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Schub aus dem Finanzsektor
23. Oktober 2015

Schub aus dem Finanzsektor

Der Finanz- und insbesondere der Bankensektor sind eng verflochten mit anderen Branchen und deshalb zentral für die Entwicklung der Schweizer Volkswirtschaft. Warum man sich diese Beziehung wie ein Flugzeugtriebwerk vorstellen kann, zeigt Marc Alesch.

Finanzsektor ist nicht nur Selbstzweck

Ein Triebwerk verleiht dem Flugzeug Schub, damit es sich vorwärts bewegt und der Flügel Auftrieb erzeugt. Eine Bank gibt Kredite an Unternehmen aus, damit diese Aufwind für neue Projekte erhalten. Neben dem Schub für das Flugzeug liefert das Triebwerk aber auch Strom für die Bordinstrumente, verdichtete Luft zum Atmen in grossen Höhen oder Antrieb für das Hydrauliksystem. Neben der Kreditvergabe an Unternehmen erhöht eine Bank auch die Nachfrage nach Beratung, IT und Wirtschaftsprüfung, ebenso steigern die Einkommen der Bankangestellten in Form privater Konsumausgaben die Wertschöpfung in anderen Branchen der Schweizer Wirtschaft.

Ein Flugzeugtriebwerk ist also nicht blosser Selbstzweck zum Antrieb, sondern einige andere wichtige Systeme erhalten Impulse und Energie von ihm. Das Beispiel soll veranschaulichen, dass eine isolierte Sicht auf den Finanz- bzw. Bankensektor zu kurz kommt bei der Beurteilung dessen Wirtschaftsleistung (bspw. Steuern, Beschäftigung, Wertschöpfung). Vielmehr profitieren auch andere Branchen vom Finanz- und Bankensektor. Die soeben erschienene Studie „Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Schweizer Finanzsektors“ von BAKBasel liefert Zahlen und Fakten für den bildlichen Vergleich.

Steuerabgaben des Finanzsektors könnten Bundesausgaben für die soziale Wohlfahrt finanzieren

Der Finanzsektor beschäftigte 2014 knapp 218‘000 Vollzeitmitarbeiter, wovon rund 119‘000 bei Banken arbeiteten. Berücksichtigt man zusätzlich die Vollzeitarbeitsplätze in anderen Branchen, welche durch den Finanzsektor generiert werden, liegt die Beschäftigung mit 393‘000 (Banken: knapp 263‘000) fast doppelt so hoch.

Bei der Wertschöpfung und den Steuereinnahmen sind die Dimensionen ebenfalls beeindruckend. Der gesamte Wertschöpfungseffekt der Finanzbranche im Jahr 2014 betrug CHF 81.1 Mrd. Davon wurden CHF 20.0 Mrd. durch die Vorleistungsnachfrage und die Konsumnachfrage der Angestellten des Finanzsektors in anderen Branchen realisiert: das entspricht dem BIP des Kantons Basel-Landschaft.

Nicht weniger beachtlich sind die Zahlen der Steuerabgaben des Finanzsektors: der gesamte Steuereffekt 2014 belief sich auf CHF 19.1 Mrd., oder beinahe den gesamten Bundesausgaben für die soziale Wohlfahrt. Hiervon sind CHF 7.8 Mrd. auf die indirekte Besteuerung von Finanzdienstleistungen, grösstenteils der Banken, zurückzuführen, womit im Jahr 2014 die Bundesausgaben für die Landesverteidigung sowie die Landwirtschaft und Ernährung finanziert hätten werden können.

Finanzsektor erwirtschaftet jeden zehnten Franken

Trotz zweier Finanzkrisen im neuen Jahrtausend, der dotcom- sowie der Finanz- und Schuldenkrise, und deren Bremswirkung behält der Finanzsektor eine wichtige Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft und erwirtschaftete 2014 jeden zehnten Wertschöpfungsfranken. Wie die folgende Grafik zeigt, hat der Finanzsektor in der Schweiz im internationalen Vergleich einen überaus hohen Anteil an der Gesamtwertschöpfung und wird einzig durch Luxembourg übertroffen.


Grafik: Wertschöpfungswachstum im Finanzsektor im internationalen Vergleich

Damit der Schweizer Finanzplatz als Flugzeugtriebwerk weiterhin für Schub sorgen kann und die Schweiz keine harte Landung erfährt, muss ein nachhaltiges Wachstum gewährleistet sein. Für die Banken setzt dies insbesondere die richtigen Rahmenbedingungen im Inland voraus sowie den erleichterten Zugang zu ausländischen Märkten, wie Stefan Hoffman kürzlich in seinem Blog beschrieben hat.