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Das Online-Magazin der Schweizerischen Bankiervereinigung
2016/03/30 12:35:00 GMT+2

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Apokalypse nö

Apokalypse nö

Die Banklehre ist bei Jugendlichen die beliebteste kaufmännische Grundbildung. Lehrabsolventen sind auch für die digitale Umwälzung im Bankgeschäft gut gerüstet.

Die Reiter der Apokalypse stehen mal wieder vor der Tür. Diesmal sollen sie – Medienberichten zufolge – im Rahmen des technologischen Wandels die kaufmännischen Angestellten beziehungsweise ihre Stellen flächendeckend dahinraffen. KV-Angestellte seien ein Auslaufmodell, kolportierte Anfang 2016 beispielsweise die NZZ am Sonntag.

Grundlage solcher Hiobsbotschaften ist eine Studie aus 2013, welche salopp gesagt davon ausgeht, dass Tätigkeiten, die automatisiert werden können, eine grosse Chance haben, bald automatisiert zu werden. So bahnbrechend diese Schlussfolgerung auch sein mag – sie bezieht sich auf ein Umfeld mit Standardabläufen, das die Berufsausbildung à la Schweiz nicht kennt.

Andererseits steht es ausser Frage, dass mit Blick auf die Bankenbranche die fortschreitende Digitalisierung für Umwälzungen im Geschäft sorgen wird – auch mit Auswirkungen auf die kaufmännische Lehre Bank (Banklehre). Daher stellt sich die Frage, inwiefern diese für die Zukunft gerüstet ist.

Banklernende gehören zu den zufriedensten Lernenden
aller Branchen.

Bankenbranche für Junge attraktiv

Für eine kaufmännische Lehre bieten Schweizer Banken bis anhin optimale Rahmenbedingungen. Das äussert sich unter anderem darin, dass Banklernende zu den zufriedensten Lernenden aller Branchen gehören. Die hohe Qualität der Ausbildung, eine umsichtige Betreuung der Lernenden und sehr gute Aussichten auf eine Anstellung nach Lehrabschluss wirken sich besonders positiv auf die Zufriedenheit der Lernenden aus. In der Deutschschweiz ist die Bankenbranche für Jugendliche die mit Abstand attraktivste Branche für eine kaufmännische Lehre, so eine Umfrage bei über 2‘000 Jugendlichen der Schulstufe Sek I (Volksschule) aus dem Jahr 2015.

Der Bankberuf zeichnet sich durch vielseitige Weiterbildungsmöglichkeiten aus.

Ein Grossteil der Banklernenden findet nach dem Abschluss problemlos eine Stelle. Der Bankberuf zeichnet sich dann durch vielseitige Weiterbildungsmöglichkeiten aus, von bankinternen Schulungen über höhere Fachschulen und Fachhochschulen bis hin zum regulären Uni-Abschluss. Das Wissen und Können der Absolventinnen und Absolventen der Banklehre ist zudem auch in anderen Branchen gefragt.

Was Lernende künftig lernen

Nachdem die Stärken der Bankausbildung also auf dem Tisch liegen, stellt sich die Frage, wie es mit dieser fundierten Ausbildung nun vor dem Hintergrund des technologischen Wandels weitergehen soll. Welche Fähigkeiten sind künftig überhaupt gefragt?

Hohe fachliche und soziale Kompetenz mit vernetztem und interdisziplinärem Denken

Banking hat viel mit Vertrauen zu tun. Um Vertrauen zu schaffen, sind hohe fachliche und soziale Kompetenz mit vernetztem und interdisziplinärem Denken gefragt. Und Selbstkompetenzen, das heisst die Fähigkeit, seine eigenen Stärken und Schwächen richtig einschätzen und situationsgerecht einsetzen zu können sowie flexibel zu sein. Diese Skills trainieren Lernende bereits heute. Ihre Lehrmittel erhalten zudem halbjährlich ein Update gemäss den aktuellen Bedürfnissen aus der Praxis.

Medien- respektive Technologiekompetenzen, das heisst Kenntnisse über Geräte und kundenorientierte Tools gewinnen an Bedeutung. Hier ist die Bankausbildung gefordert und bereits unterwegs, sich weiterzuentwickeln. Es ist naheliegend, dass Digital Natives sich in diesem veränderten Umfeld zurechtfinden werden.

In Zeiten des Wandels stellt die Breite der Banklehre zweifellos ein positives Asset dar. Wie soll ein Banking-Tool denn einschätzen, was eine neue Regulierung für die eigenen Prozesse bedeutet? Das vermag (vorläufig) eben doch nur ein Mensch zu verstehen.