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25. März 2021

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«Das Ziel ist es, dass sich die Banken inspirieren lassen»

«Das Ziel ist es, dass sich die Banken inspirieren lassen»

Retail Banking steht im Fokus der gemeinsamen Arbeit von Prof. Andreas Dietrich vom Institut für Finanzdienstleistungen (IFZ) und der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg). Das IFZ und die SBVg haben jüngst eine Kooperation im Bereich Retail Banking beschlossen, die erstmals am 8. Juni bei der IFZ-Konferenz «Innovationen im Banking» zum Tragen kommen soll. Prof. Dietrich spricht im Interview über die Zusammenarbeit und die Herausforderungen des Retail-Bankings.

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Prof. Andreas Dietrich, IFZ
Prof. Dietrich, wie gut geht es den Retail Banken in der Schweiz?

Den Retail Banken in der Schweiz geht es insgesamt immer noch gut. Im zurückliegenden Corona-Jahr sind die meisten Banken ohne sichtbare Probleme durch die Krise gekommen. Viele Banken haben 2020 sogar bessere Ergebnisse erzielt als in den Vorjahren. Einerseits konnten viele Retail Banken ihre Kommissionserträge im vergangenen Jahr steigern. Andererseits sind die Zinserträge zwar infolge von seit mehreren Jahren sinkenden Margen unter Druck. Das Zinsergebnis konnte aber durch höhere Volumina, geringere Zinsaufwendungen und noch immer tiefe Kreditausfallquoten einigermassen gehalten werden.

Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Herausforderungen im Retail Banking? Sie haben das Zinsdifferenzgeschäft gerade schon genannt.

Das ist eines der wichtigsten Geschäftsfelder der Retail Banken. Diese Banken erwirtschaften zwischen 70 bis 90 Prozent ihrer Erträge über das Zinsdifferenzgeschäft. Die Margen sinken dort aber wie oben angedeutet zunehmend. Das konnte zuletzt noch über Volumensteigerungen kompensiert werden, aber der Druck wird grösser. Zugleich drängen neue Player auf den Markt und die etablierten Banken müssen ihr Geschäftsmodell anpassen. Die Zinssituation bleibt eine Herausforderung für die Zukunft. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die IT und Digitalisierung. Die Banken müssen sich in diesem Bereich bewegen. Zum einen muss man die IT-Architektur den neuen Anforderungen anpassen. Auf der anderen Seite müssen die Institute überlegen, wo sie ihre Prioritäten in Bezug auf die Vielzahl an möglichen Digitalisierungs-Projekten setzen wollen. Über den digitalen Kanal sind auch viele neue Player in den Markt gekommen. Dies drückt die Marge und führt dazu, dass Banken auch ihre Preis-Strategien wieder kritischer hinterfragen müssen.

Sehen Sie auch Chancen?

Die Digitalisierung bietet extrem viele Chancen. Ich beobachte allerdings, dass die Banken unterschiedlich mit diesem Thema umgehen: Die einen betrachten es vor allem als Bedrohung, derweil andere Anbieter die vielzähligen Möglichkeiten sehen, die sich dadurch bieten. Digitalisierung kann beispielsweise dabei helfen, bessere Kundenerlebnisse zu schaffen. Gewissen Banken ist es auch gelungen, über digitale Kanäle neue Kunden zu gewinnen und neue Ertragsmöglichkeiten zu nutzen. Neben der Kundenseite kann die Digitalisierung auch zu Effizienzgewinnen und dadurch Kosteneinsparungen innerhalb der Bank führen. Als Drittes können Banken dank dem Einsatz von Analytics und Machine Learning auch zusätzliche Erträge generieren oder Kosten reduzieren.

Stichwort Chancen: Das IFZ und die Bankiervereinigung arbeiten künftig noch enger zusammen. Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit?

Wir haben ein treues Stammpublikum bei unseren Konferenzen und eine ebensolche Leserschaft unserer Studien. Zugleich erhoffen wir uns durch die Kooperation eine noch grössere Verbreitung unserer Inhalte. Ein intensivierter inhaltlicher Austausch ist ein weiteres Ziel, um gemeinsam mit den Experten der Bankiervereinigung Entwicklungen zu spiegeln oder Aspekte zu berücksichtigen, die aus dem Kreis der Banken über die Fachbereiche und Kommissionen der SBVg zu uns gelangen. Auch mit Blick auf Anschauungsbeispiele aus dem Ausland hilft das Netzwerk der Bankiervereinigung, um weitere spannende Referentinnen und Referenten für die Konferenzen zu gewinnen.

Was lässt sich konzeptionell über die Konferenz «Innovationen im Banking» am 8. Juni heute schon sagen?

Wir werden Innovationen in verschiedenen Facetten beleuchten: Ein Fokus wird beispielsweise auf die Möglichkeiten von Daten gelegt, ein anderer auf neue Entwicklungen im Anlagegeschäft. Wir werden sowohl etablierte Banken, die eine innovative Dienstleistung oder einen innovativen Touchpoint lanciert haben, als auch junge Unternehmen, die beispielweise im Anlagebereich neue Ideen und Perspektiven einbringen, als Speaker einladen. Das Ziel ist es, dass sich die Banken von den neuen Entwicklungen inspirieren lassen.

Prof. Andreas Dietrich ist Institutsleiter und Leiter Kompetenzzentrum «Financial Services Management» sowie Professor für Banking und Finance am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern. Er ist unter anderem Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank und Mitglied der Fachkommission Digitalisierung der SBVg.