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Bankiertag 2019 - Mit Weitblick vernetzen

Basel, 12. September 2019 Der diesjährige Bankiertag steht unter dem Motto «Mit Weitblick vernetzen». Für die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) ist weitsichtiges Vernetzen essenziell für den Erfolg der Schweiz als offene Volkswirtschaft, für den Erfolg des Finanzplatzes als Exportindustrie und für die Bankiervereinigung als zentraler Ansprechpartner der Politik und Behörden. Ein strategisches Netzwerk stärkt die Handlungsfähigkeit. Sich mit Weitblick zu vernetzen ist ein klares Bekenntnis dazu, Aufgaben gemeinsam zu lösen. Dafür steht die SBVg ein.

Mit Weitblick vernetzen heisst gemeinsam Lösungen finden

Für Herbert J. Scheidt, Präsident der SBVg, ist klar: «Wir wollen in einem gemeinsamen Dialog mit den Behörden und mit der Politik überzeugende Lösungen finden und damit die Zukunft unseres Finanzplatzes gestalten.» Die Bankiervereinigung hat ihre Arbeit auch im vergangenen Jahr nach diesem Grundsatz ausgerichtet, und dies mit Erfolg: In einem intensiven Dialog mit den Behörden hat die SBVg gezielte Massnahmen zur weiteren Stabilisierung des Immobilienmarktes ergriffen. Die angepasste Selbstregulierung im Bereich der Wohnrenditeliegenschaften ist ein wirksamer Beitrag für einen weiterhin stabilen Finanzplatz. Auch bei der Ausarbeitung des Cloud-Leitfadens hat die Bankiervereinigung die relevanten Akteure der Branche und Behörden an einen Tisch gebracht. Mit ihrem Leitfaden liefert die SBVg konkrete Handlungsempfehlungen, damit sich die Branche entwickeln und neue Technologien gewinnbringend einsetzen kann.

Finanzmarktstabilität sichern und breiter fassen

Die Schweiz ist auch in Zeiten des globalen Wandels und der Unsicherheit ein «Hort der Stabilität». Diesen gilt es zu sichern und in Anbetracht der globalen Entwicklungen noch stärker zu schützen und auszubauen. Es gilt den Blick dafür zu schärfen, was heute und in Zukunft einen sicheren und stabilen Finanzplatz ausmacht und welchen Beitrag welcher Akteur dazu leisten soll. Herbert J. Scheidt sagt dazu: «Wir möchten auch die Frage in den Raum stellen, in welcher Form das Stabilitätsverständnis der Behörden und der Öffentlichkeit sowie die Ausübung des Stabilitätsmandats der Nationalbank angepasst werden müssen. Die Banken haben seit der Finanzkrise ihre Liquiditäts- und Kapitalausstattung massiv verstärkt und damit ihren Beitrag zu Sicherheit und Stabilität geleistet. Allerdings sind neue systemische Risiken entstanden, sodass eine reine Begrenzung auf Banken nicht mehr zeitgemäss ist.»

Erforderlich sind umfassende Abwehrdispositive zum Schutz vor Cyberrisiken. Die Bedrohung durch die Cyberkriminalität geht weit über die Grenzen der einzelnen Banken hinaus. Cyberangriffe erfolgen unerwartet, lösen Netzwerkeffekte aus und haben damit potenziell systemische Wirkung. Die Branche hat die Bedeutung erkannt und zahlreiche Massnahmen in die Wege geleitet. Ein umfassendes Abwehrdispositiv erfordert zugleich neue Wege in der Zusammenarbeit von Banken und Behörden. Dazu gehört auch, dass die Nationalbank Cyberkriminalität als Teil ihres Stabilitätsmandates betrachtet.

Neue finanzkräftige Akteure im Bankenumfeld dürfen die Stabilität des Finanzplatzes nicht gefährden. Die Digitalisierung eröffnet eine Vielzahl von Opportunitäten für die Banken. Den Fokus gilt es auch auf die Risiken zu legen, welche durch neue und finanzkräftige Akteure mit neuen digitalen Geschäftsmodellen unter Verwendung neuer Technologien entstehen können. Ein zukunftsweisendes Stabilitätsmandat muss die Beurteilung solcher Akteure miteinschliessen.

Das andauernde Negativzinsregime benachteiligt die Schweizer Banken im internationalen Wettbewerb. Die Schweizer Banken zahlen jährlich über CHF 2 Mrd. Negativzinsen. Dies entspricht rund 5 Prozent ihrer Bruttozinserträge und führt zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil im internationalen Vergleich. Die Banken in der Euro-Zone und in den USA werden hingegen subventioniert oder erhalten Zinserträge für ihre Einlagen bei der Nationalbank. Allein in den USA erhalten die Banken in diesem Jahr durch die FED schätzungsweise USD 30 Mrd. an risikofreiem Zinsertrag. 

Die Negativzinsen bewirken massive strukturelle Schäden für die Schweizer Volkswirtschaft und Nachteile für die Bürgerinnen und Bürger. Sie führen zur Blasenbildung und schädigen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, weil sie unrentable Unternehmen künstlich am Leben halten. Zudem gefährden Negativzinsen die Altersvorsorge der Bürgerinnen und Bürger. Eine erneute Zinssenkung würde diese Problematik weiter verschärfen. Je länger die Negativzinsen andauern und je höher der strukturelle Schaden für die Schweiz ist, desto dringlicher wird die Frage, ab wann bei den Negativzinsen Gegensteuer gegeben werden muss.

Schweiz als Hub für Sustainable Finance

Nachhaltige Investitionen sind im vergangenen Jahr um 83 Prozent auf den neuen Höchststand von CHF 717 Mrd. angewachsen (Marktstudie von Swiss Sustainable Finance). Der Anteil an nachhaltigen Anlagen liegt in der Schweiz klar über dem internationalen Schnitt. Jörg Gasser, CEO der SBVg, kommentiert: «Wir wollen die Schweiz als führenden Hub für Sustainable Finance positionieren. Die Schweiz hat enormes Potential und Expertise in diesem Bereich. Wir müssen attraktive Rahmenbedingungen schaffen, damit der Finanzplatz und die Schweiz dieses Potential nutzen können.»

Um nachhaltige Anlagen weiter zu fördern, braucht es die richtigen Anreize und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Anlagerestriktionen in der beruflichen Vorsorge sowie steuerliche Hürden sollen beseitigt werden. Im Zentrum stehen die Abschaffung der Stempelsteuer und die Reform der Verrechnungssteuer. Zudem brauchen die Banken für den Export ihrer Dienstleistungen und Expertise einen verbesserten Marktzugang.

Die Banken können einen wichtigen Beitrag leisten, indem die Nachhaltigkeit konsequent in den Beratungsprozess einfliesst. «Die Bankiervereinigung ist hier aktiv. Wir planen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres entsprechende Leitlinien für unsere Mitglieder», sagt Jörg Gasser.

Wahl des Verwaltungsrats

An der diesjährigen Generalversammlung wird der Verwaltungsrat im Rahmen der Wahlen für die Amtsperiode 2019 bis 2022 neu gewählt. Neben der Bestätigung der bisherigen Mitglieder des Verwaltungsrates werden drei neue Mitglieder zur Wahl vorgeschlagen: Alexander Classen, CEO und Country Manager Switzerland, HSBC Private Bank (Suisse) SA, Genève, Guy Lachappelle, Präsident des Verwaltungsrates, Raiffeisen Schweiz Genossenschaft, St. Gallen, und Philipp Rickenbacher, Chief Executive Officer and Member of the Executive Boards, Julius Baer Group Ltd. und Bank Julius Baer & Co. Ltd., Zurich.

Schweizerischer Bankiertag

Der Bankiertag ist die jährliche Generalversammlung der SBVg und bildet einen der Höhepunkte im Schweizer Bankenjahr. Nebst der Präsidialrede von Herbert J. Scheidt, Präsident der SBVg wird Bundesrat Alain Berset, Vorsteher des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) die Grussbotschaft des Bundesrats überbringen. Der PolitStratege Parag Khanna spricht über die geopolitische Bedeutung der Infrastruktur im 21. Jahrhundert. Staatssekretärin Daniela Stoffel (SIF), Annika Falkengren (Lombard Odier), Professor Jan-Egbert Sturm (KOF / ETH), Botschafter Martin Dahinden (EDA) und Jörg Gasser (SBVg) diskutieren über die Bedeutung der weltweiten Vernetzung für das Schweizer Banking. Miriam Meckel stellt die Frage, ob das Gehirn die nächste Eroberungszone der vernetzten Zukunft werden wird. Am Bankiertag werden die Banklehr-Absolventinnen und -Absolventen 2019 mit den besten Abschlüssen ausgezeichnet. Der Bankiertag steht im Zeichen des Austausches zwischen Persönlichkeiten aus der Welt der Banken, der Politik und der Wirtschaft. Es werden rund 500 geladene Gäste erwartet.