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Glaebae adscripti – Sklaven im alten Rom und Steuerzahler im 21. Jahrhundert
Erstellt am 04.09.2012 von Schwob Renate, Leiterin Finanzmarkt Schweiz
Die einen zieht es in die Schweiz, die anderen nach den USA, Australien oder nach Kanada. Franzosen, die Frankreich verlassen, lassen sich wohl aus sprachlichen und kulturellen Gründen gerne in der Schweiz nieder, vor allem in der Westschweiz, wo die Unterschiede zu ihrem Herkunftsland gering sein mögen. In Frankreich verursacht vor allem der Wegzug vermögender Bürger verständlicherweise Aerger, geht doch mit jedem Abgang eines Steuerzahlers dem Staat entsprechendes Steuersubstrat verloren, vor allem dann, wenn die Steuerlast überwiegend oder fast ausschliesslich auf den Schultern vermögender Bürger ruht. Dass ein Staat hier versucht ist, mit allen rechtsstaatlichen und nicht rechtsstaatlichen Mitteln solche Abgänge zu verhindern, ist zwar auch verständlich, aber im Zeitalter der Personenfreizügigkeit immer schwieriger durchzusetzen – es sei denn, die Personenfreizügigkeit werde so verstanden, dass der eigene Bürger zwar in einem ausländischen Arbeitsmarkt tätig sein darf, die Ergebnisse seiner Tätigkeit aber gefälligst im Herkunftsland abliefern muss. Zu behaupten, der Auszug vermögender Bürger hänge damit zusammen, dass sie ihr Vermögen und ihre Einkünfte nicht ordnungsgemäss versteuert haben, ist nicht nur fadenscheinig, sondern wäre auch ein Eingeständnis, dass die Steuerfahndung im eigenen Land nicht funktioniert – vielleicht, weil sie sich allzu sehr auf das im Ausland gelegene Vermögen der eigenen Bürger konzentriert? Aufhorchen lässt aber nicht nur der Auszug der Franzosen aus Frankreich, sondern – wie man unlängst lesen konnte – der Auszug chinesischer Parteikader aus China. Der Fall von Weng Guokiang erregt die Gemüter in China. Er soll sich mit seiner Familie und mit 200 Millionen Yuan (30 Millionen Franken) ins Ausland abgesetzt haben, und er soll bei weitem kein Einzelfall sein. Interessant ist nun, dass sich diese Parteikader nicht etwa in die Schweiz absetzen, sondern in die USA, nach Australien oder Kanada – Länder, in denen wohlhabende Ausländer leicht Aufenthaltsgenehmigungen erhielten und eine Auslieferung nach China praktisch ausgeschlossen sei. Wie erfüllen wohl die dortigen Banken ihre Sorgfaltspflichten, wenn chinesische Ex-Kader mit Riesenbeträgen ankommen? Verlangen sie möglicherweise eine Selbstdeklaration, dass das Geld ehrlich erworben und ordnungsgemäss versteuert sei?

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Schwob Renate
Leiterin Finanzmarkt Schweiz
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