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02. April 2020

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Datenstrategie – der Weg zur digitalen Selbstbestimmung

Datenstrategie – der Weg zur digitalen Selbstbestimmung

Das weltweite Datenvolumen steigt stetig an. International herrscht ein Wettbewerb der Kulturen im Umgang mit Daten. Für den Schweizer Wirtschaftsstandort ist es entscheidend, den eigenen Datenschatz mit transparenten und fairen Regeln zu schützen und so die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft weiter zu fördern. Es geht um nichts weniger als die digitale Selbstbestimmung.

Daten – das neue Öl der digitalisierten Wirtschaft

Unser digitaler Fussabdruck wächst stetig. Insbesondere die Nutzung von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets erhöht die von uns tagtäglich produzierte Datenmenge rasant. Allein 2019 wurden in einer Minute im Schnitt mehr als 41 Millionen Nachrichten über WhatsApp oder Facebook Messenger verschickt, 1.4 Millionen Mal auf Tinder «geswiped» und rund $ 1 Million im Online Shopping ausgegeben1 . Gemäss dem World Economic Forum werden bis 2025 weltweit rund 463 Exabytes (EB) an Daten generiert, und das täglich. Dies entspricht über 200 Millionen DVDs am Tag2.

Daten im Kampf gegen das Coronavirus

Was für Möglichkeiten die neue Datenökonomie eröffnet zeigen auch die aktuellen Bemühungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Hier können datenbasierte Erkenntnisse und Entscheide eine wichtige Rolle spielen. So nutzen bspw. die Regierungsbehörden in Südkorea die Standortdaten von Smartphones und Kreditkartendaten zusammen mit den Aufnahmen von Überwachungskameras, um die Bewegungen von Coronavirus-Patienten zu verfolgen und dadurch die Übertragungskette besser nachvollziehen zu können. Weiter können anonymisierte Bewegungsdaten zusammen mit Angaben über die Bevölkerungsdichte in bestimmten Gebieten dabei helfen, die weitere Ausbreitung des Virus zu prognostizieren. Das Beispiel verdeutlicht, was technisch bereits einfach realisierbar ist. Die entscheidende Frage hierbei ist aber, wie weit man bei der Preisgabe von persönlichen und personenbezogenen Daten gehen darf. Und wie viel davon freiwillig und mit der Einwilligung der individuellen Datenerzeuger geschieht.

Wettbewerb verschiedener Datenschutzkulturen

Eine zunehmend datenbasierte Wirtschaft und Gesellschaft braucht entsprechende Regeln, die festlegen, wie Daten gesammelt und verwendet werden können, sowohl in Bezug auf personenbezogene Daten als auch auf nicht-personenbezogene Daten. Entscheidend dabei ist die Frage, wie diese Regeln ausgestaltet werden und wer letztlich die Kontrolle über die Daten haben soll. International herrscht hierzu ein regelrechter Wettbewerb verschiedener Datenschutz Kulturen: In China liegt die Datenhoheit mehrheitlich beim Staat, in den USA wiederum bei den grossen Unternehmen bzw. BigTechs. In Europa geht die Entwicklung schliesslich Richtung digitale Selbstbestimmung und Konsumentensouveränität. Dazu hat die EU Kommission vor kurzem einen weiteren Grundstein gelegt.

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Ownership der Daten

Abbildung 1: Datenschutzkulturen im Vergleich. Quelle: SBVg, in Anlehnung an Axon Active

Europa legt Grundstein für digitale Selbstbestimmung mit neuer Datenstrategie

Im Februar 2020 veröffentlichte die Europäische Kommission eine neue Datenstrategie. Mit der europäischen Datenstrategie sollen grundsätzlich mehr Daten für eine Nutzung in Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung stehen. Dabei geht es in erster Linie um nicht-personenbezogene Daten. Zugleich ist es das Ziel, dass die Datenerzeuger – also die Bürgerinnen und Bürger – die Kontrolle über ihre Daten behalten. Dies soll mit Massnahmen wie der Schaffung transparenter und fairer Regeln für den Datenzugang und die Weiterverwendung von Daten oder auch der Ausstattung der Nutzer mit Rechten, Werkzeugen und Kompetenzen realisiert werden, damit sie die volle Kontrolle über ihre Daten behalten. Weiter steht der Ausbau der europäischen Infrastruktur, insbesondere der Cloud-Kapazitäten, im Fokus, um die stetig steigende Datenmenge auf europäischem Grund verarbeiten und speichern zu können. Nicht zuletzt soll damit auch die lokale Ebene gestärkt – und die Abhängigkeit von globalen, zumeist amerikanischen Technologieunternehmen reduziert werden.

Gleichzeitig mit der Datenstrategie veröffentlichte die Kommission eine Mitteilung zur „Gestaltung der digitalen Zukunft Europas“ und ein Weissbuch über künstliche Intelligenz, in dem die Kommission darlegt, wie sie die Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz in der gesamten EU unterstützen und fördern möchte. Mit diesen Arbeiten hat die EU einen wichtigen Grundstein gelegt für die zukünftige Ausgestaltung der – zumindest europäischen – Datenökonomie. Und sie verdeutlicht die Bedeutung der Themen Daten und künstliche Intelligenz für die gesamte Wirtschaft. Die Ambitionen der EU sind hoch, der Zeitrahmen eng berechnet. Erste Massnahmen sollen bereits im laufenden Jahr angepackt werden. Es wird sich daher rasch herausstellen, ob hinter den vielen Worten auch Taten stecken.

Die Schweiz muss sich positionieren

Auch für die Schweiz stellt sich die Frage, wie sie sich bezüglich des Umgangs mit Daten positionieren möchte. Um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Wirtschaftsstandortes weiterhin hoch zu halten, gilt es, den wachsenden Datenschatz zu nutzen. Gerade Banken und die Finanzdaten der Kunden spielen hierbei eine zentrale Rolle. Wichtig ist, dass Banken im neuen Wettbewerb der Datenökonomie nicht benachteiligt werden.

Aufgrund des demokratischen Selbstverständnisses und der zentralen Bedeutung der Privatsphäre hat die Schweiz grundsätzlich ein Interesse daran, sich am EU-Modell zu orientieren. Das Modell kann zur Positionierung der Schweiz als Hort von Sicherheit und Vertrauen beitragen. Entsprechend gilt es, auf allen Ebenen möglichst rasch die Weichen zu stellen. Es geht schliesslich um nichts weniger als die digitale Selbstbestimmung der Schweizer Bürgerinnen und Bürger.

 

1 https://www.visualcapitalist.com/what-happens-in-an-internet-minute-in-2019/
2 https://www.weforum.org/agenda/2019/04/how-much-data-is-generated-each-day-cf4bddf29f/