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Basel/Bern, 18. September 2008 – Die 95. Generalversammlung
der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) fand heute im Stade de Suisse in Bern statt. "Krisen
sind auch Chancen" - so lautete die diesjährige Präsidialrede von Pierre G. Mirabaud, Präsident
der SBVg. Mit klaren Worten machte er seinem Unmut gegenüber den zahlreichen Finanzplatzkritikern Luft
und forderte diese auf, anstelle von Panik zu verbreiten, die Entwicklungen differenzierter zu analysieren.
Des Weiteren äusserte er sich zur Finanzkrise und skizzierte einige Lehren. Dabei betonte er mit Nachdruck,
dass die Krise nicht nur negative, sondern auch positive Aspekte habe. Beispielsweise sei die Reputation
des Schweizer Finanzplatzes nach wie vor intakt, oder die Engagements ausländischer Investoren seien
ein sehr gutes Zeichen für die Qualität von Swiss Banking. Schliesslich widmete er einen grossen Teil
seiner Rede dem Thema Privacy. Er betonte einmal mehr, dass über die Zukunft des Bankkundengeheimnisses
der Souverän in der Schweiz und nicht das Ausland entscheide. Er fragte sich auch, wieso sich immer
diejenigen
rechtfertigen müssen, welche die Privatsphäre schützen und nicht die anderen, die sie massiv einschränken
wollen.
Über 400 Bankiers und Gäste aus Wirtschaft, Politik, von Behörden,
Verbänden und Medien nahmen am festlichen Anlass teil. Botschafter aus über 40 Ländern gaben dem Anlass
einen internationalen Rahmen.
Der Präsident der SBVg machte in
seiner Rede keinen Hehl aus seinem Unmut gegenüber den Finanzplatzkritikern, welche sich nur dann äussern,
wenn der Finanzplatz in Schwierigkeiten stecke, fokussierte sich aber in seinen Aussagen auf Chancen
und Lehren. Sachlich analysierte er zu Beginn das "annus horribilis 2008", skizzierte positive
Aspekte der Krise und leitete Lehren aus der Entwicklung ab. Im zweiten Teil stellte er sich mit seinen
Statements zur Privacy klar hinter das Bankkundengeheimnis und den Schweizer Rechtsstaat.
Dem
von ihm genannten "annus horribilis 2008" gewann Pierre G. Mirabaud nicht nur schlechte Seiten
ab, obschon er eingestand, dass Fehler gemacht wurden. Weit Schlimmeres verhindert haben die Zentralbanken
mit ihrem koordinierten Eingreifen. Mit den Banken dagegen ging er härter ins Gericht. Das Versagen
des Risikomanagements sei nicht abzustreiten und auch die Anreize in den Entlöhnungssystemen müssten
überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Zu guter Letzt appellierte er an die gesellschaftliche
Verantwortung jedes Einzelnen und forderte ein gesundes Mass an Verantwortungsbewusstsein und Masshalten.
"Nicht das System hat versagt, sondern höchstens einige Systemteilnehmer. Gier, Egoismus oder Rücksichtslosigkeit
haben Masshalten, Gemeinwohl oder Rücksichtsnahme immer mehr an den Rand gedrängt."
Enttäuscht
äusserte sich Pierre G. Mirabaud über die teilweise beleidigenden Angriffe seitens Politik und Finanzplatzkritikern:
"Läuft die Wirtschaft gut, sind immer die anderen dafür verantwortlich. Läuft es aber schlecht,
sind die Banken schuld. Eine ganze Branche wird diffamiert und ein Berufsstand in corpore an den medialen
Pranger gestellt." - "Gerade in Krisenzeiten ist Augenmass erforderlich und nicht Panikmache".
Den
zweiten Teil seiner Rede widmete Pierre G. Mirabaud dem wichtigen Thema Privacy. Er kritisierte den
ausländischen Druck auf den Schutz der Privatsphäre und meinte: "Pensionierten Finanzministern
wurde der mediale rote Teppich ausgerollt und eine Schweizer Regierungspartei wusste einmal mehr nichts
Besseres, als gemeinsame Sache mit der EU gegen die Interessen der Schweiz zu machen." Er wolle
in der Schweiz nicht Ausländer kriminalisieren oder sie gar anderem Recht unterstellen. "Die Schweiz
ist ein Rechtsstaat und ein Rechtsstaat weicht vom Grundsatz der Gleichbehandlung von Schweizern und
Ausländern nicht ab." Darüber hinaus stünde der Staat im Dienste des Bürgers und nicht umgekehrt,
wodurch die Wahrung der Privatsphäre ein wesentlicher Grundsatz sei. Er betonte, dass nicht wir Schweizer
uns rechtfertigen müssten, wieso wir die Privatsphäre so hoch halten, sondern die anderen Länder sollten
begründen, wieso sie dies nicht tun. "Lassen wir uns nicht beirren. Der Schutz der finanziellen
Privatsphäre ist wichtig und richtig, ist in der Schweiz tief verankert und ist eine Chance und kein
Risiko für die Schweiz und den Schweizer Finanzplatz "
Bundesrätin
Micheline Calmy-Rey überbrachte die Grüsse der Landesregierung.
Mitteilung
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