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2015/06/30 12:30:00 GMT+2

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Starker Finanzplatz – starke Wirtschaft

Starker Finanzplatz – starke Wirtschaft

Der Bundesrat hat den Beirat Zukunft Finanzplatz eingesetzt. Insight hat vier Exponenten der hochkarätigen Gruppe zu ihrer Rolle und ihren Prioritäten befragt.

Losgelöst vom Tagesgeschäft der Behörden soll der Beirat Zukunft Finanzplatz die strategischen Herausforderungen und Zukunftsperspektiven für das Finanzgeschäft in der Schweiz beurteilen und dabei das Interesse der gesamten Volkswirtschaft berücksichtigen. Der Beirat arbeitet dem Bundesrat zu: Er unterbreitet diesem Beurteilungen und Empfehlungen zur Anpassung der Finanzmarktstrategie und zur Verbesserung der Rahmenbedingungen.

Insight wollte von vier der insgesamt 20 Mitglieder des Beirats wissen, wie sie ihre Rolle und Prioritäten sehen.

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Aymo Brunetti, Professor für Wirtschaftspolitik und Regionalökonomie, Universität Bern
 

Herr Professor Brunetti, Sie sind Leiter des Beirats Zukunft Finanzplatz mit 20 Mitgliedern. Braucht der Finanzplatz so viel Unterstützung?

In erster Linie braucht der Finanzsektor von unserem Beirat aus meiner Sicht nicht Unterstützung, sondern einen Beitrag für möglichst gute Rahmenbedingungen. Diese sind im Finanzsektor ausserordentlich divers, in starkem Umbruch begriffen und durch vielfältige Regulierungen geprägt. Will man bei der Beratung zur Ausgestaltung dieser Rahmenbedingungen die wichtigsten Facetten am Tisch vertreten haben, so wäre eine wesentlich kleinere Gruppe kaum realistisch gewesen. Angesichts der vielfältigen Interessen von Seiten der Branche war es vielmehr eine Herausforderung, nicht noch eine deutlich grössere Gruppe zu bilden. Auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit der ähnlich konzipierten Vorgängerinstitution, der Expertengruppe zur Weiterentwicklung der Finanzmarktstrategie, glaube ich, dass mit einer solche Zusammensetzung und Grösse eine konstruktive Diskussion gut möglich ist.

Was kann und soll der Finanzplatz Schweiz aus Ihrer Sicht in den nächsten fünf Jahren erreichen?

Der Finanzplatz sollte auch dann aus national und international erfolgreichen, wertschöpfungsstarken Unternehmen zusammengesetzt sein, deren Aktivitäten keine Bedrohung für die Finanzstabilität bilden. Aus Sicht des Beirates sehe ich explizit keine Ziele darin, in welchen Bereichen diese Unternehmen tätig sein sollen oder wie gross der Finanzplatz sein wird. Das können und sollen letztlich weder der Beirat noch die Politik bestimmen, sondern die Unternehmen mit ihren privaten Investitionsentscheiden. Die wirtschaftspolitisch bestimmten Rahmenbedingungen – und damit der Bereich in dem der Beirat seine Beratung entfaltet - sollten sich aus meiner Sicht am Grundsatz orientieren, dass dem Schweizer Finanzsektor im internationalen Vergleich möglichst keine Wege unnötig verbaut werden.

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Patrick Odier, Präsident des Verwaltungsrates, Schweizerische Bankiervereinigung SBVg

Wieso ist aus Ihrer Sicht ein breit abgestützter Beirat nötig?

Der Finanzplatz spielt nur schon aufgrund seiner Grösse eine wichtige Rolle in der Schweizer Wirtschaft. Seine Stärken sollen erhalten bleiben und neue Wachstumsfelder erschlossen werden, damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung in unserem Land bleiben.  Die Banken können optimale Rahmenbedingungen jedoch nicht allein schaffen, deswegen ist es wichtig, dass auch Vertreter von Politik, Behörden und Wissenschaft im Beitrag vertreten sind. Die Rolle der anderen Wirtschaftssektoren ist ebenfalls zentral, denn ohne einen starken Finanzplatz gibt es in der Schweiz keine starke Wirtschaft. Auf diese Weise können wir die Empfehlungen, die die Expertengruppe Brunetti formuliert hat, rasch umsetzen. Wir müssen Reformen schneller angehen, damit wir wettbewerbsfähig bleiben. Dafür ist es wichtig, dass sich öffentlicher und privater Sektor gemeinsam einsetzen. Der Beirat ermöglicht es darüber hinaus auch, frühzeitig neue Prioritäten einzubeziehen, wenn diese sich entwickeln.  

Welche Themen möchten Sie zuerst behandelt wissen?

Prioritär ist, wie wir den Zugang zu wichtigen Auslandsmärkten, insbesondere zur EU, verbessern, denn unser Finanzplatz ist Weltmarktführer in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Damit hängt zusammen, wie die Schweiz wichtige gesellschaftspolitische Themen angeht. Der Beirat muss also auch seine Stimme erheben, wenn es um Fragen wie die Personenfreizügigkeit und die Rekrutierung von hoch qualifizierten Arbeitskräften im Ausland geht. Ein weiteres wichtiges Thema ist eine bessere Ausgestaltung des Regulierungsprozesses. Hier wird der Sektor die Sicht der Praxis einfliessen lassen und darauf drängen, dass Methoden und Prozesse dafür entwickelt werden, wie sich Regulierung auswirkt und was sie die Regulierten und die Kunden kostet.

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Daniel Lampart, Chefökonom, Schweizerischer Gewerkschaftsbund

Welche Anliegen werden Sie im Beirat einbringen?

Der Finanzplatz ist im Umbruch. Als Gewerkschafter ist für mich natürlich die Sicherung der Löhne und der Arbeitsplätze im Vordergrund. Zumal auch der Bankpersonalverband Mitglied des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes ist.

Als Gewerkschafter stimmen Sie der These, der Finanzplatz sei überreguliert, vermutlich nicht zu. In welchen Regulierungsbereichen hat der Finanzplatz Defizite?

Bei der Regulierung hat die Politik leider die Logik der Feinsteuerung, insbesondere auf Stufe der einzelnen Bank, gewählt. Das führt zu vielen Vorgaben, deren Wirksamkeit teilweise zweifelhaft ist. Viel wirksamer wäre es, verbindliche und robuste Eigenmittelvorschriften zu machen (hohe Leverage ratio). Das wurde bisher leider verpasst.

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Jacques de Watteville, Staatssekretär, SIF Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen
Die Banken drängen auf eine stärkere Unterstützung ihrer Anliegen durch Politik und Behörden. Können Sie dieses Bedürfnis nachvollziehen?

Sofern es nicht um Partikularinteressen, sondern generell um einen wettbewerbsfähigen, stabilen und international respektierten Finanzplatz geht, sind wir stark engagiert. Die Branche braucht gute Rahmenbedingungen und Rechtssicherheit. Das ist im Interesse der Schweiz.

Welche Wünsche haben Sie an Ihre Kollegen aus der Privatwirtschaft?

Drei Wünsche: Bringen Sie sich ein bei der Erarbeitung von guten Rahmenbedingungen! Helfen Sie uns, die Akzeptanz für diese Rahmenbedingungen zu stärken! Nutzen Sie diese Rahmenbedingungen für Ihr erfolgreiches Geschäft in der Schweiz! Wir wollen zusammen den Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Schweiz fördern