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2015/03/30 12:30:00 GMT+2

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Der neue Leiter Finanzmarkt Schweiz im Interview

Der neue Leiter Finanzmarkt Schweiz im Interview

Von der Wirtschaftskanzlei in die Bankiervereinigung: Mark-Oliver Baumgarten ist seit Oktober 2014 Leiter Finanzmarkt Schweiz und Mitglied der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg).

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Thomas Sutter: Herr Baumgarten, Sie kamen als Experte für Finanz- und Kapitalmarktrecht von einer Anwaltskanzlei zur SBVg. Was war für Sie der Reiz innerhalb derselben Branche zu einem anderen Akteur zu wechseln?

Mark-Oliver Baumgarten: Ich hatte das Glück, dass ich nicht nur Erfahrungen bei der Lösung der vielfältigen konkreten Probleme der Klienten sammeln konnte – sei das bei einer Transaktion, bei einer Bankbewilligung oder mit dem Umgang mit Börse, Behörden und Gerichten. Als sogenannter Banking-Partner einer Anwaltskanzlei und Teamleiter war ich auch Ansprechpartner für strategische und regulatorische Fragestellungen, die in den letzten Jahren immer wichtiger wurden. Dabei habe ich den Mandanten geholfen, neue Entwicklungen und Herausforderungen zu antizipieren und sich rechtzeitig darauf einzustellen. Dazu war ich stets im Gespräch mit verschiedenen Akteuren aus Politik, Behörden, Finanzwelt und Anwaltschaft. Das hat sich auch in meiner neuen Funktion nicht geändert. Als Mitglied der Geschäftsleitung bei der Bankiervereinigung ist es für mich aber ein besonderer Reiz, etwas für die ganze Branche bewegen zu können und nicht nur ein momentanes Problem eines einzelnen Kunden zu lösen. Ich bin so ein Bindeglied zwischen Wirtschaft und Politik. Das ist komplex, anspruchsvoll und sehr interessant.

Nun sind Sie bereits sechs Monate bei der SBVg. Wie ist Ihr Eindruck der Verbandswelt?

Verbände haben eine enorm wichtige und entscheidende Gestaltungsfunktion, vor allem in einem politischen Milizsystem. Ich bin unter anderem Mitglied bei internationalen Anwaltsverbänden, wo auch regulatorische Entwicklungen diskutiert werden. Ich hatte schon früher regelmässig mit Verbänden der Finanzbrache zu tun, mit der SBVg insbesondere seit dem Fall der nachrichtenlosen Vermögen. Daneben war ich auch politisch aktiv. Die Verbandswelt ist für mich also kein Neuland und ich pflege seit Jahren intensive Kontakte, die sich immer weiterentwickelt haben.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit innerhalb der Branche, respektive in den Arbeitsgruppen und Gremien?

Es macht mir grosse Freude, mit den verschiedenen Akteuren innerhalb der Branche intensiv zusammenzuarbeiten, und die Zusammenarbeit gestaltet sich ausgesprochen gut. Im Verwaltungsrat der SBVg befinden sich die Entscheidungsträger unserer Mitgliedbanken. In den Kommissionen, Arbeitsgruppen und Gremien sitzen erfahrene Fachpersonen. Naturgemäss sind die Positionen der unterschiedlichen Mitgliedbanken nicht immer deckungsgleich. Dann braucht es Überzeugungskraft und Diplomatie. Sowohl mit anderen Bankverbänden als auch mit jenen anderer Branchen, wie zum Beispiel der economiesuisse oder Swissmem, um nur zwei zu nennen, ist die Zusammenarbeit ausgezeichnet.

Was hat Sie im letzten halben Jahr am meisten beschäftigt und  was haben Sie erreicht?

In den letzten Monaten haben mit Finfrag, FIDLEG und FINIG Finanzinfrastrukturthemen dominiert. Das Finfrag wird aktuell im Parlament diskutiert und seitens SBVg begrüsst. FIDLEG und FINIG sind regelrechte Monstergesetze mit mannigfachen Auswirkungen nicht nur auf die Bankenwelt, sondern auf die Finanzdienstleistungsindustrie insgesamt und indirekt auch deren Zulieferer, beispielsweise IT, Anwälte und die Revision. Die beiden Gesetzesvorlagen werden auch in den nächsten Monaten ein Dauerbrenner sein. Die „Too big to fail“-Gesetzgebung und die Umsetzung des Brunetti-Berichts sowie die anstehende FATF-Länderprüfung, die Revision der Sorgfaltspflichten (VSB 16), das Geldwäschereigesetz und  Ausführungsverordnungen und andere Compliance-Themen werden uns weiterhin beschäftigen. Daneben gibt es aber auch gesamtwirtschaftliche Themen, zu denen die Meinung der SBVg gefragt ist. Gerade dieser Tage haben wir mit unserer Vernehmlassungsantwort die vom EJPD lancierte Aktienrechtsrevision zurückgewiesen. In diesem Bereich sehen wir momentan gar keinen dringenden Regulierungsbedarf.

Wo sehen Sie aktuell die grössten Herausforderungen in Ihrem Bereich Finanzmarkt Schweiz?

Unsere Herausforderungen sind etwa wie folgt: Komplexität, interne Meinungsbildung, Image und Einflussnahme nach aussen. Wir sind mit vielen Regulierungsvorhaben konfrontiert, die vor dem Hintergrund der aktuellen Markt- und Wirtschaftslage besonders komplex sind. Dabei zeigen sich die unterschiedlichen Ansätze von Banken mit einer stärkeren Fokussierung auf Inlandkunden und jenen mit einer stärkeren Orientierung auf Kunden mit Wohnsitz im Ausland etwas deutlicher als früher. Der Bankenplatz ist für die Schweizer Wirtschaft enorm wichtig und vital; leider trägt die breite Öffentlichkeit dem manchmal zu wenig Rechnung. Bei Parlament, Regierung und Behörden setzen wir uns mit Verve für eine bedarfsgerechte Regulierung nach Mass ein. Das umfasst zum Beispiel Themen wie Marktzugang und Äquivalenz wie auch hinreichende Differenzierung nach den unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Einen Swiss Finish braucht es nicht, und eine überbordende Regulierung muss vermieden werden.