends haben einen mittleren bis grossen Einfluss in der Zukunft, haben momentan aber den Reifegrad noch nicht erreicht“, erläutert Rudolf Riegel weiter. Die Akzeptanz der neuen Technologien entwickelt sich in der Bevölkerung also langsamer als die Branche die Technologien weiterentwickelt. Zumindest bis zum sogenannten Tipping Point, an dem sich die Verbreitung stark beschleunigt. Einfach ist der Blick in die Zukunft nicht: „Bedenken Sie, dass es vor zehn Jahren noch kein iPhone gab, Twitter damals ein Geräusch war, die Cloud den Himmel bedeckte, 4G ein Parkplatz und Skype ein Schreibfehler war“, illustriert Rudolf Riegel die Schwierigkeit, Zeiträume und Entwicklungen richtig einzuschätzen.

Veränderung bedeutet Entwicklung

 
 

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Markus Graf, Head Innovation Management DGI Executive MBA General Management, SIX
Zuerst den Kunden verstehen, dann einen Prototypen generieren und diesen weiterentwickeln – so funktioniert Design Thinking. Mit diesem Konzept arbeitet der F10, der von SIX ins Leben gerufene Fintech-Inkubator. Ziel des F10 ist es, Neuerungen zu fördern, Technologietrends zu erkennen, Start-ups zu unterstützen sowie ein Netzwerk aufzubauen. „Zusammenarbeit ist das Wichtigste!“, meint Markus Graf, Leiter des F10. Sie seien der Grund, warum die Branche zurzeit auf der Überholspur unterwegs ist. Unter dem Motto „Kollaboration statt Konkurrenz“ profitieren die Jungunternehmer von Synergien und der Endkunde vom besten Produkt. Dabei entstehende Herausforderungen werden mit Aufgabenteilung und Menschenkenntnis gemeistert: Idealerweise gibt es den technik-affinen Manager, den Koordinator, der den kreativen Part übernimmt und einen Programmierer, der umsetzt. Start-ups können aufgrund ihrer Struktur und Grösse nicht nur schneller als etablierte Firmen reagieren, auch ihre Lösungen sind flexibler. Aus Sicht des Nutzers von alternativen Bankdienstleistungen sind dies, neben Einfachheit, guten Konditionen sowie dem ständigen Zugang, die Hauptkriterien für deren Nutzung. Markus Graf fasst den Umbruch folgendermassen zusammen: „Wir entdecken aufkommende Technologien und Verhaltensweisen, verstehen diese und verlinken sie mit zukünftigen Geschäftsmodellen, kreieren also die Produkte der Zukunft.“

"Zusammenarbeit ist das Wichtigste."

Synergien nutzen

Das solide Schweizer Ausbildungssystem stellt qualifizierte Arbeitskräfte sicher, jedoch scheint, trotz Fördermassnahmen wie sie der F10 bietet, der Unternehmergeist im Fintech-Bereich hierzulande noch in den Kinderschuhen zu stecken. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Schwierigkeit, ein Start-up erfolgreich aufzubauen bis zu den Kriterien Lohn und Arbeitsplatzsicherheit. Auch ist der Schweizer Markt vergleichsweise klein. Innovative Fintechs müssen sich also erst etablieren, während etablierte Banken von Innovationen durch Start-ups profitieren können.

Etablierte Banken profitieren von Innovationen durch Start-ups.

Die Zusammenarbeit stärkt nicht nur die beteiligten Parteien, sie ist wichtig um die Rolle des wettbewerbsfähigen Schweizer Bankenplatzes beizubehalten und deshalb Grund für die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg), den Austausch untereinander zu unterstützen. Die Ziele der SBVg sind klar: Die Wertschöpfung und Schaffung von Arbeitsplätzen müssen weiterhin in der Schweiz erfolgen und damit den Finanzplatz stärken. Weiter ist der Aufbau eines Fintech-Ökosystems erforderlich, von dem alle Finanzdienstleister profitieren und welches in einem angemessenen rechtlichen Rahmen Innovationen ermöglicht und fördert.