SwissBanking
Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
02. April 2020

Navigation

Message
Warum Banken in ihre Kultur investieren sollten

Warum Banken in ihre Kultur investieren sollten

Diversität in der Zusammenarbeit und ein strukturierter Austausch, in dem Fehler erlaubt sind: Die wichtigsten Trends in der Organisationsentwicklung und der Führung im Banking zeigen, dass sich ein Kulturwandel auszahlt.

In einer zunehmend vernetzten Welt passen nicht nur die grossen Tech-Firmen ihre Arbeitsstrukturen den dynamischen Märkten an, sondern auch die Finanzindustrie bricht nach und nach vor allem die Art der Zusammenarbeit und daher auch die Arbeitsorganisation auf. Silos, also abgekapselte Einheiten werden zugunsten von agilen Projektteams abgebaut, so dass einerseits Kunden ganzheitlicher beraten werden können und andererseits Fachthemen aus mehreren Blickwinkeln – transversal durch die Organisation – aufgegriffen werden können.

"Silos werden zugunsten von agilen Projektteams abgebaut"

Für die Arbeitsorganisation bedeutet das Aufbrechen von Silos nicht nur das Zusammenbringen von Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen, sondern es braucht auch Prozesse sowie eine entsprechende Kultur, die eine agile Projektorganisation unterstützen. Diese Prozesse lassen sich gleichzeitig anstossen und entfalten nach unterschiedlichen Zeitspannen ihre Wirkung. Die wichtigsten Trends kurz skizziert:

Strukturell gesehen hat man längst erkannt, dass Diversität in Projektteams gewinnbringend ist. Teams, die sich aus Personen mit unterschiedlichem Erfahrungslevel, aus unterschiedlichen Fachbereichen, aber auch in Bezug auf das Geschlecht, das Alter, der Dauer der Betriebszugehörigkeit und vielen weiteren Faktoren zusammensetzen, sind in der Regel erfolgreicher als solche Teams, die eher gleichförmig aufgebaut sind und zum Beispiel als Expertengremium mit Personen ähnlicher Ausbildung, Alter, Erfahrung und Rang gebildet werden.

Prozessual bewähren sich Techniken wie beispielsweise die Entwicklungsmethode Scrum auch in nicht-tech-affinen Umfeldern immer mehr. Sie bewirken in der Regel einen mindset shift vom «Hang zum Perfektionismus» hin zu «trial and error», also einer Kultur, die offen ist für permanentes Hinterfragen, Ausprobieren und kontinuierliche Verbesserung. Agilität findet immer mehr Anwendung auch in der Finanzbranche, was aber nicht heisst, dass Strukturen und Prozesse über Bord geworfen werden, sondern ganz im Gegenteil: Beweglichkeit bedeutet Struktur und klar definierte Prozesse gepaart mit Empowerment.

Kulturell findet in der Finanzbranche ein Wandel statt, der dafür sorgt, dass Silogrenzen aufgeweicht werden. Dies gilt auch für klassische Hierarchien, wie sie im Bankensektor meist noch sehr ausgeprägt vorhanden sind. Zahlreiche Banken praktizieren beispielsweise bereits «reverse mentoring», weil sie erkannt haben, dass Wissens- und Erfahrungsflüsse nicht immer nur «von oben nach unten», sondern auch umgekehrt äusserst nützlich sein können. Hierarchien werden also zunehmend flacher, Kollaboration auf Augenhöhe steht mehr und mehr im Vordergrund und findet sich als Wert in vielen Führungsleitbildern.

Führung wird daher eher komplexer – moderne Führung versteht sich verstärkt im Sinne von Befähigung und Begleitung denn als Kontrolle und Vorgaben durch die Führungskraft. Führungskräfte müssen also eine Balance aus Anleitung, Hilfestellung, aber auch Loslassen und Vertrauen finden, was vor allem unter Leistungs- und Kostendruck nicht immer einfach ist.

Generell zeichnen sich Unternehmen heutzutage primär durch ihr Image am Markt aus und zunehmend weniger über das tatsächliche Produkt. Das Kundenerlebnis spielt auch für die Finanzindustrie eine bedeutende Rolle und damit verbunden das Bekenntnis des Unternehmens zu wichtigen Themen wie beispielsweise Nachhaltigkeit, einem fundierten Unternehmens- und/oder Führungsleitbild, etc.

"Das Kundenerlebnis spielt auch für die Finanzindustrie eine bedeutende Rolle"

Eine stabile und positive Unternehmenskultur ist nicht zuletzt aufgrund des Images nach aussen von grösster Bedeutung und damit massgeblich für den Erfolg des Unternehmens verantwortlich. Eine stabile Unternehmenskultur verstärkt auch die Anziehungskraft für neue Talente, sie hilft dabei, Wissensträger an das Unternehmen zu binden sowie Mitarbeitende dauerhaft zu motivieren und zu Höchstleistungen anzuspornen. Es lohnt sich also aus interner wie auch externer Perspektive, in die Kultur zu investieren.