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Steuerabkommen sind wichtig für die Zukunft - Zuversicht trotz schwierigem Umfeld

Basel, 2012/09/04 12:25:00 GMT+2 Die aktuelle Situation der Banken ist zwar geprägt von sinkenden Margen, einer Flut von Regulierungsvorhaben und anhaltendem Druck aus dem Ausland, dennoch kann die Schweiz ein führender Finanzplatz bleiben. Dies setzt voraus, dass Banken, Politik und Regulierungsbehörden gemeinsam für dieses Ziel arbeiten. Die Banken zielen auch auf die Erschliessung neuer Geschäftsfelder.
Anlässlich der jährlich vor dem Bankiertag stattfindenden Medienkonferenz beleuchtete Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), die zahlreichen Herausforderungen, denen sich die Banken in der Schweiz vor allem im internationalen Umfeld aktuell stellen müssen. Insbesondere hob Odier hervor, dass sich die SBVg und mit ihr alle Banken in der Schweiz nachdrücklich zu den Steuerabkommen mit Deutschland, Grossbritannien und Österreich bekennen. Die Abkommen bieten allen Beteiligten mehr Vor- als Nachteile und sind daher fair und ausgewogen. Odier erteilte Nachverhandlungen mit Deutschland eine deutliche Absage. Die Abkommen seien, so Odier, eine historische Chance und essentiell für die so genannte Weissgeldstrategie. Auch im Steuerstreit mit den USA müsse eine Lösung gefunden werden, betonte Patrick Odier. Die Schweiz sei den USA in den letzten Monaten in Fragen der Amtshilfe erheblich entgegengekommen. Nun sei es an den USA zu zeigen, dass sie an einer einvernehmlichen Verhandlungslösung interessiert sind. Patrick Odier bedauerte, dass Mitarbeitenden-Daten an die USA haben geliefert werden müssen: „In einer so schweren Situation liegt es in der unbedingten Verantwortung der betroffenen Banken, ihren Mitarbeitenden die nötige Unterstützung zukommen zu lassen.“ Positiv wertete Odier die Verhandlungen, die zwischen der Schweiz und den USA zu einer erleichterten Umsetzung von FATCA laufen. Die Schweiz erreiche dadurch ein Modell, das besser zu ihrem Rechtssystem passt.

"Konstruktiver Dialog und tragfähige Lösungen"

Nicht selten werden diese internationalen Herausforderungen genutzt, um nach mehr Regulierung zu rufen und Banken pauschal zu verurteilen – auch um politische Positionen zu untermauern. Dies gefährdet eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit der Banken, die für die Schweiz ein wichtiger Wachstumsmotor sind. Patrick Odier rief zu einem Schulterschluss zwischen Finanzplatz, Politik und Behörden auf und fügte hinzu: „Wir wollen einen konstruktiven Dialog, mit dem tragfähige Lösungen gefunden werden können.“ Darüber hinaus erläuterte der Präsident der SBVg drei Bereiche, die für den Bankenplatz Schweiz strategische Bedeutung haben. So solle die Schweiz zu einem zentralen Player im weltweiten Markt für Asset Management werden, weiterhin arbeite man darauf hin, zu einer Handelsplattform für die chinesische Währung Renminbi zu werden, und drittens wird der Bereich Ausbildung für die zukünftige Entwicklung ein Schlüsselfaktor sein.

Gute Gewinnsituation in einem herausfordernden Umfeld

Die aktuellen Zahlen zum Finanzplatz präsentierte Claude-Alain Margelisch, CEO der SBVg. Der aggregierte Geschäftserfolg ging um 3,8 Prozent auf 59,1 Mrd. Franken zurück, doch dank Massnahmen zur Kostensenkung wurden in einem äusserst anspruchsvollen internationalen Umfeld mit CHF 13 Mrd. Gewinne nahezu auf Vorjahreshöhe erzielt. Die Assets under Management sind 2011 insgesamt auf CHF 5’269 Mrd. zurückgegangen (2010: CHF 5‘473 Mrd.), wobei der Grund dafür unter anderem in einer tieferen Bewertung der Wertschriftenbestände liegt. Der Anteil ausländischer Vermögen beträgt dabei unverändert etwas mehr als 50 Prozent der gesamten verwalteten Vermögen. Es konnte also keine nennenswerte Verschiebung von ausländischen Kundengeldern in andere Länder festgestellt werden.

Beschäftigungsentwicklung

Bei der Beschäftigungssituation zeigte sich, dass 2011 zum zweiten Jahr in Folge leicht mehr Beschäftigte angestellt wurden. Für das zweite Halbjahr 2012 rechnen die Banken jedoch mit einer leicht sinkenden Beschäftigung. Der Personalbestand im Inland stieg um 0,1 Prozent auf 108‘100 Mitarbeitende. Gemäss einer kürzlich publizierten Studie werden aufgrund der Nachfrage von Vorleistungen pro 100 Arbeitsplätze bei den Banken 115 Arbeitsplätze in anderen Sektoren geschaffen. Claude-Alain Margelisch wies auf die Folgen hin, wenn Banken Stellen abbauen müssen: „Ohne einen starken Bankenplatz gehen auch in anderen Sektoren Arbeitsplätze verloren. Verhindert werden kann dies, wenn die Schweiz optimale Rahmenbedingungen für ihre Banken schafft.“ Die Studie prognostiziert, dass der Finanzsektor bis 2020 im Schritt mit der Gesamtwirtschaft wachsen wird. Sein Anteil an der Gesamtwirtschaft wird dann voraussichtlich 11,5 Prozent betragen. Claude-Alain Margelisch kommentierte: „Obwohl wir uns aktuell in einer Umbruchphase befinden, wird der Finanzplatz in Zukunft genauso stark sein wie heute. Seine Bedeutung bleibt für die Schweiz ungebrochen hoch.“