Navigation

Message

«Wandel aktiv gestalten – Zukunftsperspektiven für den Schweizer Bankenplatz»

Basel, 30. Oktober 2014 In einer gemeinsamen Studie untersuchen die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) und The Boston Consulting Group (BCG) den Schweizer Bankenplatz. Nach einer Phase der Stabilisierung wird ein positiver Wachstumsausblick bei jedoch grossen Herausforderungen und Risiken skizziert. Die Bankenregulierung ist dabei weiterhin ein Kernthema, wobei vor allem der internationale Marktzugang, Kosteneffekte sowie die nationale Handhabung und Ausgestaltung von Regulierungen für die Schweiz eine zentrale Rolle spielen. Die Studie identifiziert in allen Geschäftsbereichen der Banken in der Schweiz Wachstumspotenziale. Besonders das Private Banking – wo der Schweizer Bankenplatz seine führende Stellung weiterhin verteidigt – weist signifikantes Potenzial auf.
Die Studie «Wandel aktiv gestalten – Zukunftsperspektiven für den Schweizer Bankenplatz» ist eine Aktualisierung der Studie «Banking im Wandel – Zukunftsperspektiven für Banken in der Schweiz» von 2011. Sie untersucht die Entwicklungen, Herausforderungen, Handlungsfelder und Wachstumsmöglichkeiten von Banken im Private Banking, Privatkundengeschäft, Firmenkundengeschäft, Asset Management und Investment Banking.

Stabiler Bankensektor

Der Schweizer Bankensektor entwickelt sich bruttoertragsseitig seit 2010 stabil.
  • Geringes Wachstum von durchschnittlich 1,1 Prozent pro Jahr von 2010 bis 2013 auf CHF 54,4 Milliarden, hauptsächlich geprägt von einem trotz positiven Entwicklungen an den Kapitalmärkten nur gering wachsendem Private Banking.
    - Margenrückgänge grösstenteils durch Volumenanstiege kompensiert, wobei vor allem das Privat- und Firmenkundengeschäft von grösseren Volumina profitierten
    - Schwächere Ertragsentwicklung bei westeuropäischen Private Banking-Kunden aufgrund von steuerlicher Regularisierung und Abflüssen hauptsächlich im Affluent-Segment
    - Schwellenländer mit grösstem Wachstumsbeitrag im Private Banking
  • Historisch starkes Privat Banking mit Abstand wichtigste Säule des Bankensektors mit fast 50 Prozent der Erträge der Banken in der Schweiz (2013) und Schweiz weiterhin als grösstes globales Offshore-Zentrum.
  • Unsicherheiten in Bezug auf Regulierungen durch einen stabileren internationalen Standardrahmen geringer als noch 2010, wenn auch noch immer akzentuiert.

Positiver Ausblick in einem herausforderungsreichen Umfeld


Solides Wachstum bis 2018, bei signifikanten Herausforderungen
  • Prognostiziertes Wachstum der Bruttoerträge mit 2,5 Prozent pro Jahr bis 2018 höher als in den letzten drei Jahren, getrieben von einem erstarktem Private Banking und weiterhin solidem Privat- und Firmenkundengeschäft.
    - Weiterhin sehr angespannte Margensituation bei konstanter Volumenausweitung
    - Anhaltende Abflüsse im Affluent-Segment im Private Banking, jedoch stärker zu erwartende Zuflüsse im HNWI- und UHNWI-Bereich
    - Schwellenländer weiterhin mit grösstem Wachstumsbeitrag im Private Banking
  • Schweiz bis 2018 weiter grösstes Offshore-Zentrum für Private Banking, aber mit kleineren Wachstumsraten als Mitbewerber.
  • Regulierungen, insbesondere der internationale Marktzugang, sowie innenpolitische Entwicklungen stellen Herausforderungen und Risikofaktoren dar.
    - Internationaler Marktzugang als grosser Unsicherheitsfaktor für den gesamten Bankenplatz
    - Weitestgehender Angleich internationaler Standards mit Implikationen auf Leistungsangebot, Kundenverhalten und Alleinstellungsmerkmale der Schweiz
    - Erhöhter Kostendruck durch neue Regulierungen, hauptsächlich bei kleineren Banken, führt mit grosser Wahrscheinlichkeit zu weiteren Konsolidierungen
    - Differenzierung im Standortwettbewerb verstärkt über nationale Ausgestaltung und Handhabung von Regulierungen
  • Investment-Management-Kapazitäten nehmen an Bedeutung zu, genauso wie Innovationsfähigkeit und die Fähigkeit, auf herausfordernde regulatorische und ökonomische Realitäten mit adäquaten Geschäftsmodellen zu reagieren.
  • Substantielle Zusatzopportunitäten sind in allen Geschäftsfeldern vorhanden, mit höchstem absolutem Potenzial im Private Banking (CHF 2,0 Milliarden in 2018) und höchstem relativen Potential im Asset Management (CHF 0,4 Milliarden in 2018).

Imperative für die Akteure des Schweizer Bankenplatzes

Vor dem Hintergrund der regulatorischen und ökonomischen Herausforderungen lassen sich folgende Handlungsempfehlungen ableiten:
  • Der Zugang zu internationalen Märkten ist sicherzustellen, um Wachstum zu generieren und bestehende Geschäfte weiterhin profitabel zu ermöglichen.
  • Der Schweizer Bankenplatz ist durch umsichtiges innenpolitisches Handeln zu unterstützen, um die notwendigen Rahmenbedingungen für profitables Wachstum zu schaffen.
  • In Zukunft werden die Alleinstellungsmerkmale starke Währung sowie politische und ökonomische Stabilität für die Schweiz relativ an Bedeutung gewinnen, wodurch diesen durch eine entsprechende Wirtschafts- und Finanzpolitik verstärkt Rechnung getragen werden muss.
  • Die Komplexität und damit verbundene Kostensteigerungen durch neue Regulierungen treffen kleinere Institute in stärkerem Masse, was das Prüfen von differenzierenden Regelungen sinnvoll erscheinen lässt.
  • Im Wettbewerb mit anderen Banken- und Finanzplätzen ist die Schweiz aktiv zu vermarkten und geeignete Datengrundlagen sind zu schaffen, welche eine adäquate Steuerung von Initiativen und Massnahmen erlauben.
  • Übernahmen von Regulierungen müssen differenziert begutachtet und pragmatisch umgesetzt werden, um unnötige Einschränkungen und Wettbewerbsnachteile für die Marktteilnehmer zu vermeiden.
  • Die Banken in der Schweiz sind aufgefordert, ihre Geschäftsmodelle konsequent zu hinterfragen und an die skizzierten Herausforderungen anzupassen.
  • Wachstumsmöglichkeiten sind durch die Banken gezielt zu prüfen und umzusetzen, um unter schwierigen Marktbedingungen profitables Wachstum zu erzielen.

Weitere Informationen zum Thema: