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Gunst der Stunde nutzen
2018/08/30 09:30:00 GMT+2

Gunst der Stunde nutzen

Noch nie standen die Banken seit der Finanzkrise besser da als jetzt. Von Ausruhen kann jedoch keine Rede sein. Die Konsolidierung geht weiter und die Banken sind mehr denn je gefordert, sich für die Zukunft zu rüsten.

Die neueste Ausgabe des Bankenbarometers 2018 liegt auf dem Tisch. Der Rückblick auf die Bankenlandschaft in der Schweiz der vergangenen Monate gibt ein optimistisches Bild ab. Trotz vielen Widrigkeiten im politischen und wirtschaftlichen Umfeld, allem voran den Unsicherheiten rund um den Brexit und die handelspolitischen Spannungen, legen die Banken ein solides Ergebnis vor. Im guten Börsenjahr 2017 wuchs das Handelsgeschäft um 25,4 % kräftig. Das spiegelt sich im Bruttogewinn wider, der auf CHF 18,5 Mrd. anstieg und im Vergleich zum vergangenen Jahr um 11,9 % zunahm. Die Banken zahlten CHF 2,2 Mrd. Steuern und erzielten insgesamt einen Jahresgewinn von nahezu CHF 10 Mrd., der sich gegenüber 2016 um 24 % steigerte.

Vermögen auf Höchststand seit der Finanzkrise

Erfreulich sind auch die Zahlen aus dem Vermögensverwaltungsgeschäft. Hier erreichte die Summe eine Rekordhöhe seit der Finanzkrise. Ende 2017 verwalteten die Banken in der Schweiz knapp CHF 7'300 Mrd. Kundengelder, davon ca. ein Drittel im grenzüberschreitenden Private Banking. In diesem Geschäft werden die Banken mittelfristig die unangefochtene Nummer 1 in der Welt bleiben. Ganz besonders kräftig wuchsen die institutionell verwalteten Vermögen mit 13 %.

Alles nur eitel Sonnenschein?

Keineswegs. Erstens geht die Konsolidierung weiter: die Anzahl Banken ging im Jahr 2017 nochmals um acht Institute zurück - ein Trend, der schon über mehrere Jahre anhält. Diesmal traf es ausschliesslich die Auslandbanken, darunter vor allem kleine Institute. Bei ihnen lasten die hohen Kosten der Regulierung besonders schwer, Skaleneffekte sind nur schwer zu erzielen, und die Margen im Private Banking schrumpfen weiter. Zweitens werden die Unsicherheiten in den kommenden Jahren nicht abnehmen. Niemand kann heute beispielsweise sagen, welche Auswirkungen die Brexit-Verhandlungen auf den Schweizer Finanzplatz haben werden. Die grösste Herausforderung aus meiner Sicht bleibt das anhaltende Niedrigzinsumfeld, das die Banken je länger je mehr trifft.

Talsohle durchschritten

Die Banken haben in den letzten zehn Jahren bewiesen, dass sie in der Lage sind, einem rauen Umfeld zu trotzen. Die Talsohle ist durchschritten. Auch die Banken selbst schätzen die Lage als optimistisch ein. Bei der alljährlich von der Bankiervereinigung durchgeführten Befragung zur Beschäftigungslage war der Anteil der befragten Banken, die von einer Verbesserung der Beschäftigungslage ausgehen, noch nie so hoch seit 2010. Eine Verbesserung wird vor allem im Private Banking erwartet.

Mut zu Innovation und Transformation

Mit globalem Wachstum, reger Investitionstätigkeit und guter Konsumentenstimmung in der Schweiz spielt bis jetzt die Konjunktur mit. Doch es gibt Indikatoren, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz und damit die der Finanzinstitute langfristig unter Druck gerät. In der Vermögensverwaltung konkurrieren asiatische Finanzplätze mit höheren Wachstumsraten als in der Schweiz. Neue Anbieter, ob Technologieunternehmen, Versicherungen oder andere Plattformen drängen in den Markt und verschärfen den Wettbewerb. Die Banken müssen nun aus der Position der Stärke die Gunst der Stunde nutzen, das heisst, Mut zu Innovation und Transformation beweisen. Denn Kostendisziplin, digitale Fitness und internationale Ausrichtung werden den Unterschied ausmachen. Ich bin überzeugt, die Chancen dafür stehen gut. 

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