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Blog
Erstellt am 01.09.2014 von Markus Staub, Leiter Bankenpolitik/ Bankenregulierung
Was hat ein australischer Vielfress-Wettbewerb mit der schweizerischen Bankenregulierung zu tun? Bei genauer Betrachtung gar nicht so wenig.

Challenges sind sehr in Mode: Challenge hier, Challenge dort. Im Moment macht gerade der „Ice Bucket Challenge“ Furore. In unseren Sommerferien in Australien ist mir jedoch ein anderes eindrückliches Exempel begegnet, der „18 Inch Pizza Challenge“: Ein Plakat macht anreiztheoretisch reizvolle Werbung für ein Restaurant. Eine gigalomanische Mega-Pizza von über 2 kg Gesamtgewicht ist gratis, wenn der Gast sie ganz verspeisen kann. „If you can tame the monster in 1 hour, it’s free!“

Ein Kritiker des Monetarismus soll einmal einen berühmten Monetaristen mit dem Vorwurf provoziert haben, dass diesen offenbar alles und jedes an die Geldmenge erinnere. Ihn, den Kritiker, erinnere demgegenüber alles an Sex, nur versuche er, sich das in seinen wissenschaftlichen Publikationen nicht anmerken zu lasen. Nun, I can’t help, aber meine déformation professionelle führt mittlerweile dazu, dass mich zumindest vieles an Bankenregulierung erinnert.

Auffällig ist zunächst, dass als Belohnung für die Völlerei nicht nur der Preis der Pizza entfällt (das gesparte Geld kann man nötigenfalls in Medikamente gegen Magenverstimmung investieren) und ein „Free T-Shirt“ als Zusatzgewinn winkt (wahrscheinlich steht „Pizza Monster“ darauf), sondern dass man gemäss Plakat als siegreicher Gourmand „Bragging Rights“ erhält, sich also öffentlich mit dem Verzehr einer (kostenlosen) Riesenpizza brüsten kann. Not so bad. Immerhin illustriert diese mehrschichtige Konstruktion der Belohnung die Relevanz von Reputationseffekten.

Vor allem aber habe ich mich gefragt, warum die kritische Pizzagrösse ausgerechnet bei 2 kg festgesetzt worden ist (bzw. welche Art von empirischer Evidenz hinter dem gewählten Anreizschema steckt). Damit der Mechanismus funktioniert, muss die Limite sorgfältig gewählt werden. Ist sie nämlich zu tief, so verschenkt das Restaurant Pizzas am Laufmeter. Und zusätzlich degeneriert der Reputationseffekt: „Hey, ich habe gerade eine 100 g Pizza essen können“, ist nicht besonders beeindruckend. Falls die Limite umgekehrt jedoch zu ambitiös angesetzt ist, so wirkt sie abschreckend. Auch besonders Hungrige und notorische Selbstüberschätzer werden sich nicht an eine 10 kg Pizza heranwagen.

Was lernen wir also aus dem Beispiel für die Bankenregulierung? Vor allem dies: Regulatorische Limiten müssen sorgfältig ausbalanciert sein. Sind die Anforderungen zu gering, so funktioniert die Reputation nicht. Auch der Finanzplatz hat deshalb durchaus Interesse an strikten und glaubwürdigen Anforderungen. Aber die Anforderungen dürfen nicht unverhältnismässig hoch bzw. abschreckend sein, sonst droht der Verzicht auf die Teilnahme am entsprechenden Wettbewerb. Die in nächster Zeit bevorstehende Kalibrierung der Leverage Ratio ist ein hübsches Beispiel. Überhaupt dürfte die sorgfältige (und anreiztheoretisch fundierte) Festsetzung regulatorischer Hürden und Grenzwerte in Zukunft noch bedeutender werden.

Und nein: Es geht mir in diesem Blog nicht um verkappte Botschaften zur „Too big to fail“-Thematik. Auch nicht um die Frage, welche Art von Konsumentenschutz im Falle von übertriebenem (Risiko-) Appetit opportun wäre. Und schon gar nicht um Kritik am australischen Gastgewerbe. Im Gegenteil, wir haben auf der Südhalbkugel phantastische Ferien verbracht!

Kategorie: Regulierung
Erstellt am 19.08.2014 von Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik
In seinem stellvertretend für die Juso geschriebenen Gastbeitrag zur Initiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln“ argumentiert Professor Gunter Stephan, dass ein bestimmtes Verhalten von Marktteilnehmern die ansonsten gut funktionierenden Märkte negativ beeinflussen können. Das stimmt in dieser generellen Form absolut. Ob dies auf den konkreten Fall der Rohstoffanlagen auch tatsächlich zutrifft, ist eine ganz andere Frage.
Kategorie: Wirtschaft
Erstellt am 15.08.2014 von Christoph Winzeler, Leiter Finanzmarktrecht/Netting
Lassen sich Finanzprodukte besser und sicherer machen, indem man ein immer engeres Korsett von Regulierungen um sie schnürt? Die Geschichte lehrt das Gegenteil: Unattraktiv gewordene Geschäfte wandern ins Ausland ab. Gefordert sind Verhältnismässigkeit, Sachkunde und langfristiges Denken, gerade auch im Finanzdienstleistungsrecht.
Kategorie: Wirtschaft
Erstellt am 12.08.2014 von Stephan Gunter, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Uni Bern
Nachdem die JUSO Schweiz den SBVg-Ökonomen Martin Hess im Zusammenhang mit der Initiative „Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln“ karikierte, lud die SBVg die JUSO zu einer fundierteren Stellungnahme in Form eines Gastbeitrages ein. Stellvertretend für die JUSO bloggt Professor Gunter Stephan von der Uni Bern über Nahrungsmittelspekulation aus ökonomischer Sicht.
Kategorie: Wirtschaft
Erstellt am 24.07.2014 von Stefan Hoffmann, Leiter Europa
Die schweizerische Europapolitik schleppt viele ungelöste Probleme mit sich. Die Unsicherheit über das künftige Verhältnis der Schweiz zur EU belastet auch das grenzüberscheitende Bankgeschäft. Tragfähige Lösungen zu erarbeiten benötigt Konsens und Zeit. Letztere droht knapp zu werden. Von Konsens ist wenig zu spüren. Banken müssen sich positionieren.
Kategorie: Politik