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Die Rahmenbedingungen für Banken betreffen uns alle

Erstellt am 20.8.2012 von Martin Hess, Leiter Wirtschaftspolitik

Was ist dran an den düsteren Arbeitsplatzprognosen einiger Bankexponenten? Ist eine fünfstellige Reduktion der Beschäftigten in der Schweiz realistisch? Die typische Ökonomenantwort lautet auch in diesem Fall: „Es kommt darauf an.“ Und zwar auf die Rahmenbedingungen. Nicht auf alle haben Politik und Behörden einen Einfluss. Aber dort, wo sie die Rahmenbedingungen unmittelbar beeinflussen können, ist die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zwingend einzubeziehen. Andernfalls droht tatsächlich in gewissen Geschäftsbereichen ein Kahlschlag.

Wie die NZZ letzte Woche berichtete, scheinen die Regulierungsbemühungen in den ausländischen Finanzzentren markant zu erlahmen. Sogar wichtige Zentralbanken rund um den Globus scheinen nun die geplanten strengen Liquiditäts- und Kapitalvorgaben zu torpedieren, indem sie öffentlich an deren Umsetzbarkeit zweifeln. Seitdem das too-big-to-fail Paket in trockenen Tüchern ist, hat sich auch in der Schweiz der regulatorische Eifer in andere Richtungen bewegt. Unter diesen Vorzeichen hat die Bankiervereinigung basierend auf Berechnungen von BAKBASEL heute eine Studie über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Banken in der Schweiz (Die Bedeutung des Schweizer Bankensektors) publiziert. In Bezug auf die Beschäftigungslage wird darin bis 2020 mit einem geringen Rückgang der Erwerbstätigen von jährlich 0.3% gerechnet. Zusammen mit einer moderaten Korrektur bei den Personalausgaben ermöglicht dies eine höhere Profitabilität und damit eine Stärkung der Banken im hartumkämpften Markt. Der Schwanengesang wird also nicht angestimmt.

Ich gehe aber davon aus, dass der Rückgang der derzeit 146 000 Arbeitsplätze aber dann weit höher als prognostiziert sein dürfte, falls sich die Rahmenbedingungen gegenüber dem Ausland weiter verschlechtern sollten. Marktzugang, Steuerfragen und regulatorische Auflagen stehen momentan besonders im Rampenlicht. Sollte der Fall einer Verschlechterung des Geschäftsumfelds eintreten, dann werden in der Folge die Konsumausgaben von Bankangestellten und die Nachfrage der Banken nach Vorleistungen aus anderen Branchen empfindlich zurückgehen.

Die Bankiervereinigung schätzt, dass pro 100 Arbeitsplätze im Bankensektor 115 Arbeitsplätze in anderen Branchen geschaffen werden. Nimmt man das Negativszenario von Sergio Ermotti, Group CEO der UBS, als Massstab, dann hätte der befürchtete Wegfall von 20‘000 Arbeitsplätzen bei den Banken zusätzlich noch die Streichung von 23‘000 Stellen in anderen Sektoren zur Folge. Im gemeinsamen Dialog müssen nun Banken und Behörden schauen, dass der Schweiz ein Minus von 43‘000 Erwerbstätigen erspart bleibt. Ungünstige Rahmenbedingungen für den Finanzplatz sind kein Bankenproblem sondern ein gesamtwirtschaftliches Problem und gehen somit uns alle etwas an.

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