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2017/09/21 09:40:00 GMT+2

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Prudent Investor: Mehr Rendite dank neuen Anreizstrukturen

Prudent Investor: Mehr Rendite dank neuen Anreizstrukturen

Am 24. September 2017 stimmt die Schweiz über die Vorlage „Altersvorsorge 2020“ ab. Unabhängig vom Ausgang wird eine nachhaltige Reform der Vorsorgewerke weitere grosse Veränderungen insbesondere im Bereich der beruflichen Vorsorge bedingen.

Die Grundzüge der beruflichen Vorsorge wurden in den siebziger Jahren konzipiert, das Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) stammt aus dem Jahr 1982. Seiter haben viele Schweizer Pensionskassen ihren Anlagestil kaum geändert. Aufgrund des Wechsels vom Leistungsprimat zum Beitragsprimat hat sich ausserdem die Anreizstruktur für Pensionskassenverantwortliche nachteilig verändert. Ausserdem machen es die neuen Realitäten an den Finanz- und Kapitalmärkten zunehmend schwieriger, eine adäquate Rendite zu erwirtschaften. Nicht der einzige, aber mit ein Grund sind die in der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen und Invalidenvorsorge (BVV2) normierten fixen Anlagerichtlinien. Sie wirken hemmend auf die Verantwortlichen bei den Pensionskassen.

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Selbstauferlegte  Einschränkungen bei der Anlagestrategie

Gemäss Art. 71 Abs. 1 BVG verwalten die Vorsorgeeinrichtungen ihr Vermögen so, „dass Sicherheit und genügender Ertrag der Anlagen, eine angemessene Verteilung der Risiken sowie die Deckung des voraussehbaren Bedarfes an flüssigen Mitteln gewährleistet sind“.

Bereits hier wird offensichtlich, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen zu einem genügsamen Anlageverhalten verleiten. Eine Auseinandersetzung mit ökonomisch sinnvollen Alternativen findet deshalb nur allzu oft und zu Lasten der Destinatäre nicht statt. Dabei sind es genau diese hausgemachten Einschränkungen, die sich die Pensionskassen mit Blick auf die hohen Erwartungen an den Kapitalmarkt als dritten Beitragszahler je länger je weniger leisten können.

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Die gesetzlichen Vorgaben werden unter anderem in der BVV2 konkretisiert: So wird in Art. 53 BVV2 definiert, welche Anlagen zulässig sind und welche Kategorien für diese Anlageklassen zur Verfügung stehen. Anlagen, die nicht den typischen Vermögensklassen Aktien, Obligationen oder Immobilien zugeordnet werden können, werden aktuell der Kategorie Alternative Anlagen zugerechnet. Diese wiederum sollten gemäss Art. 55 lit. d BVV2 nicht mehr als 15 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen.

Für die strategische Allokation des Portfolios sind diese beiden Einschränkungen zentral, da einerseits das zulässige Anlageuniversum kategorisiert und eingeschränkt und anderseits auch die Gewichtung der verschiedenen Kategorien vorgegeben wird.

Prudent Investor Rule statt unflexible Anlagerichtlinien

Eine Revision der beruflichen Vorsorge, insbesondere der Anlagerichtlinien, wird schon lange diskutiert; aufgrund der aktuellen Kapitalmarktsituation und der allgemeinen Entwicklung der Vorsorgewerke (Altersvorsorge 2020) intensiver denn je.

Neben den naheliegenden Forderungen, wie beispielsweise einer schrittweisen Aufhebung der starren Anlagerichtlinien, plädieren weitsichtige Experten mittlerweile vermehrt für die Einführung einer Prudent Investor Rule und fordern damit nichts anderes als mehr Eigenverantwortung der Pensionskassen.

Konkret könnten die oben erwähnten Verordnungsbestimmungen durch folgende prinzipienbasierte Regeln ersetzt werden:

  • Risikotragfähigkeit und Anlagestrategie: Bestimmen der Anlagestrategie basierend auf einer detaillierten Analyse der Risikofähigkeit einer Pensionskasse. Dieser Vorgang und alle späteren Anpassungen sind schriftlich zu dokumentieren.
  • Diversifikation: Strikte Einhaltung des Prinzips der Diversifikation, und zwar nicht nur innerhalb einzelner Anlageklassen, sondern auf allen Anlageebenen und aufgrund einer Gesamtbetrachtung des Portfolios.
  • Monitoring und Reporting: Konsequente, antizipierende und gut dokumentierte Überwachung des Risikos sowie des Anlageerfolgs.
  • Gebühren und Kosten: Einfordern von Transparenz hinsichtlich Gebühren und Kosten. Vermeidung von ungerechtfertigten Gebühren und Transaktionskosten. 
    Professionalisierung oder Delegation: Bei ungenügendem Fachwissen besteht die Pflicht der Delegation an sorgfältig ausgewählte Fachspezialisten. 
  • Interessenkonflikte: Interessenkonflikte und persönliche Vermögensvorteile der beteiligten Personen sind strikt zu vermeiden. 

Zulässig wäre somit, was zweckmässig ist, und zwar aus der Optik eines sachkundigen und sorgfältig agierenden Investors. Eine Verankerung der Prudent Investor Rule in der Verordnung würde den Handlungsspielraum der Führungsverantwortlichen der Pensionskassen erhöhen und die Eigenverantwortung stärken.

Die Träger der beruflichen Vorsorge und die Politik haben es nun in der Hand, den 3. Beitragszahler im Interesse der Versicherten zu stärken.

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