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Schattenbanken zukünftig an der Kandare
Erstellt am 27.04.2012 von Hess Martin, Leiter Wirtschaftspolitik
Heute findet in Brüssel die grosse Schattenbankenkonferenz statt. Alle interessierten Stakeholders sind zum Anlass eingeladen, in dessen Zentrum das Grünbuch der EU-Kommission über die Ausrichtung der zukünftigen Regulierung steht. EU-Kommissar Michel Barnier sieht die Schattenbanken als „grosse Bedrohung“ für die Finanzstabilität an und ist bestrebt, rigoros Licht ins Dunkel zu bringen. Der Vorsitzende der Federal Reserve Ben Bernanke hat in einer Rede vor zwei Wochen hingegen dargelegt, dass er gezielte chirurgische Eingriffe einem regulatorischen Zweihänder vorzieht. Spätestens nach dieser Positionierung des Schattenbankenmekkas USA und nach den unsäglichen Diskussionen zur Finanztransaktionssteuer sollte es Brüssel dämmern, dass Alleingänge keine Lösungen für globale Probleme sind.

Die Regulierungsaktivitäten wurden von der G20 ausgelöst, die den Sektor massgeblich für den Ausbruch der Finanzkrise mitverantwortlich macht. Als besonders risikoreich hat sich die Finanzierung der Schattenbanken in Krisenzeiten erwiesen. Ein grosser Unterschied zu den Banken ist auch, dass diese Finanzintermediäre notfalls nicht auf Liquidität der Zentralbanken zurückgreifen können. Aufgrund der Grösse des Sektors und seiner engen Verflechtung mit dem Bankensektor können gemäss Financial Stability Board (FSB) Probleme bei den Schattenbanken rasch auf die regulierten Banken überschwappen. Das FSB treibt deshalb eine umfangreiche Regulierungsagenda voran.

In der Schweiz spielen Schattenbanken eine wichtige wirtschaftliche Rolle und sind aus der Finanzindustrie nicht wegzudenken. Darunter fallen nicht nur Hedge Funds und Private Equity Firmen, sondern auch unabhängige Vermögensverwalter und Rohstoffhändler. Die Schattenbanken sind somit sehr heterogen und – nomen est omen – statistisch kaum erfasst. Die unter besonderer Beobachtung stehenden Geldmarktfonds sind in der Schweiz praktisch inexistent. Generell schätzen wir, dass der Sektor an die 30‘000 Arbeitsplätze umfasst. Dies entspricht etwa einem Viertel des Bankensektors oder 15 Prozent des gesamten Finanzplatzes. Die verwalteten Vermögen dürften 1.5 Billionen Franken klar übersteigen.

Zur Frage, ob in der Schweiz auch in diesem Bereich neue Regeln aufgestellt werden und wie diese aussehen, haben sich die Behörden nicht geäussert. Man reibt sich darüber erstaunt die Augen. Aufgrund der zahlreichen offenen Regulierungsbaustellen und der internationalen Dimension der Frage darf der Verzicht auf ein erneutes Vorpreschen aber als zweckmässig taxiert werden. Wichtig im Hinblick auf Finanzstabilität und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz scheint mir, nun den Schattenbankensektor genau zu röntgen. Diese Analyse soll die Bedeutung und die Risiken der Schattenbanken in der Schweiz zu Tage bringen. Regulatorische Schritte bedürfen solider Grundlagen.

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Hess Martin
Leiter Wirtschaftspolitik
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