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Bankenbarometer 2014: Banken in der Schweiz steigern trotz Herausforderungen ihren Geschäftserfolg

Basel, 2014/09/04 13:00:00 GMT+2 Das jährlich erscheinende Bankenbarometer der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) zeigt, dass die Banken in der Schweiz – trotz anhaltendem Konsolidierungsdruck und schwierigem internationalem und nationalem Marktumfeld – eine ungebrochen wichtige Rolle für die Schweizer Volkswirtschaft spielen. Die Banken in der Schweiz konnten 2013 ihren Geschäftserfolg auf CHF 60.8 Mrd. und die verwalteten Vermögen um CHF 340 Mrd. steigern. Die Bilanzsumme, und somit die Risiken, konnten weiter abgebaut werden, zieht man die erstmals berücksichtigte PostFinance ab. Neue Regulierungen, unter anderem der automatische Informationsaustausch in Steuersachen mit dem Ausland, und sinkende Margen führen zu einem Strukturwandel – mit entsprechenden Risiken und Chancen. Nach einem schwierigen Jahr 2013 rechnen die Banken für das Jahr 2014 mit einer leicht steigenden Beschäftigungstendenz.
Der Schweizer Bankensektor trägt wesentlich zum Erfolg des Schweizer Finanzplatzes und zum Wohlstand der Schweiz bei. Er erbringt rund 6 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung. Weitere Kennzahlen für die Banken in der Schweiz im Geschäftsjahr 2013 sind:
  • Die verwalteten Vermögen nahmen auch 2013 zu. Insgesamt verwalteten die Banken in der Schweiz per Ende 2013 Vermögen in der Höhe von CHF 6‘136 Mrd. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Zunahme von CHF 340 Mrd. Der Anstieg resultiert aus Zuflüssen aus den Emerging Markets – schwergewichtig aus Lateinamerika und Osteuropa – sowie einer positiven Kapitalmarktentwicklung. Die Vermögen aus Westeuropa hingegen gingen zurück. Dafür dürften die Regularisierung von Altvermögen und die damit verbundene Steuerbegleichung verantwortlich sein. Für die Zukunft ist mit weiteren Abflüssen westeuropäischer Kundengelder zu rechnen. Gleichzeitig dürften die Vermögen aus den Emerging Markets ihren Aufwärtstrend fortführen.
  • Der Anteil an ausländischen verwalteten Vermögen liegt ungebrochen bei knapp über 50 Prozent. Der Schweizer Bankensektor konnte seine Stellung im weltweiten grenzüberschreitenden Private Banking verteidigen und bleibt mit einem Anteil von 26 Prozent Weltmarktführer. Prognosen gehen davon aus, dass die Schweiz mittelfristig die globale Nummer eins bleibt.
  • Die Bilanzsumme der Banken stieg um 2,6 Prozent, bedingt durch den erstmaligen Einbezug der PostFinance. Ohne PostFinance wäre die Bilanzsumme 2013 um 1,7 Prozent gesunken. Dies geschah mehrheitlich durch den Ausstieg aus Nicht-Kerngeschäften, bedingt durch die Eigenmittelauflagen von Basel III und die (risikoungewichtete) Leverage Ratio. Der strategische Abbau von risikogewichteten Aktiva und der gesamten Bilanzsumme dürfte sich 2014 weiter fortsetzen.
  • Der aggregierte Geschäftserfolg stieg, nach einer Stagnation im 2011 und 2012, im 2013 um 3,1 Prozent auf CHF 60,8 Mrd. Dies ist auf eine Zunahme des Zinserfolgs sowie auf gestiegene Erträge im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft zurückzuführen. Die Banken in der Schweiz lieferten 2013 rund 25 Prozent höhere Gewinnsteuern als im Vorjahr ab, nämlich CHF 1,93 Mrd.
  • Für das laufende Jahr wird von einem anhaltend tiefen Zinsniveau ausgegangen. Gleichzeitig werden tiefbleibende Margen und erhöhte Kosten aufgrund von verschärften Regulierungen erwartet, was die Gewinne der Banken für das Jahr 2014 senken dürfte.
  • Die Kreditvergabe von Banken in der Schweiz war auch 2013 problemlos. Das inländische Kreditvolumen betrug CHF 1‘045,4 Mrd. Dies entspricht einer Zunahme von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Davon stammten CHF 869,8 Mrd. aus inländischen Hypothekarforderungen. Dies sind 4,2 Prozent mehr als 2012. Die Zunahme ist damit weniger hoch als in den beiden Jahren davor, was insbesondere auf die Anpassungen der Selbstregulierung der Banken im Bereich der Mindestanforderungen bei Hypothekarfinanzierungen zurückzuführen sein dürfte. Diese traten am 1. Juli 2012 und am 1. September 2014 in Kraft. Auch die Schweizer Wirtschaft hat ohne Unterbruch vom Zugang zu Krediten profitiert.
  • Der Personalbestand der Banken in der Schweiz hat sich 2013 um 579 Stellen erhöht. Diese Erhöhung ist auf den erstmaligen Einbezug der PostFinance zurückzuführen. Ohne diesen Effekt hätte sich der Personalbestand um 2‘840 Stellen reduziert. Die Arbeitslosenquote im Schweizer Bankensektor lag mit durchschnittlich 2,7 Prozent einen halben Prozentpunkt unter den Zahlen für die Gesamtwirtschaft (3,2%). Für das zweite Halbjahr 2014 gehen die Banken von einer leicht positiven Beschäftigungstendenz aus.

Herausforderungen und Strukturwandel

Das Jahr 2013 stellte die Banken in der Schweiz vor zahlreiche Herausforderungen. Juristische Entwicklungen im internationalen Steuerbereich und Entwicklungen bei den nationalen und europäischen Regulierungen prägten die Geschäftstätigkeiten und schlugen sich auf der Kostenseite und bei den Margen nieder. Nebst der Verschärfung von Regulierungen – einhergehend mit höheren Kosten bei gleichbleibenden oder sinkenden Renditen – forderten die durchzogene globale konjunkturelle Entwicklung sowie die nach wie vor ungelösten fiskalischen Probleme der Eurozone die Banken in der Schweiz.

Die aktuellen Entwicklungen dürften zu Konsolidierungen in der Bankenbranche und zu einem Strukturwandel führen. Während Ende 2013 in der Schweiz 283 Bankinstitute tätig waren, waren es im Vorjahr noch 14 Institute mehr. 2013 gab es acht Übernahmen, eine Fusion, fünf Entlassungen aus dem Bankenstatus sowie eine Schliessung einer ausländischen Bankfiliale. Dem stand nur die Neuaufnahme der PostFinance gegenüber. Dieser Konsolidierungstrend setzte sich auch im ersten Halbjahr 2014 fort, insbesondere bei den Auslandsbanken. Es bleibt zu erwarten, dass der Schweizer Bankensektor in den nächsten Jahren weiter schrumpft.

EU-Bankenunion: nicht ohne Auswirkungen auf Schweizer Finanzplatz

Die Europäische Union (EU) plant aktuell die Einführung des grössten Projekts seit Einführung des Euro: die EU-Bankenunion. Sie soll das europäische Bankensystem vereinheitlichen und stabilisieren. Obwohl die Schweiz kein EU-Mitglied ist, hat das Projekt dennoch Auswirkungen auf den Schweizer Finanzplatz. Denn als international tätiger Finanzplatz hat die Schweiz rege Beziehungen in die EU. Der Schweizer Finanzplatz profitiert grundsätzlich von einem einheitlich regulierten europäischen Bankensektor.

Studie Bankenbarometer der SBVg

Jährlich publiziert die SBVg ihr Bankenbarometer. Dieses stützt sich einerseits auf Zahlen, insbesondere der Schweizerischen Nationalbank, aber auch auf Erkenntnisse aus Umfragen unter den Mitgliedsinstituten. Die Ergebnisse der Studie sind heute an einer Medienkonferenz vorgestellt worden.