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Open Banking in der Schweiz: Zwischen Hype und Realität
09. Juli 2020

Open Banking in der Schweiz: Zwischen Hype und Realität

In einer Lagebeurteilung zeigt die SBVg, wo der Finanzplatz Schweiz in Bezug auf Open Banking steht. Der bisherige marktbasierte Ansatz hat sich bewährt. Entscheidend ist, hinter dem Hype auch die strategische Dimension von Open Banking für den Finanzplatz rechtzeitig zu erkennen, schreibt Richard Hess von der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Der Kunde steht im Zentrum

Open Banking, das ist in erster Linie die Ambition, Finanzdienstleistungen für Kunden noch einfacher, schneller und verlässlicher zu machen. Hinter dem Konzept steckt die Vision, (Finanz-)Daten in einem Ökosystem aus verschiedenen Akteuren – Banken, Versicherungen, FinTech-Unternehmen u.v.m. – gegenseitig auszutauschen. Damit sollen beispielsweise Zahlungen in Echtzeit ausgeführt und auf dem Konto verbucht, das auf mehrere Bankkonten verteilte Vermögen in einem beliebigen e-Banking-Dashboard aggregiert oder auch die Hypothek mit den besten Konditionen für das Familienhaus direkt auf der Immobilienplattform verglichen und abgeschlossen werden können. Geschäftskunden wie KMUs können wiederum durch die Einbindung von Buchhaltungssoftware beispielsweise ihre Liquiditätsplanung verbessern. Im Zentrum stehen dabei stets die Kundinnen und Kunden sowie deren Daten, über die sie jederzeit verfügen können.

Auslegeordnung der SBVg stellt gemeinsame Diskussionsgrundlage sicher

Der Schweizer Finanzplatz steht hierbei mitten drin im kreativen Getümmel – zwischen Hype und produktiven Anwendungen rund um Open Banking. Übersicht ist gefragt: Um mehr Klarheit über die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen in Bezug auf die Umsetzung von Open Banking in der Schweiz zu erhalten, hat die SBVg zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus Bankenvertreterinnen und -vertretern eine Auslegeordnung erarbeitet. Die Auslegeordnung ist ein kleines, aber wichtiges Puzzleteil im Gesamtbild. Ganz im Sinne der marktgetriebenen Umsetzung von Open Banking in der Schweiz soll sie den Dialog am Finanzplatz unterstützen. Zu diesem Zweck wurde sie beispielsweise mit ausgesuchten Branchenexperten und den Behörden gespiegelt.

Ein Ziel – viele Wege

Die Vorteile von Open Banking liegen auf der Hand und erzeugen Einigkeit. Die Frage ist weniger das «Was» als vielmehr das «Wie». Und hier scheiden sich die Geister. Der Hype rund um Open Banking ist nicht zuletzt aufgrund der regulatorischen Vorgaben zum Datenaustausch in der EU und weiteren Finanzplätzen (z.B. Brasilien, Singapur und Hong Kong) befeuert worden. Es geht aber auch anders, wie die Schweiz zeigt.

Die Schweiz verfolgt einen marktwirtschaftlichen Ansatz

Die Schweiz beschreitet hier einen liberaleren Weg. Aktuell bestehen in der Schweiz keine spezifischen regulatorischen Anforderungen, die Banken zum Austausch von Bankdaten verpflichten würden. Grundsätzlich können Banken daher frei bestimmen, mit wem sie kooperieren und entsprechend Zugang zu ihren Schnittstellen gewähren möchten. Mit dem Einverständnis der Kunden, versteht sich. Dadurch wird sichergestellt, dass die Zusammenarbeit zwischen Bank und Drittanbietern auf marktwirtschaftlichen Überlegungen und konkreten Anwendungsfällen basiert.

Erste Lösungen werden realisiert

Es zeigt sich: der bisherige Ansatz hat sich bewährt. Die ersten Plattformen und Marktplätze, die innovative Lösungen basierend auf offen standardisierten oder eigenen APIs entwickeln, werden umgesetzt. Ein Beispiel hierfür ist die b.Link Plattform der SIX. Gleichzeitig arbeiten auch einzelne Banken an der Entwicklung von standardisierten APIs für spezifische Geschäftsbereiche. Illustrieren lässt sich dies stellvertretend am Beispiel der St. Galler Kantonalbank, die im Bereich Wealth Management ihre Depotbank-Services besser mit externen Vermögensverwaltern verbinden möchte. Aber beispielsweise auch die Hypothekarbank Lenzburg verfolgt ihren Weg.

Mehrere Initiativen arbeiten an einheitlichen Standards

Mit der zunehmenden Anzahl an unterschiedlichen Angeboten taucht immer wieder auch die Forderung nach einem einheitlichen API-Standard für den Schweizer Finanzplatz auf. Dies ist auch zu begrüssen. Denn grundsätzlich führt Heterogenität zu Komplexität und höheren Kosten. Entsprechend arbeiten Initiativen wie Common-API von SFTI und openbankingproject.ch daran, einheitliche und offene Standards für Bereiche wie Zahlungsverkehr, Kreditwesen und Vorsorge zu definieren und durchzusetzen. Die Interessen sind hierbei klar: Drittanbieter möchten möglichst einheitliche und offene Standards, um mit dem gleichen Stecker bei möglichst vielen Banken andocken zu können. Und dies ohne Adapter. Die Banken möchten wiederum den Aufwand bei der Anpassung ihrer bestehenden Systeme mit eigenen Schnittstellen optimieren.

Die Zeichen der Zeit erkennen

Ob die Vision Open Banking im gewünschten Umfang realisiert werden kann, wird sich zeigen. Nicht zuletzt werden die Kunden über die Entwicklung von Open Banking in der Schweiz bestimmen. Klar ist: Unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg der heutigen Initiativen und Plattformen werden BigTech-Unternehmen aus den USA und China die Kundenerwartungen weiter formen und nicht gedeckte Kundenbedürfnisse noch so gerne bedienen. Der Schweizer Finanzplatz ist daher gut beraten, sich mit den strategischen Dimensionen von Open Banking und Ökosystemen auseinanderzusetzen. Bevor es andere tun. Die Analyse der SBVg bietet dafür eine erste wichtige Grundlage.

Blogparade «Open Banking: Chancen und Herausforderungen für den Finanzplatz Schweiz»

Möchten Sie mitdiskutieren? Machen Sie mit bei der Blogparade der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg).

Die SBVg hat in ihrer «Auslegeordnung Open Banking» eine Einordnung des Themas für den Finanzplatz Schweiz erarbeitet. Im Zentrum stehen drei Punkte:

  • Rahmenbedingungen – Vertragsfreiheit und marktwirtschaftliche Lösungen
  • Strategie – Positionierung im Rahmen von Open Banking
  • Infrastruktur – Standardisierung von Programmierschnittstellen (APIs)

Mit diesem Blog laden wir alle Interessierten dazu ein, bis Ende September 2020 im Rahmen unserer Blogparade ihre Sicht zu Open Banking für den Finanzplatz Schweiz einzubringen. Im Zentrum steht die Frage, welche Aspekte der Auslegeordnung der SBVg für die einzelne Akteure besonders relevant sind und wo möglicherweise weitere Lücken bestehen, die in einem nächsten Schritt geschlossen werden sollten. Die einzelnen Blogs werden gesammelt und auf der Website der SBVg publiziert.

Teilnahmebedingungen:

  • HIER finden Sie das Briefing für die Teilnahme an der Blogparade Open Banking

Die Blogparade endet am 30.09.2020.

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Die SBVg behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen (ausser Französisch, Englisch und Italienisch). Kommentare mit Pseudonymen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht.

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