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16. April 2014

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Leverage Ratio: Kaum ein Wundermittel

Leverage Ratio: Kaum ein Wundermittel

Die bestehende Eigenkapitalregulierung mit Risikogewichtung wird voraussichtlich auch für nicht-systemrelevante Banken um eine Verschuldungsobergrenze ohne Risikogewichtung (Leverage Ratio) ergänzt. Eine omnipotente Wunderwaffe ist die Leverage Ratio aber nicht.

Basel III sieht explizit auch eine Verschuldungsquote ohne Risikogewichtung vor. Daher ist zu erwarten, dass die Finanzmarktaufsicht (FINMA) eine solche Leverage Ratio in der Schweiz einführen wird. In der regulierungspolitischen Diskussion polarisiert sie aber bereits heute.

Kritische Studie

Vor kurzem hat das Swiss Finance Institute (SFI) ein Papier des renommierten Ökonomen Jean Charles Rochet (Universität Zürich) publiziert. Unter dem Titel „The Extra Cost of Swiss Banking Regulation“ gelangt diese Studie unter anderem zu einer kritischen Beurteilung der Leverage Ratio. Insbesondere wird festgehalten, dass im Normalfall risikogewichtete – und damit risikosensitive – Eigenkapitalanforderungen ein geeignetes Mittel sind, um die Risiken von Banken zu limitieren.

Jean Charles Rochet beurteilt die Leverage Ratio kritisch.

Klar abgegrenzte Funktion

Der Leverage Ratio kommt demgegenüber lediglich die Rolle eines Frühwarninstruments und zusätzlichen Korrektivs im Ausnahmefall zu. Die entsprechende Schlussfolgerung von Rochet lautet klar: „[…] the Leverage Ratio should be used as a complementary instrument and early warning indicator of potential problems building up within banks, rather than a basis for computing capital buffers under normal circumstances“. Und im spezifischen Zusammenhang mit „Too big to fail“ hält die Studie unmissverständlich fest: „Using the leverage ratio for managing the TBTF problem is completely inappropriate“.

Möglicherweise wird ein FINMA-Rundschreiben die Berechnung der Leverage Ratio regeln.

Möglichkeiten und Grenzen

Als Argument für eine Leverage Ratio wird häufig und zu recht auf deren Einfachheit hingewiesen. Die im Vergleich mit einer komplizierten Risikogewichtung einfache Ermittlung ist tatsächlich ein Vorteil der Leverage Ratio. Allerdings stehen ihm die beiden Nachteile gegenüber, dass eine Leverage Ratio per Definition nicht risikosensitiv und auch nicht robust gegenüber verschiedenen Rechnungslegungsstandards ist.

Die Leverage Ratio darf keine höheren Anforderungen stellen als die risikosensitiven Vorschriften.

Umsetzung in der Schweiz

Eine Nationale Arbeitsgruppe unter Federführung der FINMA beschäftigt sich mit der schweizerischen Umsetzung der Leverage Ratio. Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) ist mit einer Delegation bestehend aus Spezialisten aller Bankengruppen vertreten. Im Zeitplan sind ein weiteres Testreporting mit einer Stichprobe von Banken und eine Anhörung im Sommer 2014 vorgesehen. Mögliches Produkt ist ein neues FINMA-Rundschreiben, welches die Berechnung der Leverage Ratio im Einzelnen regelt.

Leitlinien

Die quantitative Festlegung der Anforderungen an die neue Leverage Ratio ist noch nicht Gegenstand der Arbeiten. Dennoch lassen sich bereits heute wichtige Eckwerte der Ausgestaltung ableiten: Beispielsweise ist von entscheidender Bedeutung, dass die Leverage Ratio derart kalibriert wird, dass sie im Normalfall nicht bindend ist, das heisst nicht höhere Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung stellt als die risikosensitiven Vorschriften. Vielmehr soll die Leverage Ratio als Sicherheitsnetz dienen und wettbewerbspolitisch verträglich ausgestaltet sein.